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Häufig auftretende Krankheiten

Verletzte RabenkräheBei Vögeln ist bei den geringsten Krankheitsanzeichen Eile und schnelles Handeln geboten, da der Tod aufgrund der hohen Stoffwechselrate meist sehr rasch eintritt. Leider sind aber nur sehr wenige Tierärzte erfahren in der Behandlung von Wildvögeln. Am besten rufen Sie den Tierarzt zunächst an, zu dem Sie zu gehen gedenken, um Ihr Anliegen mit ihm abzuklären. Foto rechts: Verletzte Rabenkrähe, © Ingrid Roeschke

Die nachfolgenden Beschreibungen häufig auftretender Krankheitsbilder, die wir bei Rabenvögeln oft erlebt haben, ersetzen nicht den Tierarztbesuch! Sind lediglich als erste kleine Checkliste zur Selbstdiagnose zu verstehen, die in jedem Fall durch einen Tierarzt abgeklärt werden muss!

Medikamente sollten ungefiederten Vögeln grundsätzlich nur in Ausnahmefällen verabreicht werden! Jüngere Vögel überleben Medikamentenverabreichungen meist nicht, beziehungsweise es treten bei ihnen schwere, irreparable Schädigungen des Körpers auf, da sie sich noch im Wachstum befinden! Bitte klären Sie jede Therapie mit dem Tierarzt ab und starten Sie keine Eigenversuche! Alle Medikamente haben Nebenwirkungen!

Rabenvögel leiden nicht selten an einem Befall mit Luftröhrenwürmern. Ein typisches Anzeichen hierfür ist der Stimmverlust. Das Tier hat Schwierigkeiten beim krähen oder kann es überhaupt nicht mehr. Weiteres Anzeichen sind eine schwere Atmung mit geöffnetem Schnabel sowie das "Herausklappen" der Zunge. Wurmbefall ist durch eine Untersuchung einer Kotprobe nachweisbar. Mehr über Wurmbefall finden Sie hier.

Dohle mit FlügelverletzungBei Knochenbrüchen ist Handeln innerhalb von 24 Stunden geboten, da sie sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr korrekt zusammenwachsen. Es gibt verschiedene Methoden, mit Brüchen umzugehen: Entweder wird der Tierarzt versuchen, die gebrochenen Gliedmaßen in die richtige Stellung zu bringen und zu fixieren. Oder er wird den Vogel operieren, wobei er die Knochen zusammennagelt. Foto rechts: Dohle, © Sandra Garbatsch

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei schwierigen Brüchen ein einfaches Bandagieren meist wenig bewirkt. Es hat sich sogar des Öfteren gezeigt, dass ein Vogel, dem beispielsweise ein Fuß bandagiert wurde, nach Abnahme der Bandage Fehlstellungen im anderen, zuvor vollkommen gesunden Fuß aufwies. Er hat sich aufgrund der vorübergehenden Extrembelastung mit dem nahezu vollen Körpergewicht quasi an den kranken Fuß "angepasst".

Rabenvögel neigen schnell zu Kalkmangel, wobei von Menschenhand aufgezogene Tiere besonders stark gefährdet sind. Fehlt es den Vögeln an für sie verwertbarem Kalk, so werden ihre Knochen zu weich. Hieraus resultieren in aller Regel Fehlstellungen. Wie Sie einem Kalkmangel entgegenwirken können, erfahren Sie hier.

Leidet der Rabenvogel bereits an einer Fehlstellung, dies kann beispielsweise eine "Faustbildung" eines Fußes sein, so können Sie neben weiterer Kalk- und Vitamin-B-Gabe mit dem Vogel das Greifen trainieren: Legen Sie ihm einen Ast so zwischen die betroffenen Zehen, dass er damit greifen muss.

Dösende junge DohleSitzt ein Jungvogel matt am Boden herum, ist er fiebrig und außerdem stark geschwächt, so könnte eine Infektion vorliegen. Es sollte ein wirksames Antibiotikum verabreicht werden. Foto © Susanne Wicht

Hat das Tier starke Gleichgewichtsprobleme, kann es sich nicht "auf den Beinen halten", fällt es auf die Seite und erbricht es, so könnte es sich um eine Gehirnerschütterung handeln. Hier ist unbedingte Ruhe von absoluter Wichtigkeit! Betten Sie den Vogel abgedunkelt und zwingen Sie ihn vorerst nicht zur Nahrungsaufnahme. Streichen Sie dem Vogel nach einigen Stunden absoluter Ruhe vorsichtig Elektrolytlösung und/oder Volamin (Aminosäurenlösung mit Elektrolyten, Glucose und Vitaminen des B-Komplexes, beim Tierarzt erhältlich- können Sie beides nicht auf die Schnelle organisieren, zehnprozentige Traubenzuckerlösung) an den Schnabelrand. Macht der Vogel nach einem Tag immer noch keine Anstalten, Nahrung oder Flüssigkeit selbständig aufzunehmen, so sollten Sie ihm vorsichtig in kurzen Zeitabständen jeweils wenig Flüssignahrung eingeben. Achten Sie unbedingt darauf, dass keine Flüssigkeit/Nahrung in die Atemöffnung gelangt! In solchen Fällen mahlen wir das Futter, versetzen es mit Vitaminen, Mineralstoffen und Traubenzucker und rühren es mit etwas Wasser zu einem sämigen Brei. Besonders gut ist auch der Spezialbrei, der in der Rubrik "Aufzucht von Jungvögeln" beschrieben ist. 

Krampfanfälle und Verkrampfungen sind häufig Anzeichen einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), für die verschiedene Ursachen in Frage kommen, darunter beispielsweise Infektionen des Gehirns, Folgen eines Sturzes oder Mangelernährung. Nicht vogelkundige Tierärzte rieten uns in der Vergangenheit ohne eine konkrete Diagnosenstellung meist dazu, solche Tiere durch sie einschläfern zu lassen.

Sinnvoll und allemal einen Versuch wert ist die Gabe einer reinen Vitamin-B-Lösung (zum Beispiel Sanum-N-Tropfen) von der stündlich einige Tropfen verabreicht werden sollten. Auch die subkutane Injektion von Vitamin B durch den Tierarzt ist ratsam. In vielen Fällen trat nach einer intensiven Behandlung mit Vitamin B eine deutliche Besserung ein.

DohleNeben den hier aufgeführten möglichen Krankheiten kommen noch etliche weitere in Betracht. Oft bringt nur genaues Beobachten, die Untersuchung einer Kotprobe und/oder eines Kropfabstriches Klarheit über die Ursache für das Unwohlsein des erkrankten Vogels. Weitere Informationen zum Thema Gesundheit finden Sie in der gleichnamigen Rubrik der Wildvogelhilfe. Foto rechts: Dohle, © Ewald Ferlemann

Autorin des Sonderbeitrags: Dagmar Offermann

 

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