Home > Sonderbeiträge > Volierenbau

Volieren(-bau) für Wildvögel

Wer mit dem Gedanken spielt, regelmäßig verwaiste Wildvögel aufzuziehen und/oder verletzte Altvögel gesund zu pflegen beziehungsweise dauerhaft zu halten, der benötigt idealerweise eine Voliere zur späteren Auswilderung respektive Unterbringung. An dieser Stelle möchten wir Ihnen Anregungen und Tipps zum Eigenbau von Wildvogelvolieren geben.

Selbstverständlich ist die Voliere ihrem jeweiligen Verwendungszweck entsprechend zu gestalten.

Auswilderungsvoliere Auswilderungsvolieren können ruhig ein wenig kleiner bemessen sein und müssen nicht unbedingt besonders professionell gebaut werden, da sie nur für einen kurzen Zeitraum als Unterbringung verwendet werden und hauptsächlich als Orientierungshilfe für den auszuwildernden Vogel dienen.

Eigenschaften der Auswilderungsvoliere
Wie die Voliere gestaltet sein sollte, hängt in erster Linie damit zusammen, welcher Vogelart sie vornehmlich als Behausung dienen soll. Kleinere Vögel, zum Beispiel Sperlinge, Meisen und Finken, benötigen einen engeren Maschenabstand als größere Arten wie etwa Rabenvögel.

Man kann zu diesem Zweck für kleinere Vogelarten durchaus auf handelsübliche "Volieren", wie sie als Fertigbausatz in Zoofachgeschäften erhältlich sind, zurückgreifen. Sie sollten vor dem Einsatz jedoch entsprechend modifiziert werden, um den Wildvögeln als artgerechte Behausung zu dienen:

  • Doppelverdrahtung: Handelsübliche "Volieren" sind einfach vergittert, wodurch die Vögel im Inneren der Gefahr ausgesetzt sind, dass Greifvögel, Katzen oder Marder den Vögeln, die vor Schreck am Gitter hängen, von außen die Füße abbeißen oder die Beine ausreißen. Auch halten sich mitunter Vögel nachts am Gitter fest und schlafen dort, sie stellen leichte Opfer für Fressfeinde dar. Daher werden an den senkrechten Kanten von außen Abstandshalter (diese können Holzleisten oder Stücke eines Vierkantrohres sein) mit Kabelbindern angebracht. An diesen Abstandshaltern wird eine zweite Lage Gitter mit Kabelbindern befestigt.

  • Wetterschutz: Zur Wetterseite hin sollte ein Windschutz angebracht werden, zum Beispiel ein Stück durchsichtige, feste Folie.

  • Futterbrett: Um den später ausgewilderten Vögeln das Auffinden des bereitgestellten Futters zu erleichtern, sollte von außen ein Futterbrett angebracht werden.

  • "Wegfliegschutz": Um zu verhindern, dass beim Hantieren von außen, beispielsweise beim Reichen des Futters, die Insassen der Voliere durch die Öffnung entkommen können, wird diese mit einem Geschirrtuch, das mit Wäscheklammern innen am Gitter wie ein Vorhang befestigt wird, gesichert. So kann mit den Händen hindurch gegriffen werden, ohne dass die Öffnung dabei frei ist.
Natürlich kann man eine Auswilderungsvoliere auch selbst bauen und den jeweiligen persönlichen Gegebenheiten anpassen. Jemand, der einmalig einen einzelnen Vogel aufzieht und auswildert, braucht sicher nicht so eine feudale Voliere wie eine Auffangstation, die dutzende Vögel in nur einer Saison auswildert.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Beispiele für selbst gebaute Auswilderungsvolieren zeigen:

