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Beschreibungen einiger Rabenvogelarten

Dohle Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über die in Mitteleuropa normalerweise anzutreffenden Rabenvogelarten. Hierbei gilt allerdings, dass nicht sämtliche Arten überall vorkommen. Das Verbreitungsgebiet der einzelnen Arten ist in den jeweiligen Beschreibungen angegeben. Foto rechts: Dohle, © Shura

 

 

Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes)
Tannenhäher Er ist etwas so groß wie der Eichelhäher, schokoladen-graubraun, mit vielen weißen Tupfen, einer dunklen Kopfkappe, schwärzlichen Flügeln und schneeweißen Unterschwanzdecken. Die Jungvögel sind ähnlich gefärbt, aber generell heller mit einer weniger deutlichen Fleckung. Foto © Claudia Neumann

Der Tannenhäher ist ein spärlicher Brutvogel in Bergwäldern des mittel- und osteuropäischen Raumes, in Südskandinavien und den ehemaligen Sowjetrepubliken brütet er vornehmlich in Nadelwäldern. Bei uns ist der Tannenhäher eher selten anzutreffen.

Als Nahrung bevorzugt er Samen der Zirbelkiefer und Haselnüsse, die er auch im Boden versteckt, ansonsten ist er wie alle Rabenvögel vielseitig.

Tannenhäher versammeln sich über das ganze Jahr in Gruppen von bis zu zehn Tieren, um Paare zu bilden - sie veranstalten einen regelrechten "Heiratsmarkt". Die gebildeten Paare führen, wie die meisten Rabenvögel, eine lebenslange Ehe.

Das Gelege besteht aus drei bis vier blassgrün, bläulich gefärbten Eiern. Die Brutdauer beträgt 18 Tage, die Nestlingsdauer 22 bis 28 Tage. Nach Verlassen des Nestes werden die Jungvögel bis zum Alter von 80 Tagen, manchmal noch bis zum 105. Tag, von den Alttieren gefüttert und geführt.

Das nachgewiesene Höchstalter im Freiland beträgt 15 Jahre, in Gefangenschaft 31 Jahre.

Eichelhäher (Garrulus glandarius)
Badender Eichelhäher Der Eichelhäher ist ähnlich groß wie eine Türkentaube und besitzt eine auffällige bunte Färbung. Das Federkleid ist rötlich-braun mit einer helleren Unterseite, der Schwanz und die Flügel sind schwarz. Hierzu stehen der schneeweiße Bürzel und die weißen Flügelecken in starkem Kontrast. Die Flügeldecken sind leuchtend hellblau mit schwarzer Bänderung. Die auf dem Kopf befindlichen Scheitelfedern können aufgestellt werden, der Kopf ist auf hellerem Grund schwarz längs gestrichelt, die Kehle ist weiß mit einem schwarzen Bartstreif. Die Jungvögel sind ähnlich gefärbt, insgesamt aber dunkler und weniger kontrastreich. Foto © Karsten Thier

Der Eichelhäher ist häufig in Nadel- und Mischwäldern, aber auch in menschlichen Siedlungen, beispielsweise in baumreichen Grünanlagen von Städten, anzutreffen. Die Sterblichkeit der Eichelhäher wird stark durch Abschuss beeinflusst!

Von Frühjahr bis Herbst überwiegt der Anteil an tierischer Kost, von Herbst bis Frühjahr ernährt er sich hauptsächlich von pflanzlichen Nahrungsbestandteilen.

Dieses schöne Tier trägt dazu bei, forstlich sehr erwünschte Pflanzen und somit die Wälder zu verbreiten, indem es Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse im Boden, an Gebüschrändern und unter Laub versteckt. Der Eichelhäher verfügt über ein individuelles Stimmrepertoire: Er ist dazu in der Lage, Geräusche - wie beispielsweise die Stimmen von Eulen oder Reihern - täuschend echt zu imitieren.

Das Gelege besteht aus vier bis sieben blassgrün, bräunlich oder rötlich gezeichneten Eiern. Die Brutdauer beträgt 16 bis 17 Tage, die Nestlingsdauer 19 bis 22 Tage. Die Jungvögel werden nach dem Verlassen des Nestes noch drei bis vier Wochen von den Alttieren gefüttert und geführt.

