
> Sonderbeiträge
|
Home
> Sonderbeiträge
> Stadttauben-Spezial
> Tauben-Special
> Kommunen und das Taubenproblem
Kommunen und das Taubenproblem
In manchen Städten versucht man, den Bestand der Stadttauben durch Tötungsaktionen (z. B. Abschuss, Einfangen und anschließendes Enthaupten durch Kopfabreißen oder Vergiftung) zu reduzieren, teilweise sogar gänzlich auszurotten. Die Folgen solcher Tötungsaktionen sind das qualvolle Sterben der Tauben und das Verhungern von elternlosen Jungtieren, die dann als verwesende Tierleichen tatsächlich eine potentielle Gesundheitsgefährdung darstellen können. Aus den Bekämpfungsmaßnahmen ergibt sich ein fortwährender Kreislauf des Tötens, da sie nicht an den Ursachen ansetzen. Bei Vergiftungsaktionen, beispielsweise durch Blausäure oder Alpha-Chloralose, sind auch andere Vogelarten betroffen, so dass in diesen Fällen gegen das Bundesartenschutzgesetz verstoßen wird.
Das Bundesgesundheitsamt erklärte 1989 in einer Stellungnahme, dass der Einstufung der verwilderten Haustaube als Schädling im Sinne des § 13, Absatz 1, Bundesseuchengesetz in dieser Form nicht mehr zugestimmt werden kann. Dies gilt ebenfalls nach neuesten Erkenntnissen des jetzigen Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin aus dem Jahr 2001. Daher ist es vollkommen unverständlich, dass immer noch Schädlingsbekämpfungsfirmen Tötungsaktionen gegen Tauben durchführen können.
Die Begründung, dass die Brutaktivität vom Nahrungsangebot abhängt, ist daher nicht schlüssig. Ein erhöhtes Brutverhalten, sprich das Ansteigen der Reproduktionsraten und -phasen, ist durch zuchtbedingte genetische Veränderungen verursacht.
Auch wenn in Einzelfällen ordnungsgemäß angebrachte Maschendrähte, die regelmäßig auf Beschädigung kontrolliert werden müssen, sinnvoll sein können, muss die Wahl der Mittel immer im Einklang mit dem Tierschutz stehen und sollte Kosten und Nutzen gegeneinander abwägen. Nach § 13 Abs. 1 Tierschutzgesetz ist es "verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzubringen oder anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist ..." Eine tierschutzkonforme Abwehrmaßnahme, beispielsweise an Balkonen sind Attrappen von Raben. Unter www.taubenabwehr.net findet man einen Hersteller solcher Rabenattrappen. Dass der Hersteller als Werbemittel für den Kunststoffraben die üblichen Vorurteile gegenüber Stadttauben anwendet, sei ihm angesichts der offensichtlich erfolgreichen und für die Tauben völlig harmlosen Abwehrmaßnahme verziehen. Der Rabe wird für die Tauben gut sichtbar auf dem Dach oder dem Balkongeländer angebracht. Wichtig ist, dass der Rabe beweglich angebracht wird und von Zeit zu Zeit den Standort wechselt, sonst durchschauen die Tauben den Trick irgendwann.
Die erprobten Chemosterilantien erwiesen sich zwar als geeignet, die Fruchtbarkeit zu senken, jedoch wurden massive Nebenwirkungen, wie Streckkrämpfe, Zittern, Erbrechen und sogar Nestlingssterblichkeit beobachtet. Daher sind Chemosterilantien aus Tierschutzgründen abzulehnen. Die zweite Variante der Fertilitätshemmer sind Hormone (Taubenpille). Der Hersteller des Medikamentes beschreibt es folgendermaßen:
In den vom Hersteller genannten Zeitabständen wurde die Verabreichung wiederholt und die Taubenzahl regelmäßig kontrolliert. Am Ende des Versuches konnte an den untersuchten Taubenschwärmen eine Stagnation bzw. ein leichter Rückgang der Taubenanzahl festgestellt werden. Äußerliche Krankheitsanzeichen wurden nicht beobachtet. So gesehen stellt die Taubenpille also eine wirksame und tierschutzgerechte Maßnahme zur Bestandsregulierung dar. Die Nachteile der Methode sind jedoch nicht unwesentlich: Voraussetzung ist, dass in einer Stadt sämtliche Taubenschwärme an feste Futterplätze gebunden werden. Die Fütterung muss täglich am selben Ort und zur selben Tageszeit vorgenommen werden. Die Verabreichung der Pille muss dann an allen Futterplätzen zeitgleich erfolgen, um zu verhindern, dass dieselbe Taube an mehreren Futterplätzen auftaucht und dort frisst. Dies bedeutet einen großen, organisierten Personaleinsatz. Hinzu kommen Faktoren wie das Wetter oder der jeweilige Hunger der einzelnen Vögel. Bei Regenwetter löst sich die zuckerartige Schicht um das präparierte Korn auf und der Wirkstoff geht verloren. Weiterhin kann es vorkommen, dass andere Taubenfütterer die Tauben vor dem Einsatz bereits gefüttert haben, so dass die Vögel bei geplanter Verabreichung der Taubenpille schon satt sind. Die Tauben prüfen mit dem Schnabel und der Zunge jedes Korn, bevor sie es fressen. Ist der gesamte Schwarm bei der Fütterung zugegen, führt der Futterneid dazu, dass die präparierten Körner gut aufgenommen werden. Kommen jedoch nur wenige Tauben zur Fütterung, so lassen sie die Körner mit dem Medikament häufig wieder fallen und picken stattdessen lieber die echten Maiskörner auf. Zusammenfassend lässt sich zur Taubenpille sagen, dass sie in Verbindung mit anderen tierschutzkonformen Regulationsmaßnahmen durchaus erfolgreich sein kann, dass jedoch die Praxis der korrekten und effektiven Anwendung sehr schwierig ist.
