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Beschreibungen einiger Rabenvogelarten
Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes)
Der Tannenhäher ist ein spärlicher Brutvogel in Bergwäldern des mittel- und osteuropäischen Raumes, in Südskandinavien und den ehemaligen Sowjetrepubliken brütet er vornehmlich in Nadelwäldern. Bei uns ist der Tannenhäher eher selten anzutreffen. Als Nahrung bevorzugt er Samen der Zirbelkiefer und Haselnüsse, die er auch im Boden versteckt, ansonsten ist er wie alle Rabenvögel vielseitig. Tannenhäher versammeln sich über das ganze Jahr in Gruppen von bis zu zehn Tieren, um Paare zu bilden - sie veranstalten einen regelrechten "Heiratsmarkt". Die gebildeten Paare führen, wie die meisten Rabenvögel, eine lebenslange Ehe. Das Gelege besteht aus drei bis vier blassgrün, bläulich gefärbten Eiern. Die Brutdauer beträgt 18 Tage, die Nestlingsdauer 22 bis 28 Tage. Nach Verlassen des Nestes werden die Jungvögel bis zum Alter von 80 Tagen, manchmal noch bis zum 105. Tag, von den Alttieren gefüttert und geführt. Das nachgewiesene Höchstalter im Freiland beträgt 15 Jahre, in Gefangenschaft 31 Jahre.
Eichelhäher (Garrulus glandarius)
Der Eichelhäher ist häufig in Nadel- und Mischwäldern, aber auch in menschlichen Siedlungen, beispielsweise in baumreichen Grünanlagen von Städten, anzutreffen. Die Sterblichkeit der Eichelhäher wird stark durch Abschuss beeinflusst! Von Frühjahr bis Herbst überwiegt der Anteil an tierischer Kost, von Herbst bis Frühjahr ernährt er sich hauptsächlich von pflanzlichen Nahrungsbestandteilen. Dieses schöne Tier trägt dazu bei, forstlich sehr erwünschte Pflanzen und somit die Wälder zu verbreiten, indem es Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse im Boden, an Gebüschrändern und unter Laub versteckt. Der Eichelhäher verfügt über ein individuelles Stimmrepertoire: Er ist dazu in der Lage, Geräusche - wie beispielsweise die Stimmen von Eulen oder Reihern - täuschend echt zu imitieren. Das Gelege besteht aus vier bis sieben blassgrün, bräunlich oder rötlich gezeichneten Eiern. Die Brutdauer beträgt 16 bis 17 Tage, die Nestlingsdauer 19 bis 22 Tage. Die Jungvögel werden nach dem Verlassen des Nestes noch drei bis vier Wochen von den Alttieren gefüttert und geführt. Das nachgewiesene Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre.
Elster (Pica pica)
Die Elster ist in ganz Europa ein häufiger Brutvogel, auch in den Städten. Bedingt durch das massive Nachstellen durch den Menschen (Abschuss) schwankt ihre Population stark. In der Südschweiz ist die Elster seit ihrer Ausrottung im Jahre 1915 nicht zurückgekehrt! Sie ist ein vielseitiger Allesfresser, wobei die Nahrung nach dem bestehenden Angebot wechselt. Elstern suchen oft im Fell von Weidetieren nach Insekten, und Schafe lassen sich von ihnen gerne behutsam die Augenwinkel nach Nahrung absuchen. Das Gelege besteht aus vier bis sieben, selten aus bis zu zehn blassbläulichen oder grünen Eiern, mit braunen oder grauen Sprenkeln. Nach 18 bis 19 Tagen schlüpfen die Jungvögel, nach weiteren 18 bis 19 Tagen sitzen sie als nicht flugfähige Nestlinge außerhalb des Nestes. Mit 22 bis 27 Tagen sind die jungen Elstern flügge und werden von den Eltern noch acht Wochen geführt und versorgt. Elstern können 15 Jahre alt werden.
Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
In den Gebirgen Südeuropas brütet die Alpendohle bis zur Schneegrenze hinauf, bei uns liegt ihr Brutgebiet in den Alpen. An Skiliften und Berggasthäusern ist sie bedingt durch das üppige Nahrungsangebot wenig scheu und häufig anzutreffen. In Nordspanien wird von Rückgängen aufgrund des intensiven Abschusses berichtet. Foto © Andrea Szabo
Oft kann man - wie auch bei den Kolkraben - eindrucksvolle Paarflüge der einander lebenslänglich treuen Paare beobachten. Das Gelege der Alpendohle besteht aus drei bis fünf Eiern, die Brutdauer beträgt ca. 19 Tage, und mit ca. 35 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber noch drei bis vier Wochen geführt und versorgt. Die Nestlingssterblichkeit ist bei den Alpendohlen sehr hoch: im Durchschnitt überlebt weniger als ein Junges pro Brutpaar! Im Freiland können Alpendohlen über 20 Jahre alt werden.
Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax)
In Gebieten, in denen Alpenkrähen und Alpendohlen leben, treten auch Mischlinge der beiden Unterarten auf. In Felsgebirgen und an Steilklippen Süd- und Westeuropas liegen die Brutplätze der Alpenkrähe; auch an der britischen und irischen Küste errichtet dieser Vogel seine Kinderstube. Die Alpenkrähe leidet in unseren Breiten stark unter den Veränderungen der Landwirtschaft und Landschaft. Exzessive Bejagung setzt den südeuropäischen Beständen zu, regional ist sie stark gefährdet. In den südlichen und westlichen Alpen ist sie ausgestorben! Sie ist ein ausgeprägter Insektenfresser und daher auf ein Insektenangebot angewiesen, nur bei Nahrungsmangel während des Winters ernährt sie sich von Aas. Die Alpenkrähen führen sehr feste und enge Paarbeziehungen. Ihre Ehe ist wie bei den meisten anderen Rabenvögeln auf Dauer angelegt. Größere Bruterfolge erreichen Alpenkrähen erst ab einem Alter von fünf Jahren. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern, die Brutzeit dauert 21 bis 23 Tage. Nach 37 bis 40 Tagen verlassen die Jungen das Nest und werden noch 30 bis 40 Tage im Familienverband geführt, wobei sie sich nach 21 Tagen selbständig ernähren. Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre, wahrscheinlich sind aber über 25 Jahre. In Gefangenschaft wurden einige dieser Vögel knapp 30 Jahre alt.
Dohle (Corvus monedula)
Im Kulturland ist die Dohle ein verbreiteter Brutvogel, man findet sie in alten Laubwäldern und Städten; im südlichen Mitteleuropa ist die Dohle regional gefährdet! Sie ist ein vielseitiger Allesfresser, greift aber mehr als die anderen Corvus-Arten auf Insekten zurück. Als Nistplätze dienen Baumhöhlen, Dachstühle von Kirchturmspitzen, Schornsteine, Mauer- und Felsnischen.
Das Gelege besteht aus vier bis sechs, im Extremfall zwei bis acht Eiern, deren Farbe zwischen blassblau und hellgrün mit dunkel-graubraunen Flecken variiert. Die Brutdauer beträgt 17 bis 18 Tage, im Alter von 28 bis 36 Tagen verlassen die oft noch nicht voll flugfähigen Jungen das Nest. Zwei Wochen nach dem Flüggewerden beginnt die Truppbildung. Zur Jungenaufzucht sind Großinsekten besonders wichtig. Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 18 Jahre, in Gefangenschaft können sie knapp 30 Jahre alt werden.