Das nachgewiesene Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre.

Elster (Pica pica)
Elster Die Elster ist durch ihre schwarz-weiße Färbung und ihren sehr langen Schwanz leicht bestimmbar. Der Bauch, die Seiten und die Schulterflecken sind weiß gefärbt, ansonsten ist das Gefieder schwarz mit einem bläulichen Metallschimmer auf den Schwingen, die Schwanzfedern glänzen grünlich. Die Jungvögel sind matter gefärbt und ihr Schwanz ist nicht ganz so lang. Foto © Gaby Schulemann-Maier

Die Elster ist in ganz Europa ein häufiger Brutvogel, auch in den Städten. Bedingt durch das massive Nachstellen durch den Menschen (Abschuss) schwankt ihre Population stark. In der Südschweiz ist die Elster seit ihrer Ausrottung im Jahre 1915 nicht zurückgekehrt!

Sie ist ein vielseitiger Allesfresser, wobei die Nahrung nach dem bestehenden Angebot wechselt. Elstern suchen oft im Fell von Weidetieren nach Insektenund Schafe lassen sich von ihnen gerne behutsam die Augenwinkel nach Nahrung absuchen.

Das Gelege besteht aus vier bis sieben, selten aus bis zu zehn blassbläulichen oder grünen Eiern, mit braunen oder grauen Sprenkeln. Nach 18 bis 19 Tagen schlüpfen die Jungvögel, nach weiteren 18 bis 19 Tagen sitzen sie als nicht flugfähige Nestlinge außerhalb des Nestes. Mit 22 bis 27 Tagen sind die jungen Elstern flügge und werden von den Eltern noch acht Wochen geführt und versorgt.

Elstern können 15 Jahre alt werden.

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
AlpendohleDie Alpendohle ist zierlicher als die Aaskrähe, ihr Gefieder ist schwarz glänzend, der Kopf rund, der Schnabel amselähnlich. Er ist gelb und ihre Beine sind rot. Der Schnabel der Jungvögel ist graugelb, die Beine sind schwarzbraun.

In den Gebirgen Südeuropas brütet die Alpendohle bis zur Schneegrenze hinauf, bei uns liegt ihr Brutgebiet in den Alpen. An Skiliften und Berggasthäusern ist sie bedingt durch das üppige Nahrungsangebot wenig scheu und häufig anzutreffen. In Nordspanien wird von Rückgängen aufgrund des intensiven Abschusses berichtet. Foto © Andrea Szabo

AlpendohlenAuf dem Speiseplan der Alpendohle steht weniger Aas als auf dem des Kolkraben. Ansonsten ist sie aber ein vielseitiger Allesfresser. Nahrungsbrocken versteckt sie gerne in Felsspalten. Foto © Lip Kee, Flickr.com

Oft kann man - wie auch bei den Kolkraben - eindrucksvolle Paarflüge der einander lebenslänglich treuen Paare beobachten.

Das Gelege der Alpendohle besteht aus drei bis fünf Eiern, die Brutdauer beträgt ca. 19 Tage, und mit ca. 35 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber noch drei bis vier Wochen geführt und versorgt. Die Nestlingssterblichkeit ist bei den Alpendohlen sehr hoch: im Durchschnitt überlebt weniger als ein Junges pro Brutpaar!

Im Freiland können Alpendohlen über 20 Jahre alt werden.

Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax)
AlpenkräheDie Alpenkrähe ist etwas größer als die ähnlich aussehende Alpendohle. Ihr schwarzes Gefieder glänzt stärker, ihre roten Beine sind länger und sie besitzt einen längeren, gebogenen roten Schnabel. Die Jungvögel sind matter als die Altvögel gefärbt. Foto rechts © Keith Marshall, Flickr.com

In Gebieten, in denen Alpenkrähen und Alpendohlen leben, treten auch Mischlinge der beiden eng verwandten Vogelarten auf.

