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Krankheiten des Gefieders
Für Vögel ist das Gefieder ausgesprochen wichtig.
Einerseits hält es sie warm, andererseits schützt es ihre
Haut vor Verletzungen, und es ist maßgeblich dafür
verantwortlich, dass sie fliegen können. Aufgrund
unterschiedlicher Ursachen kann es zu Gefiederschäden kommen, die
auf bestimmte Weise behandelt werden müssen, um
den Vögeln zu helfen. In diesem Kapitel erfahren Sie mehr
über häufige gesundheitliche Probleme, die das Gefieder der
Vögel betreffen.
Mauser
Die Mauser ist ein
natürlicher Prozess und keine Erkrankung. In
regelmäßigen Abständen erneuern Wildvögel ihr
Federkleid, damit es stets in einem möglichst guten Zustand ist.
Während der Mauser bleiben die meisten Vogelarten flugfähig
und man merkt es ihnen nicht an, dass sie sich in der Phase des
Gefiederwechsels befinden. Doch einige wenige Arten, die in Deutschland
vorkommen, werden durch die Mauser vorübergehend flugunfähig.
Dazu gehören beispielsweise Kanada- und Nilgänse. Bei diesen
Vögeln findet die Mauser nach der Aufzucht der Jungtiere statt,
also im Hochsommer. Wer in den Monaten Juli und August
flugunfähige Gänse findet, denen die langen Federn an den
Flügeln fehlen (Schwungfedern), hat es höchstwahrscheinlich
mit mausernden Vögeln zu tun.
Stockmauser
Bei der sogenannten Stockmauser handelt es sich um eine Verzögerung oder um
einen völligen Stillstand des natürlichen Gefiederwechsels. Hiervon betroffene Vögel sehen
zerrupft aus und auf dem Kopf entsteht meist ein Stachelkleid aus ungeöffneten
Federscheiden. Ursachen für die Stockmauser können ein Mangel an Aminosäuren,
Vitaminen und Mineralstoffen, zu geringe Luftfeuchtigkeit, zu wenig UV-Licht, hormonelle
Störungen oder eine versteckte Krankheit, wie beispielsweise Leber-
und Nierenerkrankungen,
sein. Das Foto in diesem Absatz zeigt eine
Mehlschwalbe
mit Mauserproblemen. In den Abbildungen unter
diesen Zeilen ist eine
Dohle
zu sehen, die ebenfalls an einer an einer Gefiederstörung
aufgrund einer Stockmauser leidet. Foto oben rechts ©
Dagmar Offermann;
Fotos unten © Iris Steiner
Schreckmauser oder Schockmauser
Die Schreckmauser oder Schockmauser ist ein Phänomen, das für
Wildvögel
lebensrettend sein kann. In Angstsituationen können Vögel
einzelne oder sämtliche Schwanz- oder Schwungfedern abwerfen. Dies
kann vor allem beobachtet werden, wenn ein Wildvogel von einem
Raubtier, beispielsweise einer Katze, bedroht oder festgehalten
wird. Der Abwurf der Federn lässt den Vogel dann oft doch noch
entkommen. In aller Regel wachsen die Federn relativ schnell
wieder nach, jedoch sind manche Vögel nach einer Schreckmauser
vorübergehend flugunfähig. Nach einer schweren Schockmauser
kann es sinnvoll sein, einen Wildvogel für kurze Zeit in
einer Voliere einer Auffangstation unterzubringen, damit er in
Sicherheit vor Fressfeinden ist, bis seine Federn vollständig
nachgewachsen sind und er wieder flugfähig ist.
Ausgerissene Federn durch Angriffe
Wenn
Säugetiere wie beispielsweise Katzen einen Vogel angreifen, dann
versuchen sie ihn mit den Krallen und Zähnen festzuhalten.
Versucht der gefangene Vogel sich dann zu befreien, kann es zum
Ausreißen einiger Federn kommen; auch eine Schockmauser (siehe
oben) ist möglich. Neben Säugetieren attackieren auch manche
Greifvögel andere Vögel. Sie reißen ihrer Beute die
Federn aus, was oft geschieht, während das Opfer noch lebt.
