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Rettung eines Mauerseglers (5)
Bei einer dieser Vereinszusammenkünfte saß ich in der Pause auf dem Schulhof, um Apus apus zu füttern. Da sah ich über der Altstadtschule nebenan in großer Höhe ein paar Segler kreisen. Scheinbar entdeckten sie den Kleinen, denn sie wurden mehr, kamen näher und tiefer und kreisten eine ganze zeitlang direkt über mir. Da ich den Fotoapparat nicht parat hatte, entschieden mein Mann und ich uns, nach den Proben zum Schlossplatz zu fahren, um das Verhalten der dortigen Seglerkolonie auszutesten. Den Schlossplatz hatten wir nämlich vorläufig als besten Startort gewählt, weil dort nicht so viel Verkehr ist. Und tatsächlich: Hoch oben flog die Seglerkolonie, und kaum dass ich mit Apus apus aus dem Auto stieg, kamen die Vögel näher, kreisten über mir und das Kreischen der Mauersegler wurde recht laut. Apus apus gefiel das nicht, er krabbelte rückwärts, drückte sich fest in meine Hand und schloss seine Augen. Wir setzten ihn wieder in die Kiste zurück, aber wir konnten nun beruhigt und sicher sein, dass die Artgenossen Apus in ihre Obhut nehmen würden, wenn sein Tag gekommen sein würde.
Zur gleichen Zeit klagte mein Mann über Kopfschmerzen, die ihn seit ein paar Tagen abends plagten. Da er zwischenzeitlich auch einen großen Bezug zu Apus aufgebaut hatte - deshalb sorgte er ja auch für Heimchennachschub - stierte er nämlich Tag und Nacht in den Himmel, um Mauersegler zu entdecken und deren Verhalten zu beobachten. Besonders hart war das am Abend, wenn fast genau um 21:10 Uhr etwa zwanzig bis dreißig Mauersegler aus verschiedenen Richtungen kamen und sich hoch oben am Himmel sammelten. Dort kreisten sie und trieben ihre Spielchen und verschwanden gegen 21:30 Uhr einfach aus unserem Sichtbereich im blauen Himmel. Um sie überhaupt beobachten zu können, mussten wir uns über das Balkongitter hängen und den Kopf ganz nach hinten drehen. Ein akrobatisches Unterfangen, dass ich nur dreimal mitmachte. Kein Wunder, dass mein Mann Kopfschmerzen bekam. Doch abgehalten hat ihn auch diese Erkenntnis nicht.
Das ist ja auch kein Wunder bei den krummen Zehen, die allesamt nach vorn gerichtet sind. Man stelle sich vor, man soll auf den Ellenbogen vorwärts kommen, aber die Handgelenke sind nach unten versteift. Auch in Bezug auf sein Aussehen habe ich lange überlegt, an wen mich das erinnert. Ich kam drauf: Sein Blick erinnerte mich an Micky Maus, wobei natürlich die Ohren fehlen, und von der Seite gesehen bei leicht geöffnetem Schnabel hatte er etwas Ähnlichkeit mit einem Delphin, weil die Mundwinkel bis unter die Augen gehen. Das liegt daran, dass die Mauersegler eine besonders breite Mundspalte haben.
Also baute ich seine Unterkunft schnell um, lieferte eine höhere Übungsrampe, und schon war die Aufregung vorbei. Die Federn strich ich vorsichtig glatt und so war alles in bester Ordnung. Alles in Allem sah das Gefieder von Apus einfach unglaublich toll aus. Es war glatt und funkelte in der Sonne, wenn sie ihn mal traf. Im zusammengefalteten Zustand sahen Apus' Schwungfedern wie scharfe Messer beziehungsweise Säbel aus. Und nicht die geringste Unebenheit zerstörte das Bild unseres schönen Mauerseglers. Mittlerweile reduzierte sich aber das Gewicht. Apus wog nur noch 42 Gramm. Als ich ihn erneut auf das Maßband legte, war er vom Schnabel bis zum Schwanz 16 Zentimeter lang. Ich zählte noch die locker liegenden Flügel dazu. Damit brachte er es auf 18 bis 19 Zentimeter. Aber es waren immer noch Federhülsen vorhanden, und sein Appetit bereitete mir nun etwas Sorge: Ich wollte doch nicht, dass sein Gewicht sich auf unter 40 Gramm reduziert, bevor er fliegt. Aber Apus schnappte immer häufiger die Heimchen, um sie schnell beiseite zu werfen, statt sie zu fressen. Autorin des Sonderbeitrags: Christina Klink
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