Selbst gebaute Auswilderungsvoliere

Diese Auswilderungsvoliere wurde vollständig aus Holz gebaut. Die vier Ecken bestehen aus Vierkanthölzern, auf denen die Voliere steht. Der Boden besteht aus Holz, das mit einer dicken Schicht Einstreu bedeckt ist. In der Mitte zwischen den beiden großen Türen befindet sich ein schmaler Spalt, in den von außen eine vergitterte Trennwand eingeschoben werden kann. Auf diese Weise kann die Voliere von außen zur Hälfte geöffnet werden, ohne dass die Vögel entfliegen können (diese werden zuvor in die andere Hälfte der Voliere getrieben, bevor die Trennwand eingeschoben wird). So ist beispielsweise das Reinigen der Voliere kein Problem. Man kann zudem selbst auf diese Weise in die Voliere einsteigen. Eine zweite Person schließt dann von außen die Tür und zieht die Trennwand heraus, sodass man bei Bedarf Zugriff auf die Vögel haben kann. Die untere Hälfte der Türen besteht aus Klappen, durch die man vorsichtig Futter- und Wassernäpfe schieben kann, ohne gleich die ganze Tür öffnen zu müssen.

Eine weitere Auswilderungsvoliere für größere Vogelarten beziehungsweise für die gleichzeitige Unterbringung vieler Individuen einer Vogelart soll ebenfalls vorgestellt werden. Sie wurde durch ein Diakonisches Netzwerkerrichtet:

Selbst gebaute Voliere

Die Voliere hat ein Fundament aus Gehwegplatten und wurde so konzipiert, dass sie beliebig erweiterbar ist sowie bei Bedarf abgebaut und andernorts wieder aufgebaut werden kann. Dies ist durch die Fertigung von Einzelelementen, die ineinander verschraubt werden und alle die gleichen Maße haben (um die Voliere ggf. zu erweitern/zu verkleinern), gewährleistet.

Sollten Sie handwerklich wenig begabt sein oder einfach keine Zeit zum "Werkeln" haben, so sollten Sie Kontakt zu dem Projekt aufnehmen, um den Bau Ihrer Wunsch-Voliere durch das Jugendprojekt zu besprechen.

Anbei Fotos des Volierenaufbaus:

Volierenaufbau

Volierenaufbau

Volierenaufbau

Fertige Voliere

Innenansicht und Bewohner der Voliere
Innenansicht und Bewohner der Voliere

Hier ein weiteres Volierenbeispiel (zur Aufzucht und Auswilderung kleinerer Vogelarten gut geeignet) nach demselben Bauprinzip:

Voliere

Voliere

Volieren zur Unterbringung während einer Genesungsphase sollten ebenfalls der Vogelart entsprechend gestaltet werden. Je nachdem, wie lange der Vogel darin untergebracht wird, sollte die Voliere über eine ausreichende Größe verfügen, so dass der Vogel darin bei Bedarf auch Flugübungen ausführen kann.

Für das Betreiben von Volieren zur dauerhaften Unterbringung nicht mehr auswilderbarer Wildvögel bedürfen Vogelpfleger in einigen Bundesländern einer behördlichen Gehegegenehmigung; bei entsprechender Größe der Voliere ist auch eine Baugenehmigung notwendig. Bitte erkundigen Sie sich vor dem Bau bei der für Ihren Wohnort zuständigen Behörde nach den entsprechenden Vorschriften. Solche Volieren müssen gewisse Mindestmaße aufweisen, die der Vogelart entsprechen, die darin gehalten werden soll. Ferner müssen sie einige artspezifische Besonderheiten aufweisen. Außerdem dürfen nicht beliebig viele Vögel in einer solchen Voliere gemeinsam gehalten werden. Eine Übersicht über die geforderten Gehegedimensionen und besonderen Anforderungen finden Sie hier.

Vielleicht sind sie ja im Besitz eines alten Schuppens oder einer Garage, die Sie mit ein wenig Mühe prima in ein Wildvogelheim (für Auswilderungskandidaten, aber auch für Dauergäste) verwandeln können. Ein solch umgebautes Gebäude hat die Vorteile, dass relativ wenig "Gitter" vorhanden sind, an denen sich die auf die Freiheit vorzubereitenden Vögel das Gefieder beschädigen könnten (optimal zur Auswilderung von Schwalben) und die schon vorhandene Bodenkonstruktion, die vor Fressfeinden schützt. Wichtig ist es, den Schuppen oder die Garage beim Umbau so zu gestalten, dass möglichst viel Tageslicht und Luft in den Raum gelangen kann.

