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Anzeichen für Erkrankungen

Kranke MönchsgrasmückeUm erste Gesundheitsstörungen erkennen zu können, ist es unerlässlich, den Wildvogel kontinuierlich aufmerksam zu beobachten. Vögeln sind Krankheiten oft erst anzumerken, wenn man nicht mehr viel zu ihrer Genesung beitragen kann, da sich die Tiere von Natur aus Schwächen möglichst nicht anmerken lassen. Verzögerungen in der Behandlung führen daher rasch zum Tod des Patienten. Sie erfahren auf dieser Seite mehr über die aufmerksame Beobachtung sowie die fachkundige Untersuchung eines Wildvogels. Foto rechts: Kranke junge Mönchsgrasmücke in einem künstlichen Nest, © Martin Amann

Beobachtung des Vogels
Sichere Anzeichen dafür, dass es dem Vogel nicht gut geht, sind ein gesträubtes Federkleid und trübe, halb geschlossene Augen. Weitere Anzeichen können sein:

  • Aufgeplusterter Haussperling Aufgeplustertes Gefieder: Sitzt der Vogel stundenlang an derselben Stelle und bewegt er sich kaum, kann das ein Alarmsignal sein. Sitzt er so mit permanent aufgeplustertem Gefieder da und schläft er tagsüber viel, dann ist er höchstwahrscheinlich krank. Steckt er obendrein über längere Zeiträume auch am Tag seinen Kopf unter das Federkleid, so ist dies ein untrügerisches Anzeichen für eine vorliegende Erkrankung. Das aufgeplusterte Gefieder signalisiert das erhöhte Wärmebedürfnis des Vogels. Denn wenn Vögel krank sind, dann bekommen sie kein Fieber wie wir Menschen, sondern leiden an Untertemperatur und frieren. Foto: erwachsener Haussperling, © Gaby Schulemann-Maier

  • Junger Haussperling mit schweren KnochenbrüchenKörperhaltung: Gesunde Vögel schlafen nachts meist auf einem Bein stehend. Wird aber ein Bein tagsüber immer wieder eingezogen beziehungsweise geschont, so könnten der Fuß oder das Bein erkrankt sein. Auch Vögel, die Probleme haben, ihr Gleichgewicht zu halten, stehen meist auf beiden Beinen. Sie zittern oder taumeln dabei oft. Wirkt die Körperhaltung sehr ungewöhnlich, weil die Gliedmaßen verdreht aussehen (siehe Foto rechts), liegt mit Sicherheit eine Erkrankung vor. Das Tier hat dann höchstwahrscheinlich einen Knochenbruch erlitten. Foto: Junger Haussperling, © Kathrin Springer

  • Junger Haussperling mit LuftsackschwellungAtembeschwerden: Atmet der Vogel schwer oder mit geöffnetem Schnabel? Gibt er rasselnde Geräusche beim Atmen von sich? Befinden sich auf dem Körper große Blasen, wie sie auf dem Foto rechts zu sehen sind? Dann ist eine Erkrankung der Atmungsorgane beziehungsweise eine Verletzung der sogenannten Luftsäcke eine wahrscheinliche Ursache der Beschwerden. Diese Bestandteile des Atmungssystems befinden sich direkt unter der Haut und blähen sich auf, wenn sie reißen oder perforiert werden. Foto: Junger Haussperling, © Kathrin Springer

  • Ausscheidungen: Vögel scheiden Kot und Urin gleichzeitig aus. Der Kot von Körnerfressern ist von dickbreiiger bis fester Konsistenz. Die Farbe hängt unter anderem von der aufgenommenen Nahrung ab. Sie kann dunkelgrün (meist der so genannte Hungerkot am Morgen), braun oder schwärzlich sein. Auf dem Kothäufchen sitzt gewöhnlich ein Klecks aus weißem, leicht flüssigem Harn. Die Ausscheidungen von Weichfressern sind weich bis dünnflüssig, wobei der Kot- und der Harnanteil jedoch deutlich zu unterscheiden sind.

