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Kollisionsunfälle und ihre Folgen
Nur die wenigsten Vögel überleben einen Zusammenstoß mit einem fahrenden Auto, auch die Kollision mit Glasscheiben führt oft zum sofortigen Tod durch Genickbruch. Bei den überlebenden Vögeln tritt eine Reihe typischer Verletzungen besonders häufig auf, sie werden in diesem Kapitel erläutert.
Schädel-Hirn-Trauma und Hirnblutung
Hirnblutungen führen meist dazu, dass Teile des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet werden, wodurch Lähmungen in den mit den betroffenen Hirnregionen verbundenen Körperteilen entstehen. Oft fehlt nach einer Hirnblutung der Pupillenreflex in einem oder in beiden Augen, das heißt, bei Lichteinfall ziehen sich die Pupillen nicht mehr zusammen. Durch die Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Schädels kommt es häufig dazu, dass ein Auge (selten beide) nach außen gedrückt wird. Die daraus entstehende Wölbung ist selbst für einen Laien deutlich zu erkennen. Zudem leiden Vögel nach einer Hirnblutung meist an Krämpfen, die den gesamten Körper betreffen. Auch Fehlstellungen des Kopfes (starke Neigung zur Seite) sind meist die Folge, siehe Foto oben rechts. Ein weiteres typisches Merkmal dieser Art der inneren Verletzung ist, dass sich die betroffenen Vögel immerzu im Kreis drehen. Oft ist eine Heilung in solch schweren Fällen nicht möglich, ein Tierarzt sollte ein derart verunfalltes Tier rasch von seinen Qualen erlösen. Foto: Star mit Schädel-Hirn-Trauma, © Regina Graf Hirntraumen sind mit ähnlichen Symptomen wie Hirnblutungen verbunden, allerdings ist oft eine Heilung möglich. Diese ist allerdings in aller Regel ausgesprochen langwierig. Deshalb muss sehr sorgfältig überlegt werden, ob sich das betroffene Tier für eine mitunter mehrere Monate dauernde Haltung in menschlicher Obhut überhaupt eignet. Zudem muss abgeklärt werden, ob eine Wiederauswilderung später möglich ist, denn nach Hirntraumen können körperliche Einschränkungen zurückbleiben, die ein Überleben in freier Natur unmöglich machen.
Gehirnerschütterung
Leidet ein Vogel an einer Gehirnerschütterung, ist er in den meisten Fällen orientierungslos, sitzt benommen und zusammengekauert auf dem Boden. Das Gefieder ist in aller Regel stark aufgeplustert und die Augen sind geschlossen. Eine Gehirnerschütterung verursacht beim Menschen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, starke Kopfschmerzen sowie eine Überempfindlichkeit der Augen gegen Licht und eine hohe Geräuschempfindlichkeit. Beobachtungen an Vögeln lassen den Schluss zu, dass die Tiere ähnlich empfinden, wenn sie an einer Gehirnerschütterung leiden. Sie sollten deshalb nach Möglichkeit in einer dunklen, ruhigen und nicht zu kühlen Umgebung untergebracht werden. Die Bestrahlung mit einer Wärmelampe ist in den allermeisten Fällen nicht angeraten, weil sie die Beschwerden verschlimmert! Diese und weitere Therapiemaßnahmen müssen mit einem Tierarzt abgeklärt werden. Übrigens können auch Vögel, die mit fahrenden Autos zusammenstoßen, eine Gehirnerschütterung erleiden.
