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Krankheiten des Verdauungstraktes Vögel besitzen einen wesentlich intensiveren Stoffwechsel als beispielsweise Säugetiere. Deswegen sind sie gezwungen, eine weitaus größere Menge an Futter im Vergleich zum Körpergewicht aufzunehmen als Säuger. Aus diesem Grunde sind Verdauungsstörungen oder Nahrungsentzug für einen Vogel schon nach kürzester Zeit lebensbedrohend.
Schnabelveränderungen
Schnabelverletzungen
Das Nachwachsen gesunden Schnabelhorns ist unwahrscheinlich, sofern die Wachstumszone an der Schnabelbasis verletzt ist. Es existiert die Möglichkeit, den Schnabel zu rekonstruieren. Eine solche Rekonstruktion erfolgt entweder durch das Anbringen einer Prothese oder durch das Ankleben des abgebrochenen Stückes. Dies gelingt jedoch nicht in allen Fällen und bedarf der Hilfe eines fachkundigen Tierarztes.
Kropfentzündung
Eine Kropfentzündung ist lebensgefährlich! Der Vogel benötigt dringend Wärme und Ruhe. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Tierarzt einen Kropfabstrich entnehmen und danach entscheiden, welches Medikament er einsetzen wird - dies könnte ein Antibiotikum (Präparat gegen Bakterien), ein Antiparasitenmittel oder ein Antimykotikum (Mittel gegen Pilze) sein. Gute Erfahrungen haben wir mit der zusätzlichen Verabreichung von Vertinal gemacht, das mit Handaufzuchtfutter oder gemahlenem Futter zu einem Brei verrührt wird. Der Brei wird direkt in den Schnabel gegeben.
Gelber Knopf (Trichomoniasis)
Die Trichomonaden leben im Rachen und im Kropf des befallenen Tieres. Durch ständige Reizung entstehen dicke, graue, schmierige Beläge am Zungengrund, die bis in die Luftröhre, Speiseröhre und den Kropf reichen und Atemnot verursachen können. Erkrankte Vögel haben Schluckbeschwerden, sträuben ihr Gefieder und magern ab beziehungsweise verhungern. Zur Diagnose wird der Kropf gespült und die Flüssigkeit sofort mikroskopisch betrachtet. Zur Behandlung eignet sich beispielsweise das Medikament Spartrix.
Störungen der Darmflora
Veränderungen der Darmflora sind für Vögel lebensbedrohlich! Der Körper benötigt zu lange, um das natürliche Gleichgewicht an nützlichen Bakterien wiederherzustellen. Die betroffenen Tiere können an Durchfällen, Vitaminmangel, Austrocknung und Einbrüchen von Krankheitserregern in die Blutbahn sterben. Zum Wiederaufbau der geschädigten Darmflora ist es empfehlenswert, dem Vogel an drei aufeinander folgenden Tagen Bird bene bac direkt in den Schnabel zu geben, da dieses probiotische Präparat die Darmflora wieder ins natürliche Gleichgewicht bringt. Ebenfalls hilfreich ist die Verabreichung von Vertinal.
Durchfall
Ansonsten können hinter einem vermeintlichen Durchfall eine Reihe anderer Erkrankungen stecken, wie beispielsweise Nierenerkrankungen. Schwimmt der sonst eher feste Urin um den geformten Kot herum, so handelt es sich nicht um eine Darminfektion, sondern eher um eine Nierenerkrankung. Echter Durchfall ist eine große Bedrohung für Vögel, da sie aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes rasch austrocknen. Das Blut verdickt sich und dadurch versagt der Kreislauf bereits kurze Zeit nach dem Auftreten der ersten Durchfälle. Als erste Hilfe bei Durchfällen verabreicht man Elektrolytlösung oder Amynin. Hat man diese Präparate nicht im Haus, so kann man sich kurzfristig mit zehnprozentiger Traubenzuckerlösung und Mineralwasser ohne Kohlensäure zum Ausgleich des Mineralhaushaltes behelfen. Des Weiteren sollte dem Tier Wärme zugeführt werden und man muss es zwangsernähren. Auf jeden Fall sollten aber die Ursachen für den Durchfall so schnell wie möglich durch einen Tierarzt abgeklärt werden!
Darmentzündung
Das Hauptsymptom all der oben genannten Ursachen ist Durchfall. Das Tier sitzt mit gesträubtem Gefieder da, schläft viel und seine Kloake ist mit Kot verschmiert. Der Bauch ist in vielen Fällen prall und die darüber befindliche Haut gerötet. Innerhalb von zwei bis drei Tagen magern betroffene Vögel lebensbedrohlich ab. Bis die Ursache des Durchfalls durch eine Kotuntersuchung abgeklärt ist, verfahren Sie bitte wie im obigen Punkt beschrieben. Auch eine Antibiotikagabe kann sinnvoll sein, um Sekundärinfektionen zu vermeiden.
