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Verdauungstrakt-Erkrankungen Vögel besitzen einen wesentlich intensiveren Stoffwechsel als beispielsweise Säugetiere. Deswegen sind sie gezwungen, eine weitaus größere Menge an Futter im Vergleich zum Körpergewicht aufzunehmen als Säuger. Diese wird vom Körper sehr rasch verwertet, damit sie schnellstmöglich wieder ausgeschieden kann, um das Körpergewicht nicht zu vergrößern - schließlich kostet mehr Gewicht auch mehr Kraft beim Fliegen. Weil der Körper die Nahrung so schnell verarbeiten muss, damit der Stoffwechsel aufrechterhalten bleiben kann, sind Verdauungsstörungen oder Nahrungsentzug für einen Vogel schon nach kürzester Zeit lebensbedrohlich. Zum Verdauungstrakt der Vögel gehören verschiedene Organe. Die Nahrung wird mit dem Schnabel aufgenommen, er bildet somit den ersten Teil des Verdauungssystems. Es folgen der Rachen und der Kropf, anschließend der Magen und dann der Darm. Aus der sogenannten Kloake werden Nahrung und Urin ausgeschieden. Dieses komplexe Verdauungssystem kann aufgrund verschiedener Ursachen zu Schaden kommen. Im Folgenden werden die häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes kurz erläutert. Schnabelverletzungen
Zungenverletzungen
Kropfentzündung Eine Kropfentzündung ist lebensgefährlich! Der Vogel benötigt dringend Wärme und Ruhe. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Tierarzt einen Kropfabstrich entnehmen und danach entscheiden, welches Medikament er einsetzen wird - dies könnte ein Antibiotikum (Präparat gegen Bakterien), ein Antiparasitenmittel oder ein Antimykotikum (Mittel gegen Pilze) sein. Gute Erfahrungen hat das Wildvogelhilfe-Team mit der zusätzlichen Verabreichung von Huminpräparaten wie Vertinal oder Dystikum gemacht, die mit Handaufzuchtfutter oder gemahlenem Futter zu einem Brei verrührt werden. Der Brei wird direkt in den Schnabel gegeben. Kropfverletzungen
Störungen der Darmflora
Veränderungen der Darmflora sind für Vögel lebensbedrohlich! Der Körper benötigt zu lange, um das natürliche Gleichgewicht an nützlichen Bakterien wiederherzustellen. Die betroffenen Tiere können an Durchfällen, Vitaminmangel, Austrocknung und Einbrüchen von Krankheitserregern in die Blutbahn sterben. Zum Wiederaufbau der geschädigten Darmflora ist es empfehlenswert, dem Vogel an drei aufeinander folgenden Tagen Bird bene bac direkt in den Schnabel zu geben, da dieses probiotische Präparat die Darmflora wieder ins natürliche Gleichgewicht bringt. Ebenfalls hilfreich ist die Verabreichung von Huminpräparaten wie Vertinal oder Dystikum. Durchfall Ansonsten können hinter einem vermeintlichen Durchfall eine Reihe anderer Erkrankungen stecken, wie beispielsweise Nierenerkrankungen. Schwimmt der sonst eher feste Urin um den geformten Kot herum, so handelt es sich nicht um eine Darminfektion, sondern eher um eine Nierenerkrankung. Echter Durchfall ist eine große Bedrohung für Vögel, da sie aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes rasch austrocknen. Das Blut verdickt sich und dadurch versagt der Kreislauf bereits kurze Zeit nach dem Auftreten der ersten Durchfälle. Als erste Hilfe bei Durchfällen verabreicht man Elektrolytlösung oder Amynin beziehungsweise Volamin. Hat man diese Präparate nicht im Haus, so kann man sich kurzfristig mit zehnprozentiger Traubenzuckerlösung und Mineralwasser ohne Kohlensäure zum Ausgleich des Mineralhaushaltes behelfen. Des Weiteren sollte dem Tier Wärme zugeführt werden und man muss es gegebenenfalls zwangsernähren. Auf jeden Fall sollten aber die Ursachen für den Durchfall so schnell wie möglich durch einen Tierarzt abgeklärt werden! Darmentzündung Das Hauptsymptom all der oben genannten Ursachen ist Durchfall. Ein betroffenes Tier sitzt mit gesträubtem Gefieder da, schläft viel und seine Kloake ist mit Kot verschmiert. Der Bauch ist in vielen Fällen prall und die darüber befindliche Haut gerötet. Innerhalb von zwei bis drei Tagen magern die Vögel lebensbedrohlich ab. Bis die Ursache des Durchfalls durch eine Kotuntersuchung abgeklärt ist, verfahren Sie bitte wie im obigen Punkt beschrieben. Auch eine Antibiotikagabe kann sinnvoll sein, um Sekundärinfektionen zu vermeiden; darüber sollte allerdings unbedingt ein Tierarzt entscheiden. Pilzinfektionen (Candidiasis) In gesunden Vogelkörpern sind stets einige Pilze und deren Sporen vorhanden. Sie werden jedoch im Normalfall von den im Körper ebenfalls beheimateten, gutartigen Bakterien im Zaum gehalten. Durch eine allgemeine Schwäche des Immunsystems - zum Beispiel durch Mangelernährung oder lang andauernden Stress - sterben diese Bakterien ab. Auch durch die Gabe von Antibiotika werden diese gutartigen Bakterien ebenso wie die vornehmlich anvisierten, krank machenden Bakterien dezimiert. Die Pilze können sich deshalb ungehindert im Körper des Vogels vermehren. Sie