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Verbreitung und Wanderung der Saatkrähe

Saatkrähen auf dem Balkon Im atlantischen Klima ist die Saatkrähe eher ein Standvogel, im winterkalten kontinentalen Klima dagegen ein Zugvogel. In Mitteleuropa ist diese Vogelart ein Teilzieher. Saatkrähen sind ausdauernde Weitstreckenflieger. Sie können teilweise in über 2.000 Metern Höhe entlang ihrer Zugrouten fliegen. Der Heimzug in die Brutgebiete beginnt im Februar.

Von Westeuropa bis nach Zentralsibirien erstreckt sich das Brutgebiet der Saatkrähe. Schwerpunkte mit geschlossener Verbreitung sind Osteuropa, Nordfrankreich, England und Irland. In Europa ist sie Bewohnerin der fruchtbaren Niederungen, Tiefländer und Stromtäler. Nur vereinzelt steigt sie in waldarmen Landschaften in höhere Lagen. In Mitteleuropa ist das gegenwärtige Verbreitungsgebiet stark zersplittert, was einerseits durch lange intensive Verfolgung bis zur lokalen Ausrottung und andererseits durch das sehr unterschiedliche, zur (Wieder-)Ansiedlung geeignete Lebensraumangebot bedingt wird.

Da die Saatkrähe ein Koloniebrüter ist und die Nahrungssuche in großen Schwärmen vollzieht, kam es schon immer zu lokal massiertem Auftreten, das bereits vor langer Zeit starke Nachstellungen durch den Menschen - beispielsweise Jäger und Landwirte - auslöste. Seit dem späten 19. Jahrhundert kam es zur "Schutzflucht" in Siedlungen, Privatparks und in Randbereiche der Großstädte. Bis heute hält diese Verstädterung an. Dieses Phänomen zunehmender Bestände in Dörfern und Städten wird häufig als "Übervermehrung" fehl interpretiert und nicht als das gesehen, was es in Wahrheit ist: eine Verlagerung des Lebensraums.

Autorin des Sonderbeitrags: Dagmar Offermann

 

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