Anbei einige Fotos des Umbaus einer alten Garage zur "Garagenvoliere":

Garage im Rohzustand
Garage im Rohzustand vor dem Umbau

Nach dem Umbau
Nach dem Umbau

Glasbausteine wurden durch eine Tür mit Glasausschnitt ersetzt und das Mauerwerk wurden neu verputzt sowie gestrichen. Dachplatten (Faserzementwellplatten) wurden zum Teil durch lichtdurchlässige ersetzt. Die vorhandene große Abflussöffnung stellte eine Gefahr für die Vögel dar. Dieses Problem wurde gelöst, indem ein altes Becken passgenau auf den Abfluss gebaut wurde, wodurch - als positiver Nebeneffekt - das Wasserwechseln erleichtert wird.

Bewohner der 'Garagenvoliere'
Einige Bewohner der 'Garagenvoliere'

Im Folgenden finden Sie Fotos der Restauration eines zerfallenen Hühnerstalls, der zu einer Rabenvogelvoliere umgebaut wurde (der Vorbau ist ein Provisorium und sollte nicht zur Nachahmung dienen!):

Rohbau

Rohbau

Rabenvogelvoliere

Rabenvögel in der Voliere

Grundsätzlich ist beim Volierenbau Folgendes zu beachten:

Wichtig ist das richtige Fundament, um zu verhindern, dass sich ungebetene Gäste wie Mäuse und Ratten einschleichen, die den Vögeln schaden können. Entweder man gießt ein Betonfundament oder man legt ein engmaschiges, stabiles Gitter auf dem Boden aus. Eine Alternative ist das Verlegen von Gehwegplatten. Zu den Rändern hin muss der Zugang für Räuber ebenfalls blockiert sein, dies kann man zum Beispiel durch das Eingraben von Rasenkantensteinen erreichen.

Besonders stabil ist der Bau einer kleinen Mauer, die mindestens 50 Zentimeter tief in der Erde "versenkt" wird. Auf dieser Mauer können die senkrechten Pfeiler der Voliere angebracht und anschließend vergittert werden. Das Gitter wird dabei von beiden Seiten mit Aluminiumschienen außen an der Mauer mit Schrauben befestigt (Doppelverdrahtung). Auf dem folgenden Bild ist unten rechts das Prinzip erkennbar:

Sicherung gegen Fressfeinde

Das Gitter sollte stark genug sein, um Räuber abzuhalten und möglichst geschwärzt werden, um eine bessere Durchsicht von beiden Seiten (in die Voliere und von innen nach außen) zu gewähren. Alternativ kann kunststoffummanteltes Viereckgitter verwendet werden, wobei darauf zu achten ist, stabiles Gitter mit großer Drahtdicke zu verwenden.

Der Bodenbelag sollte möglichst auf die darin gehaltenen Vogelarten abgestimmt sein. Drosselartige wühlen beispielsweise ständig am Boden herum, um nach Nahrung zu suchen. Ein glatter, harter Betonboden wäre daher völlig ungeeignet für die meisten Wildvogelarten.

Artgerechter Boden

Alternativ kann ein betonierter oder aus Gehwegplatten bestehender Boden mit einer dicken Schicht Mulch, Laub, Walderde, usw. ausgelegt werden.

Dach der Voliere:
Die Voliere sollte so hell und lichtdurchlässig wie möglich sein. Daher sind durchsichtige Dachbausteine (Platten) von großem Vorteil, wenn auch relativ teuer.

