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Schnabelverletzungen und -veränderungen
Der
Schnabel ist für Vögel ein wichtiges Werkzeug für die
Nahrungssuche und -aufnahme. Außerdem benötigen die Tiere
ihn, um damit ihr Gefieder zu pflegen. Schnabelverletzungen und
-veränderungen sind deshalb für Vögel äußerst
gefährlich. Denn je nachdem, wie schwerwiegend die Verletzung oder
Veränderung ausfällt, können sich die betroffenen Tiere
nicht mehr eigenständig ernähren. In diesem Kapitel werden
häufig auftretende Schnabelerkrankungen vorgestellt. Foto rechts:
Grünspechtweibchen mit blutigem Unterschnabelbruch, Foto ©
Sylvia Urbaniak
Schnabelveränderungen
Die Ursache für Veränderungen in der Struktur des Schnabels
ist meist eine Unterversorgung mit den Vitaminen A, C,
Folsäure und dem Mineralstoff Kalzium infolge einer Mangelernährung.
Der Schnabel wird
dadurch weich und biegsam. In vielen Fällen wächst der
Schnabel schief oder es treten sogenannte Kreuzschnäbel auf (siehe
Fotos unten); auch kann es zu einem sehr raschen,
übermäßigen Schnabelwachstum kommen. Bis gesundes
Schnabelhorn
nachgewachsen ist, müssen betroffene Vögel mit püriertem
Futter
ernährt und gegebenenfalls
zwangsernährt
werden.
Diese Blaumeise litt an einer extremen Schnabeldeformation. Fotos © TA Uwe Mengs
Schnabelverletzungen
Zum Beispiel aufgrund von Kollisionsunfällen, aber auch durch Mangelernährung
oder durch Kämpfe mit Artgenossen (Revierkämpfe in der
Paarungszeit) kann es bei Vögeln zu Schnabelverletzungen kommen.
Je nachdem, aufgrund welcher Ursache die Verwundung entsteht, handelt
es sich um Risse (Fissuren), Spaltungen oder Brüche. Letztere
können sich durch teilweises
oder komplettes Abbrechen vom Ober- oder
Unterschnabel darstellen. Unter dem sichtbaren Teil liegt ein Knochen
versteckt, der das Schnabelhorn, das bei einem gesunden Vogel
zeitlebens nachwächst, mit Blut und Nährstoffen für die
Zellbildung versorgt. Wird dieser Knochen durch einen Bruch
geschädigt, ist für den betroffenen Vogel meist keine Hilfe
mehr möglich. Der Schnabel wächst später nicht mehr
nach. Foto oben rechts: Verletzte Nebelkrähe © Sigrid
Breineder
Foto: Stockente mit gespaltenem Oberschnabel,
© Iris Gurn
Sind nur Teile des Schnabels abgebrochen oder liegt eine
Fissur vor, muss der betroffene Vogel mit weichem, zum Beispiel
püriertem Futter ernährt und gegebenenfalls zwangsernährt werden. Es existiert bei Schnabelbrüchen zudem die Möglichkeit, den Körperteil zu rekonstruieren.
Eine solche Rekonstruktion erfolgt entweder durch das Anbringen einer Prothese oder durch das
Ankleben des abgebrochenen Stückes. Dies gelingt jedoch nicht in allen Fällen und
bedarf der Hilfe eines fachkundigen Tierarztes, der auf die Behandlung von Vögeln spezialisiert ist.

Bei diesem Amselmännchen war der Unterschnabel gebrochen. Er hing
herunter, weshalb die Zunge des Vogels zu sehen war. Foto © Sylvia
Urbaniak

Der Unterschnabelbruch dieses Grünspechtweibchens war so
gravierend, dass der Knochen in Mitleidenschaft gezogen war. Eine
Heilung war nicht mehr möglich, der schwer verletzte Vogel musste
eingeschläfert werden. Das Foto entstand nach dem
Einschläfern, um dem Tier durch die Veranschaulichung der schweren
Verletzung keine unnötigen Schmerzen zuzufügen. Foto ©
Sylvia Urbaniak