Gelingt es dem gefangenen Vogel zu entkommen, ist er meist verletzt und
weist zudem Rupfungen auf. Hierbei kann die Haut geschädigt sein,
unter Umständen ist es dann nötig, diese zu nach Absprache
mit einem fachkundigen Tierarzt mit Salben zu behandeln. Liegt eine
Verletzung durch ein Säugetier vor, kann zudem eine Behandlung mit
einem Antibiotikum sinnvoll sein, um einer möglicherweise
entstehenden Infektion des gesamten Organismus vorzubeugen (siehe
Kapitel über Säugetierverletzungen).
Die in diesem Absatz gezeigte Ringeltaube ist höchstwahrscheinlich
von einem Wanderfalken angegriffen und gerupft worden. Das Muster der
Rupfung passt zu einem solchen Angriff, aber offenkundig ist es der
Taube gelungen, sich zu befreien. Foto © Gaby Schulemann-Maier
Federdeformationen
Deformationen oder Missbildungen der Federn liegen unterschiedliche Ursachen
zu Grunde, darunter beispielsweise ständiges Anstoßen
am Käfig, Eiweißmangel oder ein Befall mit Gefiederparasiten.
Viel Frischluft (am besten ist grundsätzlich die Haltung in einer
Außenvoliere!), UV-Licht und eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
wirken sich günstig auf das Wachstum eines gesunden, intakten Gefieders aus.
Foto rechts: Mehlschwalbe, © Gigi Bonk
Die missgebildeten Federn sollten in aller Regel nicht gezogen (ausgerissen) werden,
da Blutungen entstehen können. Besser ist es abzuwarten,
bis sie bei der nächsten Mauser ausfallen. Behindern die
missgebildeten Federn den Vogel jedoch stark oder bluten
abgebrochene Federn immer wieder, so muss man sie vorsichtig
entfernen, indem man sie gerade herauszieht. Die daraus
resultierende Blutung muss umgehend gestillt werden, siehe
auch das Kapitel "Erste
Hilfe"!
Speziell Zugvögel benötigen vor ihrem Start unbedingt ein
intaktes Gefieder, um den weiten Weg unbeschadet zurücklegen
zu können. Abgeknickte Schwung- und Schwanzfedern von
Zugvögeln, zum Beispiel
Mauerseglern,
müssen unter Vollnarkose von einem Spezialisten, wie etwa
Dr. Christiane
Haupt
geshiftet werden. Hierunter versteht man eine vom Menschen
durchgeführte
"Reparatur" der Federn, um den Vögeln zu der lebenswichtigen
Flugfähigkeit zu
verhelfen. Unter diesen Zeilen ist das zerschlissene Gefieder eines
Bussards zu sehen, das durch falsche Haltungsbedingungen zu Schaden
gekommen ist. Foto © Sylvia Urbaniak
Auch in freier Natur kann es zu Gefiederzerstörungen
kommen, wenn beispielsweise Menschen brütende Vögel
stören. Die folgende Fotoserie des Naturfotografen Gerhard
Brodowski zeigt einen tragischen Fall, bei dem junge Uhus zu Schaden
gekommen sind: Link.
Gefiederverfärbungen (Teilalbinismus)
Manche Vögel zeigen eine untypische Gefiederfärbung. Diese
kann entweder von Dauer sein, weil sie genetisch bedingt ist, oder aber
sie tritt infolge einer schweren Mangel- und Fehlernährung auf.
Eine genetische Ursache liegt vor, wenn die für die Vogelart
typischen Pigmente beziehungsweise Gefiederfarbstoffe teilweise
(Teilalbinismus) oder am gesamten Körper ausfallen (Albinismus).
Die Federn sind dann weiß, und falls der gesamte Körper
betroffen ist, sind die Augen rot anstatt schwarz gefärbt.
Albinovögel sind in freier Natur jedoch sehr selten zu finden.
Zudem entstehen die Weißverfärbungen im Gefieder der
Vögel in dem meisten Fällen nicht aufgrund einer genetischen
Veranlagung, sondern weil die Tiere nicht ausreichend mit
Nährstoffen über ihr Futter versorgt werden.