Lichtdurchlässiges Dach

Wetterschutz:
Um Zugluft zu vermeiden, sollte die Voliere über Eck mit geeigneten Materialien vor Durchzug geschützt werden. Gut eignet sich hierfür starre, feste Fensterfolie, die in Stücke passender Größe geschnitten wird und beispielsweise mit Schrauben befestigt werden kann. Im folgenden Bild ist rechts eine solche Vorrichtung zu erkennen:

Wetterschutz

Dieser Windschutz ist an der Rückseite ebenfalls angebracht, so dass hier eine geschützte Ecke entstanden ist. Im Winter wird die gezeigte Voliere ringsum auf diese Art und Weise verkleidet.

Eine andere Variante des Wetterschutzes stellt ein separater Schutzraum bzw. ein -abteil dar. Dieser geschützte Bereich wird an die Freiflugvoliere angeschlossen und kann durch eine kleinere Öffnung von den Vögeln aufgesucht werden. Auf den folgenden beiden Bildern ist eine Rabenvogelvoliere zu sehen, die an eine kleinere Holzvoliere angebaut wurde, die im Winter komplett von außen isoliert wird:

Schutzraum

Von großer Bedeutung ist natürlich auch der Grundriss Ihrer Voliere. Die vorhandene Fläche sollte optimal genutzt werden und verschiedenen Anforderungen gerecht werden.

So ist es von Vorteil, wenn die Voliere nach Bedarf in mehrere Einzelbereiche aufgeteilt werden kann, um etwa Neuzugänge zunächst behutsam an eine vorhandene Gruppe zu gewöhnen oder um etwaige Störenfriede von einer Gruppe separieren zu können. Sinnvoll sind hierbei Schiebetüren, die den Vorteil haben, keinen zusätzlichen Platz zu beanspruchen:

Schiebetür

Eine Schleuse im Eingangsbereich ist wichtig, um den Pflegern ein ungehindertes und gefahrloses Betreten und Verlassen der Voliere zu ermöglichen. Außerdem können in der Schleuse auch Futterbehälter und Gegenstände, die täglich in der Voliere gebraucht werden, aufbewahrt werden.

Schleuse an der Voliere

Bei der Einrichtung und Ausstattung Ihrer Voliere können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen, nur sollten Sie die Bedürfnisse der Bewohner kennen und unbedingt berücksichtigen.

Inneneinrichtung einer Voliere

Auf der Abbildung oben ist ein Blick in eine Voliere für behinderte kleinere Wildvogelarten zu sehen. Wichtig und unerlässlich ist eine Badegelegenheit. In diesem Fall besteht diese aus einem großen Kunststoffblumenuntersetzer; das Wasser wird täglich gewechselt und der Untersetzer gereinigt. Je nach Behinderung des Vogels sollte diese Bademöglichkeit auf keinen Fall zu tief sein, um Ertrinken zu verhindern. Spatzen brauchen zudem eine Möglichkeit zum Sandbaden.

Waldecke in einer Voliere
Waldecke in einer Voliere, Foto © Susanne Wicht

Für flugunfähige Vögel werden Äste schräg vom Boden ausgehend aufgestellt, an denen sie empor klettern können. Gerne werden neben Sitzästen auch in verschiedener Höhe angebrauchte Brettchen angenommen. Des Weiteren sollten diverse Versteckmöglichkeiten nicht fehlen, wie zum Beispiel Rindentunnel, Grünpflanzen und ähnliches.

Badeplatz

Schlaf- und Brutnest

Solche Grasnester (siehe Foto oben) sind sehr beliebt als Schlafnest oder auch als Brutplatz.

Spechte benötigen viele senkrecht oder schräg gestellte Baumstammstücke und Holz zum Zerhacken und daran Festhalten.

Schwarzspecht an einem Holzstück

Relativ aufwendig - aber äußerst lohnenswert - ist das Einrichten einer "natürlichen Quelle", also eines Bachlaufes mit Filteranlagen in der Voliere. So steht den Vögeln permanent frisches Wasser zur Verfügung.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einige hilfreiche Anregungen liefern konnten und wünschen Ihnen viel Spaß und gutes Gelingen beim Bau Ihrer Wildvogelvoliere.

Alle nicht näher gekennzeichneten Fotos © Wildvogelhilfe-Team