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Rettung eines Mauerseglers (2)
Ich bekam einen gehörigen Schrecken, denn nun las ich erst, dass der Vogelkäfig für einen Mauersegler völlig ungeeignet ist. Das Jungtier absolviert ein intensives Flugtraining im Nest. Die ersten zwei Jahre lebt der Mauersegler ausschließlich in der Luft und auch danach landet er nur zum Aufsuchen des Nistplatzes und zur Aufzucht seiner Jungen. Die Natur hat ihm einen sehr kurzen Arm aber umso längere Schwungfedern gegeben, und diese können beim Flattern im Käfig an den Käfigstreben brechen, was einem Todesurteil gleichkommen würde.
Unser Findling nutzte sein neues Quartier ausgiebig: Er kletterte und setzte sich aufrecht an die Rampe, um sein Flugtraining zu absolvieren. Er wirkte bis zum nächsten Tag so munter, dass wir dachten, ihn schon fliegen lassen zu können. Wir vertrauten diesbezüglich dem Tierarzt, der von etwas zwei Tagen Pflege gesprochen hatte. Glücklicherweise hatte ich aber zwischenzeitlich in Erfahrung gebracht, dass man den Mauersegler in keinem Fall in die Luft werfen darf, weil er selbständig losfliegt, wenn er fliegen kann. Wirft man ihn einfach hoch, fällt er mit Sicherheit runter auf den Boden.
Obwohl der Mauersegler wenigstens beim Piepsen, Flattern und Fressen fidel war, gefiel mir seine Körperhaltung insgesamt nicht. Ich hatte Bedenken, dass wir irgendetwas falsch machen würden. Der Tierarzt hatte ja gesagt, dass der Kleine auch sterben könne. Ich hatte keinerlei Erfahrungen und wollte den Mauersegler schnellstmöglich erfahrenem Fachpersonal in die Hände geben, also telefonierte ich herum und suchte nach einer Auffangstation oder Ähliches. Der Tierschutzverein und das Tierheim in Rendsburg verwiesen auf den Tierarzt. Da wollten wir den Kleinen aber bestimmt nicht abgeben, es war ja deutlich, dass er sich mit Mauerseglern nicht auskannte.
Also organisierte ich zunächst Fliegen und Tatar. Man sollte es nicht glauben, ich bezahlte in der Tierhandlung glatte 1,40 Euro für ein Paket lebender Fliegen, weil ich im Haus keine einzige fand, wo sie uns doch sonst immer nerven! Durch eine E-Mail der Wildvogelhilfe geriet ich an die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler in Frankfurt, die über eine Auffangstation verfügt und auch Pflegepersonal und dazugehörige Kurierfahrten vermittelt. Das war nun wirklich etwas zu weit entfernt, aber wir telefonierten miteinander.
Ich suchte weiter im Internet und fand ein Forschungsprojekt vom Naturkundemuseum in Berlin, das den Mauersegler, den Vogel des Jahres 2003, seit dem letzten Jahr und bis zum Jahr 2008 erforscht. Dort konnte ich über eine Livecam in einen Nistkasten schauen und das Verhalten eines von Eltern versorgten Mauerseglers mit dem Verhalten unseres Zöglings vergleichen. Das beruhigte mich ungemein. Mir kam dann die Idee, dem Projektleiter, Rüdiger Becker, eine E-Mail zu schreiben, um in Erfahrung zu bringen, wie oft und wie viel so ein Tier frisst, und wie lange wir mit unserem Gast noch rechnen müssen. Er musste ja einiges über Mauersegler wissen. Und er meldete sich prompt telefonisch bei mir. Das Telefonat gab mir den Mut, den Mauersegler zu behalten und weiter aufzupäppeln. Rüdiger Becker hatte selbst schon einige Segler per Hand aufgezogen und gab mir Tipps zu Nahrung und Verhalten. Er erzählte mir von den Federhülsen unter den Flügeln, machte mich auf Verhaltensmerkmale aufmerksam, die der Flugfähigkeit vorausgehen und schätzte das Alter des Vogels anhand von Bildern, die ich ihm schickte. Auch gab er mir den Rat, das Küchenpapier in Schnipsel zu reißen. Nun hatte ich endlich ganz konkrete Anhaltspunkte, um den kleinen hilflosen Gast mit einem sicheren und guten Gefühl zu versorgen. Und für eine eventuelle weitere Unterstützung erhielt ich die Telefonnummer von Herrn Becker. Das gab mir Sicherheit. Autorin des Sonderbeitrags: Christina Klink
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