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> Aufzucht von fünf Blaumeisen
Unsere Handaufzucht von fünf Blaumeisen Dann: Ab ins Internet: Wie eine Irre suchte ich nach Infos über die Aufzucht für Jungvögel. Die Zeit war gegen uns... Ich schickte meine Tochter zum Fressnapf, um Beoperlen, gefrostete Pinkies (Fliegenmaden) und Heimchen zu holen. Ich wusste, die Beoperlen kann man schön zu einem Brei aufweichen und sie haben viele Vitamine. Zudem sollte sie rohen und reinen Rinder-Tatar holen, das ist fürs Erste das, was man Blaumeisen geben darf. Blaumeisen sind sehr schwer aufzuziehen, da sie sehr empfindlich sind und bei falscher Fütterung sterben. Bettina bekam vom Fressnapf die Info, sie solle doch zur Konkurrenz (Dehner) gehen und dort Wildvogelaufzuchtsfutter der Firma Claus holen. Der Fressnapf führt das nicht in seinem Sortiment. Gefrorene Pinkies (Fliegenmaden) und Heimchen hatte leider keiner dieser Shops. Sie kam jedoch mit all den andern leckeren Sachen heim und wir versuchten zu füttern... Die gefrosteten Pinkies (Fliegenmaden) und die kleinen Heimchen bekam ich dann übers Internet vom "Futter-Spatz"! Frau Malonn gab mir am Telefon auch noch die Anweisung, dass man die gefrosteten Pinkies (Fliegenmaden) nur mit heißem Wasser überbrühen muss. Sie saugen sich mit Wasser voll und sind wenige Minuten später fertig zum Füttern. Den Heimchen musste man die Hinterbeine weg machen, denn diese haben Widerhaken und können lebensgefährlich für meine Fliegerleins sein. Diesen Job übertrug ich meinem Mann, denn das konnte ich anfangs einfach nicht! Die Pinkies (Fliegenmaden) wurden dann zum absoluten Leibgericht der kleinen Rasselbande! ABER: Der Rinder-Tatar wurde mit den Fingern zu kleinen Würmchen gedreht und befeuchtet. Bettina, meine Tochter, öffnete vorsichtig das Schnäbelchen und ich schob mit einem Nagelhautschieber (als Löffelchen) und der Glaspipette, die im Wildvogelaufzuchtsfutter der Firma Claus dabei war, das Würmchen in das Schnäbelchen. Gleichzeitig tropfte ich aus der Pipette einen Tropfen Wasser hinterher, so dass das "Würmchen" in den Hals gespült wurde. Hier ist absolute Präzisionsarbeit gefragt! Zuviel Wasser, und die Vögelchen ersticken. Das Aufzuchtsfutter habe ich im warmen Wasser eingeweicht und abwechselnd mit Tatar gefüttert. In das Wasser habe ich Bienen-Blütenpollen aus dem Reformhaus eingerührt. So brauchte ich keine chemischen Vitamine vom Tierarzt! Die Pollen sind reich an Eiweiß mit Enzymfunktion sowie 22 Aminosäuren und haben einen hohen Gehalt an Vitamin B, Provitamin A, Vitamin C und Vitamin E.
In kleineren Mengen kommen noch weitere Vitamine vor.
Auf verschiedene Bakteriengruppen (Salmonella, Proteus, Coli) haben die Pollen hemmende Eigenschaften.
Die Pinzette kam versuchsweise auch zum Einsatz, war jedoch erst später als hilfreiches Instrument für die Pinkies (Fliegenmaden) zu gebrauchen.