besiedeln dabei bevorzugt die empfindlichen Schleimhäute, da dort für Pilze angenehme, feucht-warme Bedingungen herrschen. Liegt die Hauptbesiedlung mit Hefepilzen im Rachenraum, spricht man von einem sogenannten Soor, wie er beispielsweise auch häufig bei Säuglingen und Kleinkindern auftritt. Ist überwiegend die Darmschleimhaut vom Pilz befallen, handelt es sich um einen Darmpilz, der seit einiger Zeit beim Menschen verstärkt nachgewiesen wird (siehe Candida.de). Die meisten Vögel leiden jedoch unter der dritten Form der Besiedlung durch Pilze, bei der das hauptsächliche Verbreitungsgebiet der kleinen Schmarotzer der Kropf ist. Besonders Mauersegler sind anfällig für Candidainfektionen des Rachenraumes, wenn nicht mit einer sauberen Pinzette, sondern den bloßen Fingern gefüttert wird. Sollten Sie das Verabreichen von Nahrung mit einer Pinzette nicht beherrschen, sollten Sie sich vor jeder Fütterung gründlich die Hände waschen. Noch besser wäre es, die Hände zum Beispiel mit Sterilium zu desinfizieren. Diese Hygienemaßnahmen sind bei der Fütterung der empfindlichen Mauerseglern von großer Wichtigkeit. Ein Befall des Vogelkörpers mit Pilzen sollte unbedingt behandelt werden, da Hefen dem Organismus großen Schaden zufügen können. Mit ihren Wurzelfäden perforieren die Pilze die dünne, empfindliche Schleimhaut, auf der sie siedeln, um an Nährstoffe zu gelangen. Diese beziehen sie direkt aus dem Blut ihres erkrankten Tieres. Die von den Pilzen ausgeschiedenen, teils giftigen Stoffwechselprodukte - Mykotoxine genannt - gelangen über die Wurzelfäden in die Blutbahn des Vogels. Darm- und Kropfpilze führen daher nicht nur zu Verdauungsstörungen wie Durchfall und Erbrechen. Ferner kann es aufgrund der Pilzgifte zu irreparablen Schäden an der Leber und zu Beeinträchtigungen des Zentralen Nervensystems kommen. Zur Behandlung von Pilzinfektionen verwendet man Präparate, die den Wirkstoff Nystatin oder Itrakonazol enthalten. Ein Tierarzt muss einen erkrankten Vogel genau untersuchen, um ein Medikament mit einer angemessen hohen Dosierung des genannten Wirkstoffs auswählen zu können. Während der Therapie sollte dem Vogel kein Zucker (enthalten beispielsweise in manchen Vitamintropfen) gereicht werden, da sich Hefepilze von Zucker ernähren. Die Behandlung mit einem sogenannten Antimykotikum (Mittel gegen Pilzinfektionen) muss stets durch eine zuckerfreie Diät ergänzt werden, um die Pilze quasi auszuhungern. Den in Obst enthaltenen Fruchtzucker kann der Pilz nur schwer in seine Bestandteile aufspalten, weshalb Früchte auch während einer Anti-Pilzdiät verfüttert werden können. Niereninfektionen (Nephritis) Trinkt ein Vogel besonders viel oder hat er größere Mengen Frischkost beziehungsweise feuchtes Breifutter gefressen, so ist es wie bei uns Menschen: die Urinmenge steigt. Mehr Urin im Kotbällchen bedeutet mehr Flüssigkeit, die ausgeschieden wurde. Das Häufchen erscheint daher insgesamt zu nass und man könnte leicht auf den Gedanken kommen, der Vogel habe ein Problem mit den Nieren. Eine echte Niereninfektion liegt jedoch nur dann vor, wenn das Tier über längere Zeit, also mehrere Stunden nach der Nahrungsaufnahme, zu nasse Kotballen absetzt und darüber hinaus insgesamt matt wirkt. In besonders schlimmen Fällen tropft der Urin regelrecht aus dem Vogel heraus und es wird mit dem Urinanteil keinerlei Kot ausgeschieden. Sollten Sie dies beobachten, muss der Vogel umgehend vom Tierarzt untersucht werden. Aufgrund der vermehrten Urinausscheidung verklebt das Gefieder rund um die Kloake, ist ständig feucht und verfärbt sich. Bei einer über längere Zeit andauernden Infektion mit starkem "Pinkelreiz" kommt es zudem zu einer unangenehmen Geruchsentwicklung. Es kann auch vorkommen, dass eine entzündete Niere auf den Nerv eines Beines drückt, wodurch der Vogel ein Bein schont. Eine Nierenentzündung, der medizinische Fachbegriff dafür lautet Nephritis, kann viele Ursachen haben. Die häufigste Ursache sind Fehler und Mängel in der Ernährung des Vogels. Zu viel Fett und Eiweiß, aber auch zu viel Salz führen bei Vögeln zu Niereninfektionen. Ein weiterer möglicher Auslöser ist eine Störung in der Trinkwasseraufnahme. Trinkt ein Vogel zu wenig, werden die Nieren nicht ausreichend durchgespült, was bei Tieren mit einem angeschlagenen Immunsystem rasch zu starken Infektionen führen kann. Gifte führen ebenfalls oft zu Niereninfektionen. Darüber hinaus kann eine Verabreichung bestimmter Medikamente über eine längere Zeit bei Vögeln Nierenschäden hervorrufen. Niereninfektionen sind meist ernste Erkrankungen, bei denen in vielen Fällen nur geringe Chancen auf Heilung bestehen. Deshalb ist es wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen und rasch mit einem wirkungsvollen Antibiotikum zu behandeln. Kloakenverschluss |
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