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Nahrungsbiotop Almtal

Der Rabe im Flug über die Wildweide am Hacklberg Ein gutes Wahrnehmungsvermögen, wobei dem optischen und akustischen Sinn größte Bedeutung zukommen, ist für den Raben Voraussetzung, Beute machen zu können. Weite Teile unseres Gebietes weisen noch einen nahezu ursprünglichen Landschaftscharakter auf, und das Almtal stellt mit seinen großen Jagdgebieten und seiner relativ hohen Wilddichte ein ausgezeichnetes Nahrungsangebot für Kolkraben zur Verfügung. Das sogenannte "Fallwild", das mit dem Abschmelzen der Lawinenkegel im Frühjahr zutage tritt, bildet eine wichtige Nahrungsbasis für die Aufzucht der Jungen. Dank ihres hervorragenden Gesichtssinnes können Raben erlegtes Wild, Kadaver oder Eingeweide (Aufbruch) aus großer Höhe orten. Sie sind alsbald zur Stelle, wenn ein Schuss abgegeben und das Wild zur Strecke gebracht wird, und es kommt vor, dass Kolkraben sich an die Beute heranmachen, bevor sie der Jäger wegbringen kann.

Saisonal bedingte Muster in der Häufigkeit des Nahrungsangebotes sind durch die Abfälle bei den Schutzhütten und Berggasthöfen gegeben. Weiters werden Camping- und Wintersportplätze aufgesucht und Abfallkübel durchstöbert. Das Vorland kommt mit seinen Natur- und Kulturflächen dem Kolkraben als Aas- und Allesfresser sehr entgegen. Verkehrstote Tiere ergänzen hauptsächlich in den Sommermonaten das vielseitige Nahrungsaufkommen. Totgeburten auf Weiden, in den Gehegen und in der freien Wildbahn oder aufgefundene Schlachtabfälle werden hygienisch und kostenlos von der "Gesundheitspolizei" entsorgt. Mäuse, Ratten, Insekten, Würmer und Schnecken bilden eine unverzichtbare Kost zur Jungenaufzucht. Obst und Beeren, Nüsse, Getreide und Wildfutter bieten Abwechslung. Die unverdaulichen Reste (Schalen, Knochen, Haare, etc.) werden als Speiballen durch den Schnabel nach außen befördert.

Das Verstecken von Nahrungsstücken wird früh geübt und spielt im Verhaltensrepertoire der Kolkraben eine wichtige Rolle. Die Vögel benutzen dazu Spalten, Erdlöcher und hohle Baumstümpfe und graben Beutestücke im Schnee und auch im festgefrorenen Boden ein. Mit dem Schnabel werden Gras- und Moosbüschel ausgerissen und Löcher ausgehoben. Sie stecken die Objekte in die entstandenen Bodenvertiefungen bzw. vorhandenen Risse oder Spalten und decken sie mit Erde, Laub, Rinde, etc. zu. Spielerisch wird trainiert, was später einmal von Nutzen sein kann. Dazu gehört auch "Bespitzeln" und "Austricksen". Die Versicherung der Vogelexperten, dass Raben- oder Krähenschnäbel zum Erbeuten größerer Tiere ungeeignet sind, nützt wenig. Es ist, als ob der alte schlechte Ruf von neuen Erkenntnissen unberührt bleibt (Lieckfeld & Straaß, 2002).

Autorin dieses Sonderbeitrags: Dr. Gertrude Drack, Foto: Der Rabe im Flug über die Wildweide am Hacklberg, © Edda Grubelnigg

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