Schnabelbruch bei einer Kanadagans, Foto © Sylvia Urbaniak

Schnabelfissur bei einem Turmfalken, Foto © Sylvia Urbaniak
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Idee zum Prothesenbau
Die Wildvogelhilfe-Leserin Sylvia ist Zahntechnikerin. Sie hat einen Versuch unternommen, eine Schnabelprothese für
einen Rabenvogel zu bauen. Das Foto unten links zeigt den Schnabel ohne Prothese, rechts
ist die montierte Prothese zu sehen. Das Material, aus dem sie die Prothese gefertigt hat,
heißt "Pattern Resin". Es lässt sich mit einem Pinsel leicht auftragen, indem
man ihn in Flüssigkeit und dann in das Materialpulver taucht, um die Mischung
anschließend aufzutragen. Von Vorteil ist, dass das Material an der Luft schnell hart wird.
Fotos © Sylvia
Eine Alternative wäre der für die Füllung von Zähnen verwendete Kunststoff,
der lichthärtend ist. Das Aufbringen der Prothese ist damit allerdings laut Aussage
der Zahntechnikerin schwierig. Um diesen Kunststoff am Schnabelstumpf befestigen zu können,
muss dieser aufgeraut werden. Aber die Hornschicht an sich ist relativ dünn,
weshalb sie sich nur sehr schlecht anrauen lässt - die Prothese kann nicht richtig
haften.
Sylvia sagt über die von ihr gefertigte Prothese, dass sie sie idealerweise auch gern
von unten, also von der Schnabelinnenseite, befestigt hätte. Dies war jedoch nicht
möglich, da aufgrund der recht großen Schnabelverletzung und des kleinen Stumpfes
an dieser Stelle durchblutetes Gewebe (Fleisch) war und kein Horn, an dem sie die Prothese
hätte befestigen können.
Die gezeigte prothetische Versorgung hielt nur einige Wochen. Vögel üben mit ihren
Schnäbeln einen ungeheuren Druck aus und manche Tiere, so auch der oben abgebildete
Henry, stochern mit ihren Schnäbeln überall herum. Ist die Prothese zu groß
und die Kontaktfläche, an der sie fixiert ist, zu klein, wirken enorme Hebelkräfte,
die die Prothese nach einiger Zeit abreißen lassen.
Sollte jemand Ideen zum Prothesenbau für verletzte Schnäbel oder
Vorschläge haben, so nehmen Sylvia und das
Wildvogelhilfe-Team diese gern
entgegen. Eventuell könnte jemand Erfahrungen in Bezug auf Material zur Herstellung
künstlicher Fingernägel beisteuern? Dieser Ansatz könnte recht viel versprechend
sein.
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Fremdkörper am oder im Schnabel Manche von Menschen achtlos
weggeworfenen oder verlorenen Gegenstände können Vögeln zum Verhängnis
werden. Immer wieder gelangen beispielsweise Vögel mit im Schnabel
steckenden Angelhaken in die Obhut von Tierärzten oder Pflegestationen.
Betroffen sind hiervon häufig Wasservögel und Möwen. Aber auch Rabenvögel,
die sich gern an Fluss- oder Gewässerufern aufhalten und dort nach Nahrung
suchen, gehören zu den oft betroffenen Arten. Häufig bohren sich die
Fremdkörper nicht nur in den Schnabel selbst, sondern vor allem in das
Gewebe im Rachen oder gar in die Zunge. Vögel, die dieses Schicksal ereilt
hat, sollten nach Möglichkeit schnell eingefangen und umgehend einem
Tierarzt vorgestellt werden. Dieser kann den Fremdkörper - gegebenenfalls
operativ - entfernen und weitere notwendige Therapieschritte einleiten.
Hierzu kann es gehören, eine medikamentöse Nachbehandlung durchzuführen.
In manchen Fällen hängen an Fremdkörpern wie Angelhaken auch noch Schnüre,
die sich zusätzlich um Körperteile der Vögel wickeln, also beispielsweise
um die Beine und Füße. Solche
Abschnürungen können zu schweren gesundheitlichen Komplikationen
führen.

Teichhuhn mit einem Angelhaken in Schnabel und Rachen
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