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Kollisionsunfälle und ihre Folgen
Nur die wenigsten Vögel überleben einen Zusammenstoß mit einem fahrenden Auto, auch die Kollision mit Glasscheiben oder Windenergieanlagen führt oft zum sofortigen Tod durch Genickbruch. Zusammenstöße mit Hochspannungsleitungen enden oft ebenfalls mit dem Tod des betroffenen Vogels. Bei den wenigen Vögeln, die Kollisionsunfälle überlebenden, tritt eine Reihe typischer Verletzungen besonders häufig auf. Diese werden im Folgenden erläutert.
Schädel-Hirn-Trauma und Hirnblutung
Hirnblutungen führen meist dazu, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, das Blutgefäße blockiert. Dadurch werden Teile des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet, wodurch wiederum Lähmungen in Körperteilen entstehen, die von den betroffenen Hirnregionen kontrolliert werden. Oft fehlt nach einer Hirnblutung der Pupillenreflex in einem oder in beiden Augen, das heißt, bei Lichteinfall ziehen sich die Pupillen nicht mehr zusammen. Mit einer Hirnblutung kann auch ein Hirnödem einhergehen, dabei lagert sich Gewebeflüssigkeit im Gehirn ein. Durch diese Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Schädels kommt es häufig dazu, dass ein Auge (selten beide) nach außen gedrückt wird. Die daraus entstehende Wölbung ist selbst für einen Laien deutlich zu erkennen. Zudem leiden Vögel nach einer Hirnblutung meist an Krämpfen, die den gesamten Körper betreffen. Auch Fehlstellungen des Kopfes (starke Neigung zur Seite) sind meist die Folge, siehe Foto oben rechts. Ein weiteres typisches Merkmal dieser Art der inneren Verletzung ist, dass sich die betroffenen Vögel immerzu im Kreis drehen. Nicht immer ist eine Heilung in solch schweren Fällen möglich, Sie sollten dem Vogel aber unbedingt Zeit geben zur Regeneration. Hirntraumata, bei denen es nicht zu einer Blutung innerhalb des Schädels kommt, sind mit ähnlichen Symptomen wie Hirnblutungen verbunden, allerdings ist oft eine Heilung möglich. Diese ist jedoch in aller Regel ausgesprochen langwierig und nur durch eine intensive Pflege des erkrankten Vogels zu erzielen. Deshalb muss sehr sorgfältig überlegt werden, ob sich das betroffene Tier für eine mitunter mehrere Monate dauernde Haltung in menschlicher Obhut überhaupt eignet. Ist eine Wiederauswilderung nicht möglich, so sollte gegebenenfalls frühzeitig nach einem guten Dauerpflegeplatz für den betroffenen Vogel gesucht werden.
Gehirnerschütterung
Leidet ein Vogel an einer Gehirnerschütterung, ist er in den meisten Fällen orientierungslos, sitzt benommen und zusammengekauert auf dem Boden. Das Gefieder ist in aller Regel stark aufgeplustert und die Augen sind geschlossen. Eine Gehirnerschütterung verursacht beim Menschen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, starke Kopfschmerzen sowie eine Überempfindlichkeit der Augen gegen Licht und eine hohe Geräuschempfindlichkeit. Beobachtungen an Vögeln lassen den Schluss zu, dass die Tiere ähnlich empfinden, wenn sie an einer Gehirnerschütterung leiden. Sie sollten deshalb nach Möglichkeit in einer dunklen, ruhigen und nicht zu kühlen Umgebung untergebracht werden. Alle optischen und akustischen Reize des Gehirns sind zu vermeiden. Die Bestrahlung mit einer Wärmelampe ist in den allermeisten Fällen nicht angeraten, weil sie die Beschwerden verschlimmert! Diese und weitere Therapiemaßnahmen müssen mit einem Tierarzt abgeklärt werden.
Schnabelbruch
Schnabelbrüche stellen in verschiedener Hinsicht eine Gefahr für Vögel dar. Einerseits können die betroffenen Tiere unmittelbar nach dem Bruch infolge des hohen Blutverlustes - der Schnabel sitzt auf einem knöchernen, gut durchbluteten Kern - sterben oder geschwächt werden. Auf der anderen Seite bedeutet ein defekter Schnabel für die Tiere in freier Natur meist das sichere Todesurteil, weil sie sich nicht mehr selbstständig ernähren können. Abgebrochene Schnäbel zu kleben, ist nur in den seltensten Fällen möglich, oft bleiben die angeklebten Fragmente nicht lange haften. Einen Versuch ist es jedoch häufig wert. Viele Tierärzte verfügen allerdings nicht über das nötige Wissen, um Schnäbel kleben zu können. Man sollte deshalb einen auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt aufsuchen. Die Wildvogelhilfe-Leserin Sylvia hat im Kapitel über Schnabelverletzungen ihre Erfahrungen mit der Anfertigung von Schnabelprothesen beschrieben. Ihre Ausführungen sind sehr interessant. Nach einem Schnabelbruch sollte man den betroffenen Vogel sehr genau beobachten. In der Akutphase benötigt das Tier sehr weiches Futter, weil die Bruchkanten äußerst schmerzempfindlich sind. Manche Vögel müssen vom Menschen zwangsernährt werden, was nur erfahrene Pfleger übernehmen sollten, um den bereits verletzten Schnabel nicht noch weiter zu schädigen. Nach einigen Tagen lässt die Schmerzempfindlichkeit nach. Stellt sich dann heraus, dass das Tier mit dem verletzten Schnabel oder dem verbliebenen Stumpf noch immer selbstständig Nahrung aufnehmen kann, so kann man es nach Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bald wieder in die freie Natur entlassen. Tiere, bei denen eine selbstständige Nahrungsaufnahme nicht gewährleistet ist, können nur durch menschliche Hilfe in Gefangenschaft überleben. Hier ist ein Abwägen der Situation des Vogels gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt unabdingbar, denn meist wachsen in der Nähe des Schnabelgrundes abgebrochene Schnäbel nicht mehr nach. Das heißt, der betroffene Vogel ist für den Rest seines Lebens nicht mehr dazu in der Lage, eigenständig Nahrung aufzunehmen.
Platzwunden
Knochenbrüche
Wirbelsäulenverletzungen
Das Foto unten zeigt einen Graureiher, der ein schweres Wirbelsäulentrauma erlitten hat. Laut Röntgenaufnahme war die Wirbelsäule nicht gebrochen, dennoch konnte der Vogel nicht mehr stehen. Obwohl das Tier fachkundige medizinische Hilfe erhielt, ist es gestorben. Foto © Sylvia Urbaniak
Ausgekugelte Gelenke
Luftsackriss
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