In Felsgebirgen und an Steilklippen Süd- und Westeuropas liegen die Brutplätze der Alpenkrähe; auch an der britischen und irischen Küste errichtet dieser Vogel seine Kinderstube. Die Alpenkrähe leidet in unseren Breiten stark unter den Veränderungen der Landwirtschaft und Landschaft. Exzessive Bejagung setzt den südeuropäischen Beständen zu, regional ist sie stark gefährdet. In den südlichen und westlichen Alpen ist sie ausgestorben!

Sie ist ein ausgeprägter Insektenfresser und daher auf ein Insektenangebot angewiesen, nur bei Nahrungsmangel während des Winters ernährt sie sich von Aas.

Die Alpenkrähen führen sehr feste und enge Paarbeziehungen. Ihre Ehe ist wie bei den meisten anderen Rabenvögeln auf Dauer angelegt. Größere Bruterfolge erreichen Alpenkrähen erst ab einem Alter von fünf Jahren. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern, die Brutzeit dauert 21 bis 23 Tage. Nach 37 bis 40 Tagen verlassen die Jungen das Nest und werden noch 30 bis 40 Tage im Familienverband geführt, wobei sie sich nach 21 Tagen selbständig ernähren.

Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre, wahrscheinlich sind aber über 25 Jahre. In Gefangenschaft wurden einige dieser Vögel knapp 30 Jahre alt.

Dohle (Corvus monedula)
Dohle Die Dohle ist kleiner als alle anderen schwarzen Rabenvögel der Gattung Corvus. Sie hat einen viel kürzeren Schnabel, eine hohe Stirn; ihr Nacken, Hinterkopf und die Ohrdecken sind grau, die Augen hellgrau, das restliche Gefieder ist auf der Oberseite schwarz glänzend, auf der Unterseite matter schwarz gefärbt. Foto rechts © Ewald Ferlemann

Im Kulturland ist die Dohle ein verbreiteter Brutvogel, man findet sie in alten Laubwäldern und Städten; im südlichen Mitteleuropa ist die Dohle regional gefährdet!

Sie ist ein vielseitiger Allesfresser, greift aber mehr als die anderen Corvus-Arten auf Insekten zurück. Als Nistplätze dienen Baumhöhlen, Dachstühle von Kirchturmspitzen, Schornsteine, Mauer- und Felsnischen.

Dohle Es wurde aber auch schon beobachtet, dass sich Dohlen Nistplätze in Kaninchenbauten schaffen, da sie Dunkelheit am Nest bevorzugen. Zur Polsterung der Nestmulde sammeln sie Winterpelz von Weidetieren ein. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier

Das Gelege besteht aus vier bis sechs, im Extremfall zwei bis acht Eiern, deren Farbe zwischen blassblau und hellgrün mit dunkel-graubraunen Flecken variiert. Die Brutdauer beträgt 17 bis 18 Tage, im Alter von 28 bis 36 Tagen verlassen die oft noch nicht voll flugfähigen Jungen das Nest. Zwei Wochen nach dem Flüggewerden beginnt die Truppbildung. Zur Jungenaufzucht sind Großinsekten besonders wichtig.

Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 18 Jahre, in Gefangenschaft können sie knapp 30 Jahre alt werden.

Rabenkrähe (Corvus corone)
RabenkräheDie Rabenkrähe ist einfarbig schwarz, etwas weniger glänzend als die etwa gleichgroße Saatkrähe, besitzt einen kräftigen schwarzen Schnabel, der aber nicht so klobig wie beim Kolkraben ist und nicht so schlank und spitz wie bei der Saatkrähe. Rabenkrähen sind in Deutschland vor allem im westlichen Landesteil zu finden. Sie sind in fast allen Lebensräumen heimisch, nur in geschlossenen Wäldern fehlen sie. Diese Vogelart ist ein besonders vielseitiger Allesfresser. Im Winterhalbjahr werden überwiegen Beeren, Sämereien und Aas verzehrt, im Sommerhalbjahr leben Rabenkrähen von tierischer Nahrung, darunter Schnecken, Regenwürmer, Insekten, Kleinsäuger und gelegentlich Vogeleier. Sehr geschickt sind Rabenkrähen bei der Jagd nach Insekten: Sie nutzen dabei aus, dass Weidetiere häufig kleine Tiere aufschrecken. Aus diesem Grund kann man Rabenkrähen häufig auf Viehweiden beobachten. Mitunter fressen Rabenkrähen auch die Nachgeburt von Schafen und attackieren zuweilen sterbende Lämmer. Foto © Gaby Schulemann-Maier

Das Sozialverhalten dieser Vogelart ist gekennzeichnet durch die Trennung der Population in Brutvögel, die Territorien besitzen, und locker zusammenhaltenden Nichtbrütertrupps (ein- bis fünfjährige Vögel). Angehörige der Nichtbrütertrupps rücken im Alter von rund sieben Jahren in die Brutgesellschaft nach.

