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Rettung eines Mauerseglers (4)
Na, das waren ja heitere Aussichten: Je länger ich Apus apus hatte, desto mehr wuchs er mir ja ans Herz und desto schwerer würde es mir fallen, ihn in die Natur zurückzugeben. Zwischenzeitlich hatte ich auch noch erfahren, dass ein Mauersegler im Einzelfall sogar bis zu 56 Tage brauchen kann, um flügge zu werden. Auch könne man Pech haben, dass der Vogel erst beim zehnten Versuch startet. Theoretisch könnte er dann ja noch über einen Monat auf meine Pflege angewiesen sein. Diese Gedanken rasten mir durch den Kopf, und es taten sich neue Fragen auf: "Frisst er dann wieder? - Oder verringert sich sein Gewicht lebensbedrohlich, weil er weiterhungert?" Na ja, man musste nicht unnötig die Leute behelligen, und so tat ich nichts und wartete ab, was passieren würde. Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass Mauersegler sehr reinliche Vögel sind. Apus ging vor dem Koten immer rückwärts und hob - wie ein Storch - sein Hinterteil aus dem Nest oder über die Kante der Übungsrampe hinaus, um den Kot weit über den Rand immer in möglichst dieselbe Richtung zu "schießen". Auch wenn er an meiner Bluse hing, merke ich sofort, wann es losging. Ich griff ihn dann schnell und hielt ihn über eine parat gelegte Zeitung oder über Küchenpapier. Nur im Einzelfall ging mal etwas daneben. Bei meinem Wellensittich klappt das leider nicht. :-D. Entsprechend praktisch war dann auch der Tipp von Rüdiger Becker, das Küchenpapier in Schnipsel zu reißen. So konnte ich auch über Tag im Vorbeigehen ein paar eingekotete Schnipsel aus dem Karton sammeln und die Hütte blieb sauber.
Die Episode mit dem Plüschtier wiederholte sich auch später noch einmal. Kurios ist, dass er sich eindeutig für den braunen Hasen entschieden hat. Als ich nämlich ein schwarzes Lamm in seine Nähe brachte, interessierte er sich nicht dafür, sondern watschelte zum Hasen. Ich gehe jetzt davon aus, dass Frottee für den Mauersegler ein guter Ersatz für kuschelige Federn von fehlenden Eltern und Geschwistern ist. Und dass er den Hasen als Ersatzmutti wählte, lag vielleicht an den langen Ohren, die ihn eventuell an Flügel erinnerten. Das meinte jedenfalls Hans-Jürgen dazu.
Manchmal stemmte er seinen ganzen Körper mit den ausgebreiteten Flügeln hoch, als ob er Liegestütze machte. Auch streckte er häufig nur einen Flügel aus. Und nach jedem Training folgte ein intensives Putzen des Gefieders. Es war schon erstaunlich, welches Muskelspiel der sonst so hilflos daliegende Mauersegler anwenden konnte. Autorin des Sonderbeitrags: Christina Klink
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