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Rabenkrähe als Lockvogel
Wer mag ergründen, was dieses Tier gefühlt hat in seinem Gefängnis? Und wer mag ergründen, was im Kopfe und im Herzen eines Menschen vorgehen mag, der ein Lebewesen in eine Falle steckt, es in dieser mitten im Wald in die pralle Sonne setzt. In mir regten sich etliche Fragen: Wen oder was wollte dieser Mensch in die Falle locken? Greifvögel, um sie in den Nahen Osten zu verkaufen? Füchse, um Geld mit ihrem Fell zu machen? Andere Rabenvögel? Wenn ja, warum? Tausend Fragen, keine Antworten ...
Für mich war ganz klar, dass diese Tierquälerei zur Anzeige gebracht werden musste. Auch wenn ich mir keine Überführung des Täters versprach, so sollte doch zumindest die Exekutive involviert sein, damit Recht auch Recht bleibt und Gesetze nicht in "Vergessenheit" geraten. Ich holte mir Unterstützung beim Komitee gegen den Vogelmord ein und die sehr engagierten Menschen dort wurden sofort tätig und erstatteten Strafanzeige gegen Unbekannt.
Im Herbst 2006 bekam ich Besuch eines Polizeibeamten, der die Falle als Beweismittel gesichert hatte. Leider habe ich bis heute nichts mehr gehört. Ich habe es ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Aber nun wieder zum Lockvogel selber: Heute ist er nicht nur in die Rabenvogelgesellschaft integriert, sondern ist sogar "Chef" der Truppe. Sein Gefieder ist nachgemausert, auf den ersten Blick erinnert nichts an das Trauma, das er durchgemacht hat. Er ist genauso so fit und scheu wie die anderen Rabengenossen, die mit ihm gemeinsam in der Voliere auf den Frühling warten, in dem sie zurück in die Freiheit, in das für sie bestimmte Leben, entlassen werden sollen.
Autorin des Sonderbeitrags: Dagmar Offermann
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