Aaskrähe (Corvus corone)
In Gebieten, wo beide Unterarten verbreitet sind, kommen auch Mischlinge, die Merkmale beider Unterarten tragen, vor. Bei uns und in Westeuropa brütet eher die Rabenkrähe, in Nord- Ost- und Südosteuropa eher die Nebelkrähe. Die Aaskrähe fehlt nur in großen, geschlossenen Wäldern, ansonsten kann sie alle Landschaften besiedeln. Vor allem bei der Nebelkrähe sind erhebliche Bestandsrückgänge zu verzeichnen! Aaskrähen sind begabte Imitatoren: Jungvögel können in menschlicher Obhut die Nachahmung der menschlichen Stimme erlernen. Die Aaskrähe ist ein besonders vielseitiger Allesfresser, im Winterhalbjahr überwiegen Beeren, Sämereien und Aas, im Sommerhalbjahr tierische Nahrung, wie Schnecken, Regenwürmer, Insekten, Kleinsäuger und Vogeleier. Aaskrähen halten sich gerne bei Weidetieren auf, fangen Insekten und Parasiten aus deren Fell, fressen an der Nachgeburt der Schafe und greifen gelegentlich sterbende Lämmer an. Das Sozialverhalten ist gekennzeichnet durch die Trennung der Population in die Brutvögel, die Territorien besitzen, und die locker zusammenhaltenden Nichtbrütertrupps (ein- bis fünfjährige Vögel). Angehörige der Nichtbrütertrupps rücken im Alter von rund sieben Jahren in die Brutgesellschaft nach. Das Nest befindet sich meist in Baumkronen in Alleen, Parks, Plätzen und Hinterhöfen; in baumarmen Gebieten brüten Aaskrähen sogar im Gebüsch. Zunehmend werden Gittermasten von Hochspannungsleitungen, die relativ sicher vor Beschießen sind, als Brutplatz ausgewählt. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern mit brauner oder grauer Fleckung, nach 17 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungvögel, die nach 30 bis 35 Tagen flügge sind. Sie werden dann noch mindestens vier Wochen geführt und gefüttert. Aaskrähen verfügen über eine stark ausgeprägte Brutfürsorge: Zu Boden gefallene Jungvögel werden dort weiter bewacht, gefüttert und beherzt verteidigt. Das Höchstalter im Freiland beträgt 19 Jahre.
Kolkrabe (Corvus corax)
Man findet den Kolkraben in Gebirgsregionen und ausgedehnten Waldgebieten ganz Europas, er fehlt derzeit in größeren Teilen Frankreichs, Großbritanniens und in tieferen Lagen Mitteleuropas. Er brütet in hohen alten Bäumen oder an Steilwänden. Bis heute ist im Gegensatz zu vielen anderen Rabenvögeln keine Verstädterung der Brutvögel festzustellen. Kolkraben sind Standvögel und bleiben ihrem Revier über Jahre treu.
Der Kolkrabe fällt im Unterschied zu allen anderen Rabenvogelarten unter das Jagdgesetz. Der grundlegende Unterschied zwischen dem Jagdgesetz und dem Bundesnaturschutzgesetz ist folgender: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Wildvögel generell geschützt. Im Jagdrecht sind sie nur zu bestimmten Zeiten (Nist-, Brut-, Aufzucht- und Wanderzeiten) geschützt. Theoretisch dürfte der Kolkrabe außerhalb dieser Zeiten abgeschossen werden. Er hatte aber das Glück, von der EU unter einen besonderen Schutz gestellt zu werden: Kolkraben unterliegen ganzjährig einem Jagdverbot. Hoffen wir, dass die EU bei ihrer Entscheidung bleiben wird (siehe "Rechtliche Situation"). Der Kolkrabe ist ein ausgesprochen vielseitiger Allesfresser: er frisst Aas, Nachgeburten von Weidetieren und gelegentlich tötet er schwache Lämmer, die von ihren Müttern aufgegeben und nicht mehr verteidigt werden. Zu seinem Speiseplan zählen ebenfalls Vegetabilien und Deponieabfälle. Ähnlich wie bei den Rabenkrähen besteht eine Aufteilung in revierbesitzende Paare und Nichtbrüter. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern mit grünlichblauem oder hellgrünem Grund und grau, braun oder oliv gefärbten Sprenkeln. Die Brutdauer beträgt 21 Tage, mit 43 bis 46 Tagen verlassen die noch nicht voll flugfähigen Jungraben den Horst und werden weitere 50 bis 60 Tage geführt und gefüttert. Bei der Jungenaufzucht spielen Insekten eine große Rolle. Im Spätsommer verstreichen die Jungen, das heißt, sie ziehen weg. Die Altvögel bleiben in ihrem Revier. Foto unten © Pixelio.de, Fotograf Marco Barnebeck
Das bekannte Höchstalter im Freiland beträgt 20 Jahre. Autorin des Sonderbeitrags: Dagmar Offermann
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