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Vorurteile gegenüber Stadttauben
Von der einstigen Verehrung der Taube als Symbol für Frieden,
Sanftmut und Treue ist heute in unseren Städten kaum etwas
übrig geblieben. Spricht man bei uns von Tauben, so ist die
Rede meist nur von Problemen und Schäden, die sie
tatsächlich oder vermeintlich verursachen.
Da viele offene Fragen zu einer Verunsicherung führen und
zahlreiche Hetzkampagnen ein Klima der Ablehnung gegenüber
den Tauben schaffen, werden im Folgenden einige der wichtigsten
Fragen aufgegriffen, die einer sachlichen Aufklärung dienen
sollen. (Paula-Comic © Tierversuchsgegner Saar - Menschen für Tierrechte e.V.)
Der auf dieser Seite gezeigte Comic verdeutlicht in eindrucksvoller Weise, wie
viele Vorurteile durch die Köpfe der Menschen spuken. Klicken Sie bitte
die Grafik an, um sie zu vergrößern.
Stellen Stadttauben eine Gesundheitsgefährdung dar?
Die Befürchtung, dass Tauben eine Gesundheitsgefährdung
für den Menschen darstellen könnten, ist weit verbreitet.
Grundsätzlich können alle Lebewesen Überträger
von Krankheiten werden. Ausschlaggebend für das Maß der
Gefährdung ist jedoch sowohl die Art der Erreger als auch ihre
Pathogenität (krankmachende Wirkung) für den Menschen. Ob
solche Ängste im Hinblick auf Tauben tatsächlich
begründet sind, sollen einige Aussagen offizieller Stellen
klären:
- 1989 erklärt der ehemalige Präsident des
Bundesgesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. Großklaus: "Eine
gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht
größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie
durch Nutz- und Liebhabertiere." Diese Aussage wurde 2001 durch
das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen
Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin
bestätigt.
- Bereits 1976 erklärte der Berliner Senator für
Gesundheit und Umweltschutz, dass verwilderte Haustauben nicht
zu den Tieren zählen, die nach Art, Lebensweise oder
Verbreitung Krankheitserreger auf den Menschen übertragen:
"Es liegen keine konkreten Fälle von übertragbaren
Krankheiten in Verbindung mit Tauben vor."
- Taube = "Salmonellenbomber"?
Nur bei fünf bis zehn Prozent der verwilderten Haustauben wurden im Kot und Organismus
Krankheitserreger aus der Gruppe der Salmonellen nachgewiesen. Es handelt sich dabei um eine
sehr taubenspezifische Variante (Salmonella typhimurium 0:5),
die für den Menschen kaum infektiös ist.
Die Hauptansteckungsquelle für Salmonellenerkrankungen beim
Menschen sind Nutztierhaltung und tierische Lebensmittel, darunter beispielsweise
Eier und Fleisch. Über die Schalen von Hühnereiern
können durchaus für den Menschen krankmachende
Salmonellenerreger übertragen werden.
Zerstört der Taubenkot unsere Gebäude?
Wie alle anderen Exkremente von Mensch und Tier ist auch der
Taubenkot ein ästhetisches und hygienisches Problem. Die
Ursache der Gebäudezerstörung - vor allem an historischen
Objekten - auf den Taubenkot zurückzuführen, ist jedoch
abwegig. Der Zerfall ist erst in den letzten Jahrzehnten problematisch
geworden und primär auf Luftschadstoffe und den daraus
resultierenden sauren Regen zurückzuführen. Über
eine ätzende Wirkung des Taubenkots gibt es keine fundierten
Aussagen. Seine Qualität als Dünger hingegen wird vom
Menschen seit Jahrhunderten geschätzt.
Das Bayerische Amt für Denkmalpflege stellt zum Taubenkot fest,
"dass der pH-Wert der Ausscheidungen im neutralen bis schwach sauren
Bereich liegt. Der Taubenmist enthält demnach keine starken
Säuren und Laugen. Es ist deshalb auch verfehlt, von einem
Säureangriff auf Materialien zu sprechen." Als "ätzend"
werden Stoffe bezeichnet, deren ph-Wert < 2 oder > 11,5
beträgt.
Autorin des Sonderbeitrags: Anke Poggel,
Fotos © Gaby Schulemann-Maier
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