In Baumkronen in Alleen und Parks sowie in der Kronenregion hoher Bäume auf Plätzen und Hinterhöfen kann man die Nester von Rabenkrähen finden. Mitunter sind sogar Bruten in Gebüschen zu verzeichnen, allerdings nur in baumarmen Gegenden. Immer häufiger werden Gittermasten von Hochspannungsleitungen, die relativ sicher vor einem Beschuss durch den Menschen sind, als Brutplatz ausgewählt. Das Gelege der Rabenkrähen besteht aus drei bis sechs Eiern mit brauner oder grauer Fleckung. Die Jungvögel schlüpfen nach 17 bis 21 Tagen und sie sind meist nach 30 bis 35 Tagen flügge. Danach werden sie in aller Regel noch mindestens vier Wochen von ihren Eltern geführt und gefüttert. Rabenkrähen verfügen über eine stark ausgeprägte Brutfürsorge: Zu Boden gefallene Jungvögel werden dort weiter bewacht, gefüttert und beherzt verteidigt.

Das Höchstalter im Freiland beträgt 19 Jahre.

Das Nachahmungstalent der Rabenkrähen ist sehr groß. Werden Jungtiere in menschlicher Obhut großgezogen, kann es geschehen, dass sie die menschliche Stimmen nachahmen.

Nebelkrähe
NebelkräheDie Nebelkrähe ist zweifarbig: Brust, Bauch, Hinterhals und Rücken sind hellgrau, das restliche Gefieder dieser Vogelart ist ist schwarz. In Gebieten, in denen Raben- und Nebelkrähen gemeinsam verbreitet sind, kommen zuweilen Mischlinge vor, die Merkmale der beiden genannten Arten tragen. Die Gefiederfärbung weicht dann von der einer unverfälschten Nebelkrähe deutlich ab. Das Verbreitungsgebiet der Nebelkrähe erstreckt sich über Nord-, Ost- und Südosteuropa. Die Tiere kommen fast in allen Lebensräumen vor, nur in geschlossenen Wäldern trifft man sie nicht an. Nebelkrähen sind Allesfresser. Während des Winters ernähren sie sich vor allem von Beeren, Sämereien und Aas, im Sommer steht tierische Kost auf ihrem Speiseplan, darunter beispielsweise Schnecken, Regenwürmer, Insekten und Kleinsäuger. Gelegentlich verzehren sie auch Vogeleier. Bei der Insektenjagd sind Nebelkrähen sehr clever und sie nutzen die Tatsache, dass Weidetiere häufig Tiere aufscheuchen. Deshalb halten sich Nebelkrähen gern auf Viehweiden auf. Foto © Klaus Müller

Hinsichtlich des Sozialverhaltens gibt es bei den Nebelkrähen eine Trennung der Population in Brutvögel, die Territorien besitzen, und locker zusammenhaltenden Nichtbrütertrupps. Letztere bestehen aus ein- bis fünfjährigen Vögeln. Im Alter von rund sieben Jahren rücken die Angehörigen der Nichtbrütertrupps in die Brutgesellschaft nach.

Die Nester der Nebelkrähen befinden sich meist in Baumkronen in Alleen und Parks sowie in den hohen Baumbereichen auf Plätzen und Hinterhöfen; in baumarmen Gebieten brüten die Vögel sogar im Gebüsch. Zunehmend werden Gittermasten von Hochspannungsleitungen, die relativ sicher vor einem Beschuss durch den Menschen sind, als Brutplatz genutzt. Das Gelege der Nebelkrähen besteht meist aus drei bis sechs Eiern mit brauner oder grauer Fleckung, nach 17 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungvögel, die nach 30 bis 35 Tagen flügge sind. Sie werden dann noch mindestens vier Wochen geführt und gefüttert. Die Brutfürsorge der Nebelkrähen ist stark ausgeprägt: Fallen Jungvögel zu Boden, werden sie dort weiter bewacht, gefüttert und beherzt verteidigt.