Kloakenverschluss
Pilzinfektionen (Candidiasis)
In gesunden Vogelkörpern sind stets einige Pilze und deren Sporen vorhanden. Sie werden jedoch im Normalfall von den im Körper ebenfalls beheimateten, gutartigen Bakterien im Zaum gehalten. Durch eine allgemeine Schwäche des Immunsystems - zum Beispiel durch Mangelernährung oder lang andauernden Stress - sowie durch die Gabe von Antibiotika sterben diese gutartigen Bakterien ebenso wie die vornehmlich anvisierten, krank machenden Bakterien ab. Die Pilze können sich deshalb ungehindert im Körper des Vogels vermehren und ausbreiten. Sie besiedeln dabei bevorzugt die empfindlichen Schleimhäute, da dort für Pilze angenehme, feucht-warme Bedingungen herrschen. Liegt die Hauptbesiedlung mit Hefepilzen im Rachenraum, spricht man von einem so genannten Soor, wie er beispielsweise auch häufig bei Säuglingen und Kleinkindern auftritt. Ist überwiegend die Darmschleimhaut vom Pilz befallen, handelt es sich um einen Darmpilz, der seit einiger Zeit beim Menschen verstärkt auftritt (siehe Candida.de). Die meisten Vögel leiden jedoch unter der dritten Form der Besiedlung durch Pilze, bei der das hauptsächliche Verbreitungsgebiet der kleinen Schmarotzer der Kropf ist. Ein Befall des Vogelkörpers mit Pilzen sollte auf alle Fälle behandelt werden, da Hefen dem Organismus großen Schaden zufügen können. Mit ihren Wurzelfäden perforieren die Pilze die dünne, empfindliche Schleimhaut, auf der sie siedeln, um an Nährstoffe zu gelangen. Diese beziehen sie direkt aus dem Blut ihres Wirtstieres. Die von den Pilzen ausgeschiedenen, teils giftigen Stoffwechselprodukte - Mykotoxine genannt - gelangen über die Wurzelfäden in die Blutbahn des erkrankten Vogels. Darm- und Kropfpilze führen daher nicht nur zu Verdauungsstörungen wie Durchfällen und Erbrechen. Ferner kann es aufgrund der Mykotoxine (Pilzgifte) zu irreparablen Schäden an der Leber kommen. Zur Behandlung von Pilzinfektionen verwendet man Präparate, die den Wirkstoff Nystatin enthalten. Ihr Tierarzt muss einen erkrankten Vogel genau untersuchen, um ein Medikament mit einer angemessen hohen Dosierung des genannten Wirkstoffs auswählen zu können. Während der Therapie sollte dem Vogel kein Zucker (enthalten beispielsweise in manchen Vitamintropfen) gereicht werden, da sich Hefepilze von Zucker ernähren. Die Behandlung mit einem Nystatinpräparat muss stets durch eine zuckerfreie Diät ergänzt werden, um die Pilze quasi auszuhungern. Den in Obst enthaltenen Fruchtzucker kann der Pilz nur schwer in seine Bestandteile aufspalten, weshalb Früchte auch während einer Anti-Pilzdiät verfüttert werden können.
Niereninfektionen (Nephritis)
Zusammen mit dem Kot setzen Wildvögel auch ihren Urin ab. Bei den meisten Vogelarten ist der Urin von cremiger Konsistenz und weißlich gefärbt. Erhält der Vogel ein Multivitamin-Präparat in hoher Dosis, kann der Urin auch gelblich bis orange gefärbt sein. Rund um die Urinausscheidungen befindet sich der dunkle Kotanteil. Unter normalen Umständen ist beides fest (außer bei Weichfressern), geruchsneutral und trocknet innerhalb kurzer Zeit ein. Trinkt ein Vogel besonders viel oder hat er größere Mengen Frischkost beziehungsweise feuchtes Breifutter gefressen, so ist es wie bei uns Menschen: die Urinmenge steigt. Mehr Urin im Kotbällchen bedeutet mehr Flüssigkeit, die ausgeschieden wurde. Das Häufchen erscheint daher insgesamt zu nass und man könnte leicht auf den Gedanken kommen, der Vogel habe ein Problem mit den Nieren. Eine echte Niereninfektion liegt jedoch nur dann vor, wenn das Tier über längere Zeit, also mehrere Stunden, zu nasse Kotballen absetzt und darüber hinaus insgesamt matt wirkt. In besonders schlimmen Fällen tropft der Urin regelrecht aus dem Vogel heraus und es wird mit dem Urinanteil keinerlei Kot ausgeschieden. Sollten Sie dies beobachten, muss der Vogel umgehend vom Tierarzt untersucht werden. Aufgrund der vermehrten Urinausscheidung verklebt das Gefieder rund um die Kloake, ist ständig feucht und verfärbt sich. Bei einer über längere Zeit andauernden Infektion mit starkem "Pinkelreiz" kommt es zudem zu einer unangenehmen Geruchsentwicklung. Eine Nierenentzündung, der medizinische Fachbegriff dafür lautet Nephritis, kann viele Ursachen haben. Die häufigste Ursache sind Fehler und Mängel in der Ernährung des Vogels. Zu viel Fett und Eiweiß, aber auch zu viel Salz führen bei Vögeln zu Niereninfektionen. Eine weitere mögliche Ursache ist eine Störung in der Trinkwasseraufnahme. Trinkt ein Vogel zu wenig, werden die Nieren nicht ausreichend durchgespült, was bei Tieren mit einem angeschlagenen Immunsystem rasch zu starken Infektionen führen kann. Auch Gifte führen zu Niereninfektionen. Darüber hinaus kann eine Verabreichung bestimmter Medikamente über eine längere Zeit bei Vögeln zu Nierenschäden führen. Niereninfektionen sind meist ernste Erkrankungen, bei denen in vielen Fällen nur wenig Chancen auf Heilung bestehen. Deshalb ist es wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen und rasch mit einem wirkungsvollen Antibiotikum zu behandeln.
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