Schnabelbruch
Schnabelbrüche stellen in verschiedener Hinsicht eine Gefahr für Vögel dar. Einerseits können die betroffenen Tiere unmittelbar nach dem Bruch infolge des hohen Blutverlustes - die Schnabelwurzel ist bei den meisten Vogelarten gut durchblutet - sterben oder geschwächt werden. Auf der anderen Seite bedeutet ein defekter Schnabel für die Tiere in freier Natur meist das sichere Todesurteil, weil sie hinsichtlich der Nahrungsaufnahme gehandicapt sind. Foto rechts: Schnabelbruch bei einer Stockente, © Iris Gurn Abgebrochene Schnäbel zu kleben, ist nur in den seltensten Fällen möglich, oft bleiben die angeklebten Fragmente nicht lange haften. Einen Versuch ist es jedoch immer wert. Viele Tierärzte verfügen allerdings nicht über das nötige Wissen, um Schnäbel kleben zu können. Man sollte deshalb einen auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt aufsuchen. Die Wildvogelhilfe-Leserin Sylvia hat im Kapitel über Krankheiten des Verdauungstraktes ihre Erfahrungen mit der Anfertigung von Schnabelprothesen beschrieben. Ihre Ausführungen sind sehr interessant. Nach einem Schnabelbruch sollte man den betroffenen Vogel sehr genau beobachten. In der Akutphase benötigt der Vogel sehr weiches Futter, weil die Bruchkanten äußerst schmerzempfindlich sind. Nach einigen Tagen lässt diese Schmerzempfindlichkeit jedoch nach. Stellt sich dann heraus, dass das Tier mit dem verbliebenen Schnabelstumpf noch immer selbstständig Nahrung aufnehmen kann, so kann man es in die freie Natur entlassen. Tiere, bei denen eine selbstständige Nahrungsaufnahme nicht gewährleistet ist, können nur durch menschliche Hilfe in Gefangenschaft überleben. Hier ist ein Abwägen der Situation des Vogels gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt unabdingbar, denn meist wachsen in der Nähe der Schnabelwurzel abgebrochene Schnäbel nicht mehr nach. Das heißt, der betroffene Vogel ist für den Rest seines Lebens nicht mehr dazu in der Lage, eigenständig Nahrung aufzunehmen. Es kann daher unter Umständen sinnvoll sein, ein solches Tier einschläfern zu lassen.
Platzwunden
Gegebenenfalls müssen Wunden, die durch einen Kollisionsunfall entstanden sind, gereinigt werden, wenn das betroffene Tier beispielsweise nach einem Zusammenstoß mit einem Auto blutend im Staub am Straßenrand gelegen hat. Die Wundreinigung sollte von einem Tierarzt oder einem erfahrenen Vogelpfleger vorgenommen werden. Normalerweise heilen vom Tierarzt versorgte und gegebenenfalls genähte Platzwunden relativ rasch und problemlos. Ein starker Blutverlust kann das betroffene Tier jedoch enorm schwächen, weshalb einige Tage Ruhe und Schonung mitunter notwendig sind.
Knochenbrüche
In besonders schlimmen Fällen erleiden Vögel bei einem Zusammenstoß mit einem fahrenden Auto einen Bruch der Wirbelsäule. Wird hierbei das Rückenmark durchtrennt, was nahezu immer der Fall ist, so ist das gefiederte Unfallopfer von der Bruchstelle abwärts zum Schwanz hin gelähmt (entspricht einer Querschnittlähmung beim Menschen). Eine Heilung ist nicht mehr möglich. Vögel, deren Wirbelsäule gebrochen ist und die querschnittgelähmt sind, sollte man durch einen Tierarzt von ihrem Leiden erlösen lassen. Fliegt ein Vogel gegen eine Fensterscheibe, ist es wahrscheinlich, dass er sich einen oder beide Flügel bricht. Beinbrüche treten eher selten auf. Nur wenn der verunfallte Vogel aus relativ großer Höhe mit gebrochenen Flügeln auf den Boden prallt, kann es geschehen, dass er sich dadurch zusätzlich einen Beinbruch zuzieht. Weitere Informationen über Knochenbrüche finden Sie im Kapitel über Krankheiten der Extremitäten.
Ausgekugelte Gelenke
Ist ein Schultergelenk eines Vogels ausgekugelt, hängt der betroffene Flügel schlaff herab, lässt sich aber vom Tier noch einigermaßen bewegen. Bei einer ausgekugelten Hüfte steht das Bein mehr oder minder stark seitlich ab. Eine vollständige Heilung ist leider nur selten möglich, betroffene Vögel bleiben in aller Regel zeitlebens gehandicapt. Luftsackriss
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