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Was sind "Stadttauben"?

In allen größeren Städten zählen "verwilderte" Taubenschwärme zu den vertrauten Bewohnern. Diese Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen (Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/96).

Wilde Felsentaube Die Stammform aller gezüchteten Tauben ist die Felsentaube Columba livia, die in der Abbildung rechts zu sehen ist. Die verschiedenen Färbungen bei den Stadttauben sowie das veränderte, meist ganzjährige Brutverhalten zeigen deutlich, dass es sich um aus der Zucht stammende (domestizierte) Tiere handelt. Das Problem Stadttauben ist ein vom Menschen verursachtes, da es sich um "verstädterte", im strengen Sinne auch ausgesetzte Haustiere handelt. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung sind Stadttauben also keine Wild-, sondern Haustiere, die den Anforderungen der freien Wildbahn nicht mehr in vollem Umfang entsprechen. Foto rechts © Anke Dornbach

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf das Problem der Brieftauben und deren Einfluss auf die Stadttaubenpopulationen eingehen:

Immer wieder landen verirrte und erschöpfte Brieftauben irgendwo entlang der Flugstrecke, die sie in den heimischen Schlag führen soll, an ihnen unbekannten Orten. Häufig sind dies Städte, und nachdem sie dort auch auf Artgenossen treffen, schließen sie sich diesen der Not gehorchend an. Nicht selten finden Passanten bis auf die Knochen abgemagerte, beringte Tauben. Mit ein wenig Glück können diese von tierlieben Menschen aufgepäppelt werden. Viele von ihnen werden jedoch nicht gefunden und sterben einen einsamen Tod, weit entfernt von ihrem heimatlichen Schlag, ihren Partnern und ihrem Nachwuchs.

Rassetaube Häufig bekommt der Finder einer erschöpften Brieftaube eine negative Antwort, wenn er den Züchter anruft (die Telefonnummer ist auf dem Ring meistens zu lesen). für den Züchter hat die Taube ihren "Wert" verloren, denn sie hat nicht nach Hause gefunden. Wer eine erschöpfte Brieftaube findet und aufpäppelt, sollte sich daher lieber um einen geeigneten Platz für die Taube kümmern, denn Tiere, die zwar irgendwann zurückkehren, aber nicht die erwarteten Leistungen erbracht haben, werden entweder gar nicht mehr angenommen oder häufig sogar getötet. Der Brieftaubenzüchter nennt dies "Selektion". Foto rechts © Anke Dornbach

Alleine in Deutschland gibt es ca. 79.000 Brieftaubenzüchter, die ca. 10 Millionen Tauben halten. Die ihnen abverlangten Wettflüge (Strecken von bis zu 1.000 Kilometern mit einer mittleren Fluggeschwindigkeit von 80 km/h) übersteigen oft die Kräfte der Tiere. Die "Verlustquote" bei Wettflügen beträgt bis zu 30 Prozent. Besonders groß ist der "Ausschuss" bei den Jungtauben. Nach Auskunft von Brieftaubenzüchtern ist unter zehn jungen Tauben nur eine gute Brieftaube. Das heißt, Hunderttausende von Tauben sterben jährlich aufgrund solcher Veranstaltungen oder stranden unter anderem in unseren Städten und verbleiben dort.

Die Hochleistungen werden durch "psychische Motivation" erzwungen. Grundlage ist die Tatsache, dass Tauben treue Partner sind und besonders fürsorgliche Eltern. So werden entweder nach der sogenannten "Witwenschaft" Taubenpaare voneinander oder Eltern von ihren Nestlingen nach der sogenannten "Nestmethode" getrennt. Die Tiere mobilisieren nun ihre ganzen Kräfte, um vom weit entfernten Auflassort in den Schlag und zu ihrem Partner beziehungsweise zu den Taubenkindern zurückzukehren.

Die Landesanstalt für Umweltschutz des Landes Baden-Württemberg erklärte 1995: "Den stärksten Anteil am Zuflug unserer Stadttaubenschwärme haben heute verirrte und erschöpfte Brieftauben. Dies ist alleine schon in der großen Zahl, aber auch der Streuung der verflogenen Tiere begründet." Brieftauben leisten demzufolge einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Stadttaubenpopulation und hier sollten die Brieftauben"sportler" mit zur Verantwortung gezogen werden. Foto unten © Anke Dornbach

Zuchttauben

Autorin des Sonderbeitrags: Anke Dornbach

 

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