Bis zu 19 Jahre werden Nebelkrähen im Freiland alt. Leider gehen die Bestände der Nebelkrähe vielerorts zurück.

Auch Nebelkrähen haben ein großes Nachahmungstalent, sie können das "Sprechen" erlernen, wenn sie in menschlicher Obhut großgezogen und zu stark auf den Menschen geprägt werden.

Kolkrabe (Corvus corax)
KolkrabeDer Kolkrabe kann nicht nur als einziger Rabenvogel auf dem Rücken fliegen, er ist auch der größte Vertreter dieser Vogelfamilie und damit der größte Singvogel der Erde. Er ist fast doppelt so groß wie eine Saatkrähe, sein Gefieder ist einheitlich schwarz mit metallenem Glanz, sein Schnabel ist riesig und klobigund an seinem Hals sitzen lange Kehlfedern. Foto rechts © Gavatron, Flickr.com mit CC-Lizenz

Man findet den Kolkraben in Gebirgsregionen und ausgedehnten Waldgebieten ganz Europas, er fehlt derzeit in größeren Teilen Frankreichs, Großbritanniens und in tieferen Lagen Mitteleuropas. Er brütet in hohen alten Bäumen oder an Steilwänden. Bis heute ist im Gegensatz zu vielen anderen Rabenvögeln keine Verstädterung der Brutvögel festzustellen. Kolkraben sind Standvögel und bleiben ihrem Revier über Jahre treu.

KolkrabeJe nach regionaler Situation ist der Kolkrabe potentiell oder akut vom Aussterben bedroht! Hierbei ist der Mensch der Hauptfeind des Kolkraben, ein Großteil der jährlichen Sterblichkeit geht auf sein Konto. Foto rechts © omarrun, Flickr.com mit CC-Lizenz

Der Kolkrabe fällt im Unterschied zu allen anderen Rabenvogelarten unter das Jagdgesetz. Der grundlegende Unterschied zwischen dem Jagdgesetz und dem Bundesnaturschutzgesetz ist folgender: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Wildvögel generell geschützt. Im Jagdrecht sind sie nur zu bestimmten Zeiten (Nist-, Brut-, Aufzucht- und Wanderzeiten) geschützt. Theoretisch dürfte der Kolkrabe außerhalb dieser Zeiten abgeschossen werden. Er hatte aber das Glück, von der EU unter einen besonderen Schutz gestellt zu werden: Kolkraben unterliegen ganzjährig einem Jagdverbot. Hoffen wir, dass die EU bei ihrer Entscheidung bleiben wird (siehe "Rechtliche Situation").

Der Kolkrabe ist ein ausgesprochen vielseitiger Allesfresser: er frisst Aas, Nachgeburten von Weidetieren und gelegentlich tötet er schwache Lämmer, die von ihren Müttern aufgegeben und nicht mehr verteidigt werden. Zu seinem Speiseplan zählen ebenfalls Vegetabilien und Deponieabfälle.

Ähnlich wie bei den Rabenkrähen besteht eine Aufteilung in revierbesitzende Paare und Nichtbrüter. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern mit grünlichblauem oder hellgrünem Grund und grau, braun oder oliv gefärbten Sprenkeln. Die Brutdauer beträgt 21 Tage, mit 43 bis 46 Tagen verlassen die noch nicht voll flugfähigen Jungraben den Horst und werden weitere 50 bis 60 Tage geführt und gefüttert. Bei der Jungenaufzucht spielen Insekten eine große Rolle. Im Spätsommer verstreichen die Jungen, das heißt, sie ziehen weg. Die Altvögel bleiben in ihrem Revier. Foto unten © Pixelio.de, Fotograf Marco Barnebeck

Kolkrabe

Das bekannte Höchstalter im Freiland beträgt 20 Jahre.

Autorin des Sonderbeitrags: Dagmar Offermann

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