Unsere Babys haben bald verstanden, dass nun wir die Futterlieferanten waren und die Schnäbelchen gingen von selbst auf, wenn ich mit der Pipette an das Schälchen klopfte. Das war für sie das akustische Zeichen, FUTTER IM ANFLUG, und wenn sie das hörten, fingen sie bald an so zu piepsen wie noch vor wenigen Tagen, als sich ihre Eltern mit Futter anmeldeten. Die Schnäbelchen gingen auf und wir konnten füttern... Die Pipette gefüllt abwechselnd mit Blütenpollen-Wasser und klarem Wasser, damit sie die eingeweichte Nahrung auch schlucken konnten, also in den Magen "gespült" bekamen, da ich ja mit der Pinzette/dem Nagelhautschieber wegen Verletzungsgefahr nicht so weit in ihre Hälschen konnte wie die Eltern mit ihren Schnäbeln. Mit der Pipette wurde das Futter noch ein wenig in die Schnäbelchen gestupst und durch einen leichten Druck auf den Gumminippel die Flüssigkeit ins Schnäbelchen geträufelt. Übrigens: Blaumeisen, und wahrscheinlich auch andere Vögel, reagieren auf Licht/Dunkelheit und Geräusche, nicht auf Geruch! Diese Fehlinfo, dass Vogeleltern ihre Jungen nicht mehr annehmen, wenn man sie angefasst hat, ist einfach nicht auszurotten! Selbst eine Helferin in der Tierklinik wollte mir dieses Ammenmärchen noch verkaufen. Nach jedem Bissen drehten sich die kleinen Racker um, streckten das Hinterteilchen in die Richtung wo es zuvor das Futter gab und machten ihr Geschäftchen. Ein weißer kleiner Stinker, der wie in ein etwas schleimiges Säckchen gehüllt war. Er war an einem Stück und musste "abgepflückt" werden. Bevor wir das Stinkerchen nicht entfernt hatten, drehten sie sich nicht wieder um, sie warteten, bis wir ihre Popöchen sauber gemacht hatten. Das hatten wir auch SEHR schnell kapiert und waren dann bei jeder Fütterung mit Pipette, Pinzette, Löffelchen und Tempo bewaffnet. Nachdem die kleinen Böllerchen abgenommen waren, drehten sich die Vögelchen wieder in Futterposition. Just als wir glaubten, die sechs "Fliegerleins" haben es geschafft, lag eines Morgens eines tot im Karton... Tränen flossen, waren es doch inzwischen unser aller Fliegerlebabys. Nun waren es noch fünf! Und die haben wir zu dritt dann auch groß gezogen. Bald wollten sie nicht mehr in ihren superweichen mit aufgezwirbelten Taschentüchern, Superflausch-Klopapier, Papiertüchern, Moos aus ihrem Nest, das noch ihre Eltern für sie gebaut hatten, und Handtuch gepolsterten Karton und haben heftigen Rabatz gemacht! Also, WO UM ALLES IN DER WELT bekomme ich einen großen Vogelkäfig her, die Teilchen fangen ja irgendwann zu fliegen an. Als erste Notlösung gab es einen Campingtisch, auf dem ich vom Freilaufgehege der Rennmäuse die Gitterstäbe so "gefaltet" habe, dass es ein ausbruchsicheres Gehege gab, denn schon bald fingen die Kleinen an, aus ihrem warmen weichen Nestchen auszubüchsen um mal die Welt zu besichtigen. Nur, meine kleinen Meischen fanden nicht mehr zurück und hockten dann auf den Wurzeln, die ich ihnen als "Naturersatz" mit in ihr Gehege legte... Nachts kam das Körbchen immer noch in den Karton, denn das war für die kleinen Ausbrecher auf jeden Fall sicherer. Morgens hockten sie dann teils außerhalb des Nestes auf den Papiertüchern. Die zwei Kleinsten kuschelten jedoch immer noch im Nestchen. Es gab einen Chef, das war wohl der Erstgeschlüpfte. Dann drei, die wohl fast gleichzeitig geschlüpft sein dürften, und natürlich ein Nesthäkchen, das gerne von den anderen übertölpelt wurde und auch immer nach Wärme suchte. Es war das schwächste Tier, das oft auf die Hand zum Wärmen durfte.
Autorin des Sonderbeitrags: Monika Sattler
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