    Durchfall liegt vor, wenn der dunklere Kotanteil flüssig ist. Dies ist in Stresssituationen nicht Besorgnis erregend. Ansonsten können eine Reihe von Erkrankungen dahinter stecken, wie beispielsweise bakterielle Darminfektionen. Ist der Harnanteil flüssig, könnte eine Nierenerkrankung vorliegen.

  • Gefieder: Brechen Federn ab oder hat der Vogel nicht enthülste nachwachsende Federn? Bei diesem Erscheinungsbild liegt oftmals eine Erkrankung des Federkleids vor.

Untersuchung des Vogels
Ist der Vogel sehr scheu und lässt er sich nicht von Ihnen in die Hand nehmen, so müssen Sie ihn einfangen. Dies funktioniert am besten, indem man zuvor die Futternäpfe sowie einige der Sitzstangen aus dem Käfig entfernt und den Raum abdunkelt. Dann nähern Sie sich dem Vogel leise und vorsichtig mit Ihrer Hand und ergreifen ihn möglichst rasch von hinten. Folgende Dinge sollten Sie untersuchen:

  • Brustbein einer abgemagerten Taube Ist der Vogel unterernährt? Nehmen Sie den Vogel in die (linke) Hand, bringen Sie ihn in Rückenlage und fixieren Sie seinen Kopf zwischen Daumen und Zeigefinger. Achten Sie bitte darauf, dass Sie nicht zu fest auf den Brustkorb des Vogels drücken, dies kann zu Atemstillstand und somit zum Tod führen. Foto rechts © Anke Poggel

    Extrem abgemagerte Taube Blasen Sie nun das Federkleid zur Seite und sehen Sie sich das Brustbein des Vogels an. Das Brustbein eines gesunden Vogels ist gut gerundet und glatt, es steht nicht spitz hervor. Ein spitzes Brustbein spricht dafür, dass der Vogel schon länger krank und/oder unterernährt ist. Foto rechts © Elli Mellis

    Stellt sich bei Ihrer Untersuchung heraus, dass der Vogel tatsächlich unterernährt ist, müssen Sie sofort gegen das lebensbedrohliche Untergewicht vorgehen. In manchen Fällen haben die Tiere noch Appetit und können selbst fressen, andere Vögel sind dermaßen krank, dass sie vom Menschen zwangsernährt werden müssen, um eine Überlebenschance zu haben.

  • Verschmutzte Kloake Ist die Kloake verschmutzt? Falls die Kloake gerötet oder verschmutzt ist, so könnte es sich um eine Verdauungsstörung, Kloaken- oder Darmentzündung handeln, siehe Abbildung rechts. Derlei Erkrankungen des Verdauungstraktes bedürfen einer sofortigen Behandlung. Hinter manchen Verschmutzungen der Kloake stecken jedoch keine Darmentzündungen, sondern eine Infektion der Nieren oder Harnwege. Deshalb sollte auf alle Fälle ein Tierarzt eine sichere Diagnose stellen, falls Sie einen Vogel mit verschmutzter Kloake in Ihrer Obhut haben. Foto rechts: verschmutzten Kloake eines Wellensittichs © Gaby Schulemann-Maier

Einige Krankheitserreger können durch die Untersuchung des Kotes oder durch einen Kloaken- bzw. Kropfabstrich nachgewiesen werden. So können beispielsweise Bakterien, manche Viren, Pilze, Darmparasiten und Chlamydien durch Kotuntersuchungen identifiziert werden; durch Kropfabstriche lassen sich zum Beispiel Infektionen mit Trichomonaden erkennen.

Der Tierarzt muss hierbei natürlich wissen, wonach er suchen soll, daher ist er auf Ihre Informationen und Beobachtungsberichte angewiesen! Scheuen Sie sich also nicht, dem Tierarzt alles zu nennen, was Ihnen aufgefallen ist. Vielleicht hegen Sie ja sogar selbst einen bestimmten Verdacht. Ein Tierarzt, der auf Ihre engagierte Mitarbeit abweisend reagiert, ist mit Sicherheit nicht der Richtige!

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