Diese so genannten Taubenstationen weisen den entscheidenden Vorteil auf, dass die Tauben hier einen Ort vorfinden, an dem sie sich regelmäßig aufhalten dürfen und sollen. Die positiven Aspekte liegen auf der Hand:
Zu Beginn wurde der Raum gründlich gereinigt und dann unter Anleitung eines Taubenzüchters fachgerecht eingerichtet. Vier eigens gebaute, mehrstöckige Türme bieten viel Platz zum Nestbauen, Brüten und auch einfach als Aufenthaltsorte. Rechts sieht man zwei dieser Bruttürme. In den einzelnen Fächern befinden sich je ein Sitzbrett und eine Tonschale, in der die Tauben ihre Nester bauen können. Natürlich werden auch an anderen Stellen der Station Nester gebaut, z. B. am Boden oder oben auf den Türmen. Nicht sichtbar sind auf diesem Bild die zusätzlichen Sitzbrettchen für die Tauben, die nicht brüten. Einmal pro Woche wird der gesamte Raum von uns gereinigt und die Nisthöhlen und der Fußboden rings um die Türme herum mit Zeitungspapier ausgelegt. Gelegte Eier tauschen wir gegen Kunststoffeier aus, spülen die Näpfe und stellen mehrmals wöchentlich frisches Wasser und Futter bereit. Wären wir mehr Leute, könnte die Betreuung natürlich noch intensiver erfolgen, doch mit nur drei Personen, die diese Arbeit ehrenamtlich in ihrer Freizeit verrichten, ist mehr leider nicht zu bewältigen. Die Station im Stutterheim'schen Palais besteht bereits seit 1995. Von Anfang an wurde jedes ausgetauschte Ei gezählt und jeweils am Jahresende eine Bilanz gezogen. Unsere Grafik (bitte hier klicken) zeigt die zeitliche Entwicklung der Summe der entnommenen Eier. Eine weitere Station befindet sich im Tierheim der Stadt. 1999 wurde dort der bestehende Dachraum für die Tauben von Grund auf renoviert und attraktiver für die Tauben eingerichtet. Der Erfolg war enorm, wie man an der Statistik sehen kann. Im Jahr 2000 musste die dritte Station leider geschlossen werden, da das Haus, in der sich die Station befunden hatte, verkauft wurde und der neue Besitzer kein Verständnis für eine Taubenstation aufbrachte. Zwar wurde eine neue Station in Form eines Holzhauses auf dem Dach einer Halle von der Stadt zur Verfügung gestellt, diese hat jedoch bislang noch keine Akzeptanz bei den Tauben gefunden. Das Diagramm (siehe hier ) belegt, dass es einige Jahre dauern kann, bis sich sichtbare Erfolge des Konzeptes zeigen. Doch der langfristige Erfolg ist deutlich. Bislang beteiligen sich folgende Städte an dem beschriebenen Konzept (Stand: April 2003):
Ein Beispiel aus der Industrie, wo das Konzept ebenfalls erfolgreich angewandt wird, sind die Fordwerke in der Stadt Köln. In einer der Produktionshallen, in welcher Getriebegehäuse gefertigt werden, hatten sich Tauben eingenistet. Durch den herab fallenden Taubenkot wurden die hergestellten Getriebe und teilweise auch lackierte Teile verunreinigt und sogar beschädigt. Dem Tierschutzbeauftragten des Werkes ist zu verdanken, dass für die ansässigen Tauben sowie den Produktionsbetrieb eine verträgliche Lösung des Problems gesucht wurde. Unter Beratung und Mithilfe der BAG Stadttauben wurden daher an anderer Stelle des Geländes vier Taubenschläge eingerichtet. Mit Hilfe von dort vorübergehend eingesperrten Locktauben gelang es, die in der Produktionshalle lebenden Tauben in die Taubentürme zu locken, wo sie nun von einem ehemaligen Taubenzüchter, der bei Ford angestellt ist, fachmännisch betreut werden. Die Tauben erhalten regelmäßig artgerechtes Futter und die gelegten Eier werden gegen Gipsattrappen ausgetauscht. Autorin des Sonderbeitrags: Anke Poggel
|
|||
|
|
|
|||