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Unsere Handaufzucht von fünf Blaumeisen
Um 19:00 Uhr rief ich in der Tierklinik an, und bat um Hilfe, was ich denn machen solle. Eine "erfahrene Vogelärztin" riet mir abzuwarten, das sei oft so in der Natur, die kämen schon wieder. Ich konnte das zwar nicht wirklich glauben, aber ich war so doof und vertraute der Tierärztin und nicht meinem Gefühl. Ich wusste eigentlich, dass es nicht stimmte, und doch habe ich so sehr gehofft, dass die Eltern wieder kommen würden. Auf keinen Fall wollte ich zu früh eingreifen um so die Jungen womöglich zu gefährden. Am nächsten Morgen (Samstag) stand ich schon um 4 Uhr auf, um ja nicht zu verpassen, wenn die Eltern doch noch kommen sollten. Aber ich hoffte umsonst. Die Kleinen waren schon sehr schwach und ihre Stimmchen waren kaum noch zu hören. Ich wartete bis 6 Uhr und weckte dann meine Tochter mit den Worten: "Bitte steh auf, wir holen die Babys rein…!" Auf einem großen, ausgebreiteten Handtuch auf meinem Tisch, öffnete ich den Meisenkasten und holte das weich gepolsterte Nest aus Moos, Gräsern, Federn und Tierhaaren aus dem Kasten.
In einem Meisennest befinden sich keine Eierschalen von geschlüpften Jungvögeln. Diese frisst die Mutter nach dem Schlüpfen auf. Es ist eine wichtige Kalkversorgung für sie. Ein Gelege kann das 1,5-fache Körpergewicht der Mutter haben.
Nun war ich aber am Verzweifeln! Hatte ich doch auf einmal die Verantwortung für sechs kleine Vögelchen, und noch hatte ich keine Ahnung, wie man diese Rasselbande durchbringt. Die Augen waren noch geschlossen und sie konnten noch nicht einmal selbst fressen. Ich schätzte die "älteren" auf maximal eine Woche. Die ersten Federchen waren bereits vorhanden. Die Letztgeschlüpften hatten die Nacht ohne Futter und ohne den wärmenden Schutz ihrer Mutter nicht überlebt! Zuerst habe ich den Geretteten eine Traubenzuckerlösung mit einer Pipette seitwärts in die Schnäbel tropfen lassen und versuchte ein gekochtes Eigelb im warmen Wasser aufgelöst, in die Schnäbel zu träufeln. Beim Tränken der Kleinen muss man sehr vorsichtig sein, da sie sich leicht verschlucken und daran ersticken können! Daher die Flüssigkeit immer nur am Schnabelrand tropfen, sie läuft dann von alleine in den Hals! Sie brauchten jetzt jedoch vor allem erst einmal Energie und Wärme! Ich hielt sie in meinen hohlen Händen, um sie zu wärmen. Doch eines war bereits so schwach, dass auch das nicht mehr half. Es starb in meinen Händen.
Auf dem Papiertuch waren sie nur ganz kurz fürs Foto!
Als die Kleinen etwas getrunken hatten und sie aufgewärmt waren, legte ich sie in ihr Nest zurück, das ich zwischenzeitlich in ein mit Papiertüchern und flauschigem Toilettenpapier ausgepolstertes Weidenkörbchen gelegt hatte. Dieses stellte ich in einen Pappkarton, der ebenfalls mit einem Handtuch und Papiertüchern ausgepolstert war. Die Seiten klappte ich nach oben und legte ein Handtuch drüber. Den so präparierten Karton stellte ich auf eine Wärmflasche. Man muss vorsichtig sein, denn es könnte sich ein Hitzestau bilden, was den sicheren Tot der Kleinen bedeuten würde!
Autorin des Sonderbeitrags: Monika Sattler
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