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Die Problemvögel

So wie der Mensch des Mittelalters stets nach Verursachern des Bösen suchte, neigt auch noch mancher Jäger unserer Tage zum Frust-Schuss auf Rabenvögel. Die Legende von den Lämmer mordenden Kolkraben und Aaskrähen ist vermutlich nicht auszurotten. Sie kommt immer dann wieder mit neuem Schwung in Umlauf, wenn sich Rabenvögel über tot geborene Kälber hermachen, wie das seit Menschengedenken der Fall ist. Dass Rabenvögel sich von außergewöhnlich großen Konzentrationen von Wild und Weidevieh angezogen fühlen, wird dem Beobachter im Wildpark klar, wo sich der Rabe eine neue ökologische Nische erobert hat.

Zur "Psychose der Kolkrabenbekämpfung" haben sicherlich die gebietsweise auftretenden großen Schwärme von Jungvögeln beigetragen (Schmidt, 1957). Illegale Verfolgungsaktionen durch Aushorsten der Nestlinge, Fällen der Horstbäume, Aufstellen von Fangeisen oder Auslegen von Giftködern führte nachweislich zu Verlusten. Abschusslisten und Meldungen aus der Jägerschaft bezeugen vielerorts die schrittweise Ausrottung, obwohl es unbestreitbar eine neue Jagdethik gibt, die sich gegenüber der Natur verantwortlich fühlt. Als Aasverwerter üben Kolkraben im Naturhaushalt wie im natürlichen Ausleseprozess eine wichtige Funktion aus. Die Schließung von vielen Mülldeponien führte dazu, dass die Vögel sich neuen Nahrungsquellen zuwandten.

Autorin dieses Sonderbeitrags: Dr. Gertrude Drack

 

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