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Rangordnung und Imponierverhalten
Jungraben sind gesellig und bleiben zunächst als Geschwistergemeinschaft zusammen. Meist im Spätherbst schließen sie sich einem Jungvogelverband an, machen gemeinsame Streifzüge, fressen und nächtigen auch in der Gruppe. Das Baden und die anschließende Gefiederpflege wirken ansteckend. Auch das Sonnen- und Schneebad sind beliebt. Dabei bilden sich kleine Untergruppen und Spielbünde. "Eine gute Möglichkeit, die eigene Position der Umwelt bekannt zu geben, besteht für viele Tiere darin, sich gegenüber Artgenossen besonders auffällig zu verhalten" (Hagen &Hagen, 1991). Kolkraben ziehen beim Imponieren blitzschnell die schneeweiße Nickhaut vor das Auge, in aggressiver Stimmung treten sogenannte "Federohren" (aufgestellte Haarbüschel am Kopf) auf, die nach Lorenz (1939) eine Kriegserklärung bedeuten und die Angriffslust zeigen. Das Abspreizen des Kopf- und Halsgefieders lässt den imponierenden Raben größer und damit für rivalisierende Artgenossen furchteinflößender erscheinen. (Vgl. Lantermann, 1990). Das Kleinmachen durch Niederducken oder das Einnehmen einer dem Jungvogel ähnlichen Bettelstellung erlaubt hingegen eine Annäherung. Macht sich der Rabe dünn, so gilt es als ein Zeichen höchster Erregung. Das eng anliegende Federkleid drückt Wut und Angst aus. So kann aus der Gefiederstellung Imponiergehabe, Angriffslust oder defensive Haltung abgeleitet werden. Der "Dickkopf", die "Halskrause" oder die "Pluderhose" unterstreichen optisch recht eindrucksvoll den imponierenden - oft lautstark rufenden - Raben, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich lenkt. Aggressive Verhaltensformen geben Aufschluss über die sozialen Beziehungen der Gruppenmitglieder zueinander. Der Artgenosse wird optisch und akustisch gewarnt, Abstand zu halten, weil sich ein Ranghoher gerade seinen Anteil holt. In freier Wildbahn sieht man, wie Raben sich mit Bussarden, Adlern oder Füchsen anlegen, im Wildpark ins Gehege der Wölfe oder Luchse eindringen und dabei Kopf und Kragen riskieren. Diese ausgeprägte Tendenz, mit der Gefahr zu spielen, mag das Ergebnis einer uralten Evolutionsgeschichte mit Karnivoren (Räubern) sein - und wie beim Menschen - zeigt sich diese natürliche Neigung vor allem in jungen Jahren (Heinrich, 2002). Autorin dieses Sonderbeitrags: Dr. Gertrude Drack, Foto: Imponierender Rabe mit Nickhaut und Kehlbart, © Edda Grubelnigg
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