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Nestbau und Jungenaufzucht

Rabe Arthur füttert Jungvögel in der Voliere Die Nester mit einem Durchmesser von ungefähr 50 cm werden aus Ästen und Zweigen meist unter Felsvorsprüngen angelegt. Der Unterbau besteht aus gröberen Stöckchen, die innere Schicht bildet mit zarten Reisern, Gräsern, Moos, Tierhaaren und Federn, die eingetragen werden, eine gute Isolierung. Bei der Rohbauherstellung trägt das Männchen die Hauptverantwortung. Dann tritt das Weibchen in Aktion und sorgt für eine warme Unterlage. Es legt in Abständen von ein bis zwei Tagen vier bis sechs türkisgrüne, grau- bis braungefleckte Eier und wird während der Brutzeit (etwa drei Wochen) vom Partner versorgt. Nur zum Trinken, Koten und Baden verlässt es kurzfristig das Nest.

Ein Großteil der Jungvögel schlüpft bei uns Ende März, sofern die Winterkälte nicht anhält und für Ausfälle sorgt. Die Jungen bleiben dann noch etwa vierzig Tage im Nest und werden auch nach dem Flüggewerden von beiden Eltern gefüttert. Während der Aufzuchtsphase schleppen die Alten im Schnabel und im stark dehnbaren Kehlsack Futter herbei, welches dann - in der Regel stark eingespeichelt - verabreicht wird. Die Erschütterung am Nestrand durch den ankommenden Altvogel löst das Sperren der Jungen aus. Die rote Schnabelinnenseite, das kontrastreiche Bild von Rachenfarbe und Schnabelwulst, regt zum Füttern an. Bei intensiver Sonnenbestrahlung tränken und benetzen die Eltern ihre Nestlinge. Alle Verunreinigungen entfernt der Altvogel aus der Nestmulde, er hudert die Jungen (=nimmt sie unter die Fittiche) und hilft ihnen so, die oftmals kalten Frühlingstage zu überstehen. Meist ist es das Weibchen, das die Kleinen unter ihren Flügeldecken wärmt.

Die Notwendigkeit von kooperativer Brutpflege durch die Eltern kann ein Grund für die Monogamie der Kolkraben sein. Vermutlich sind auch die großen hart umkämpften Nahrungsterritorien, die gegen die Konkurrenz verteidigt werden müssen, ohne einen starken Partner nicht zu halten. "Rabeneltern" leben jedenfalls in Harmonie mit der Umwelt und halten ein Leben lang zueinander. Sie begegnen der Natur mit Erfindungsreichtum und zeigen uns, dass es möglich ist, über alle Schicksalsschläge hinweg zu seinem Partner zu stehen. Als soziale Geschöpfe mit einem ausgeprägten Familiensinn umsorgen sie ihren Nachwuchs mit Hingabe - von "Rabeneltern" also keine Spur.

Autorin dieses Sonderbeitrags: Dr. Gertrude Drack, Foto oben: Rabe Arthur füttert Jungvögel in der Voliere, © Eveline Seiringer, Foto unten: Jungvogel Adam, © G. Drack

 

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