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Diese Geschichte ist keine Anleitung zur Aufzucht, Ernährung und
Haltung von Wildvögeln! Lesen Sie zu diesen Themen bitte unsere
entsprechenden Kapitel! Es handelt sich bei diesem Text um subjektive
Erfahrungsberichte, die durchaus Fehler enthalten können.
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Rettung eines Mauerseglers (1)
Unsere Jugendleiter Saskia und Jasmin (beide 16 Jahre jung) kommen auch privat
regelmäßig zusammen, um gemeinsam zu musizieren, durch die Stadt zu turnen,
abzuhängen oder die Natur an der Untereider zu genießen. Bei einer ihrer
Unternehmungen stolperten sie am 19.07.2004 an der Straße fast über ein
hilflos auf sie zukrabbelndes Vogelküken. Sie trauten sich nicht, es anzufassen,
denn ekliges, grünes Krabbelzeugs mit Herzförmigen Körper und komische
Minikäfer krabbelten auf ihm herum. Aber ein Passant half ihnen, den Vogel einzusammeln
und setzte den Kleinen in einen Karton. Damit machten sich die beiden Mädchen sofort
auf den Weg zum Tierarzt.
Dieser entfernte das Ungeziefer und erklärte, dass diese Viecher den Vogel aufgefressen
hätten. Er erzählte auch, dass es sich um einen jungen Mauersegler handelte. Da er
gut genährt und befiedert, putzmunter und fast flugreif war, gab er den Rat: "Tragt ihn
als Brosche, füttert ihn zwei Tage ordentlich mit Mehlwürmern, und werft ihn dann
hoch in die Freiheit." Das war ein verdammt schlechter Rat, der dem Mauersegler gar nicht
gut bekommen wäre. Aber das sollten wir erst später erfahren. Aus zwei Tagen wurden
immerhin fast zwei Wochen, in denen der Vogel seiner Natur entsprechend gar nicht fliegen konnte,
weil Federhülsen die Schwungfedern umgaben und den Kleinen fluguntauglich machten. Wir
entschuldigen den Tierarzt, der sich stets sehr bemüht: Er kann schließlich nicht
alles wissen.
Mit dem Vogel im Karton kamen Saskia und Jasmin direkt zu mir, denn beide mochten das Baby
nicht anfassen. Ich wusste überhaupt nicht, was zu tun war. Doch dann kam mir unser
alter Vogelkäfig in den Sinn. Vielleicht sollte man den Kleinen darin erst mal auf
Kaninchenstreu und Heu betten, um ihm das Gefühl zu geben, dass er in seinem Nest sei.
Gedacht, gesagt, getan: Die Mädchen holten und reinigten den Käfig und bauten darin
ein Nest. Ich griff den Mauersegler und setzte ihn hinein. Er kuschelte sich auch gleich ins
Heu und wir stellten ihn hinaus auf den Balkon. Dass der Käfig eine ausgesprochen
schlechte Lösung war, erfuhren wir erst später durch das Internet.
Aber was sollten wir dem Baby zu fressen geben? Wir wussten nicht, wie lange der Kleine
schon ohne Futter war und eine lange Nacht stand bevor. Die vom Tierarzt angeratenen
Mehlwürmer hatten wir nicht im Haus, und mit seinem kleinen "falkenähnlichen"
Kopf sah der Mauersegler nicht danach aus, dass ihm Körner von unserem Wellensittich
oder Kaninchenfutter gut bekommen würden. Der Segler ähnelte ja eher den Schwalben,
die ich in jungen Jahren oft beobachtet hatte, wie sie ständig nach Insekten jagten.
Saskia kam auf die Idee, ihren Vater in den Keller zu jagen, um Spinnen und anderes Viehzeug
zu fangen. Er tat es und fand sage und schreibe zwei Spinnen und eine Fliege. Nun wollten wir
den Kleinen füttern, aber es war schon ein Krampf, den Mauersegler zum Öffnen des
kleinen, weichen Schnabels zu bewegen. Er öffnete ihn nämlich nicht freiwillig.
Ich verzweifelte fast, kam dann aber auf die Idee, im Internet nach "Aufzucht Mauersegler"
zu suchen. Und die Google-Suche führte mich direkt auf die Seiten der Wildvogelhilfe.
Hier erfuhr ich auf die Schnelle, dass der Mauersegler allgemein eine große Ausnahme
unter den Wildvögeln ist und wie man ihn füttern muss. Ich musste ihn also
zwangsfüttern, weil er unselbständig ist.
Wir lasen auch einiges über Notfallfutter. Und da wir wenigstens Eier im Haus hatten,
konnten wir uns mit hartgekochtem Eigelb behelfen. Es kostete mich einige Überwindung,
das zerbrechliche Etwas in die Hand zu nehmen und ihn mit dem Daumen der anderen Hand zum
Öffnen des Schnabels zu bewegen. Und als der Findling den Schnabel nach einigen Versuchen
endlich aufriss, um im selben Augenblick blitzschnell meinen Finger in seinen roten Schlund
reinzuziehen, wurde mir komisch im Magen, denn es verschwand fast ein ganzes Fingerglied.
Einen regen Speichelfluss hatte der Kleine obendrein. Aber nun konnte ich Spinnen, Fliegen
und hartgekochtes Eigelb in das Tier hineinbekommen. Saskia und Jasmin versuchten später
erst in den folgenden Tagen ihr Glück beim Füttern.
Autorin des Sonderbeitrags:
Christina Klink
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