Foto: junge Amsel mit Gefiederverfärbung, Foto © Christa Scheyerl
Erhalten zum Beispiel verwaiste Jungvögel während
der Aufzucht in Menschenobhut nicht artgerechtes Futter, gelangen zu
wenige Vitamine und Mineralstoffe in den Körper. Diese stehen dem
Organismus bei der Bildung des Gefieders nicht zur Verfügung. Das
Resultat sind teilweise weiß verfärbte Federn, die zudem
strukturelle Schäden aufweisen. Sie sind brüchig, struppig
und halten den Vogelkörper nicht ausreichend warm, sofern es sich
um kleine Körperfedern handelt. Sind die Schwungfedern, also die
langen Federn an den Flügeln, von den strukturellen Schäden
betroffen, kann es sein, dass der Vogel nicht richtig fliegen kann.
Häufig ist dies bei jungen Haussperlingen zu beobachten. Aber auch
Altvögel können von diesem Problem betroffen sein,
insbesondere wenn sie in freier Natur leben und an einer organischen
Erkrankung leiden oder wenn sie von Menschen längere Zeit gepflegt
und falsch ernährt werden. Wird die Mangelernährung
abgestellt und erhält ein betroffener Vogel artgerechtes,
nährstoffreiches Futter, wachsen seine Federn im Zuge der
nächsten Mauser meist in normaler Färbung und mit
kräftiger Struktur nach.

Flügel einer Rabenkrähe, die neben einer teilweisen Aufhellung des Gefieders
schwere strukturelle Defekte der Schwungfedern aufweist, Foto © Sylvia Urbaniak
Fremdkörper im Gefieder
Unter
bestimmten Umständen können sich Fremdkörper im Gefieder
eines Vogels verfangen; dabei kann es sich sowohl um menschlichen Unrat
handeln, als auch um in der Natur vorkommende Objekte. Betroffene Tiere
sind auf Hilfe durch den Menschen angewiesen, allerdings sollte
unbedingt mit Bedacht gehandelt werden, um den Gefiederschaden durch
vorschnelle Maßnahmen nicht zu vergrößern. Manche
Vögel geraten mit Kletten und borstigen Gräsern in Kontakt.
Teile dieser Pflanzen können sich im Gefieder der Vögel
verfangen und bleiben dort im schlimmsten Fall so fest haften, dass
sich die Tiere nicht mehr selbst davon befreien können. Foto
rechts und unten: Turmfalke mit anhaftendem Fruchtstand einer Platane
am Flügel, © Sylvia Urbaniak
Eine
typische Situation, in der es zu einem Kontakt mit anhaftenden
Pflanzenteilen kommen kann, ist die Nahrungssuche. So können
beispielsweise Greifvögel wie Turmfalken, die über einem Feld
nach kleinen Säugetieren Ausschau halten und sich auf diese
stürzen, mit den Pflanzen wie Kletten oder Borstenhirse in
Berührung kommen. Aber auch wenn die Vögel an der Vegetation
entlang streifen, können sich manche Baumfrüchte in ihrem
Gefieder verfangen. Sind die Flügel betroffen, sind die Tiere im
Fall großer anhaftender Pflanzenteile in ihren Bewegungen
eingeschränkt. Mehrere kleine Pflanzenteile können hingegen
das Federkleid ausfransen lassen, wodurch es den betroffenen
Vögeln oft kaum mehr möglich ist, zu fliegen. Foto rechts und
unten: Borstenhirse im Gefieder eines Turmfalken, © Sylvia
Urbaniak
Wichtig
ist, die Pflanzenteile so zu entfernen, dass möglichst wenig
zusätzlicher Schaden am Federkleid entsteht. Auf keinen Fall
sollten die betroffenen Federn einfach allesamt abgeschnitten werden.
Dies kann für die Vögel im schlimmsten Fall zu einer
monatelangen Flug- oder Manövrierunfähigkeit führen. Am
besten sollte ein Vogel, in dessen Gefieder sich Pflanzenteile
verfangen haben, einem fachkundigen, erfahrenen Tierarzt vorgestellt werden, der das Gefieder des Tieres behandeln sollte.
Foto rechts: Aus dem Gefieder eines Turmfalken entfernte Borstenhirse, © Sylvia Urbaniak
Leim und Klebstoff im Gefieder
Um Insekten wie
Fliegen oder Pflanzenschädlinge loszuwerden, verwenden viele
Menschen spezielle klebende Hilfsmittel, die die kleinen Insekten
anlocken und am Fortkommen hindern sollen. So werden beispielsweise in
Ställen gegen Fliegenplagen oft Leim-Fliegenfänger
aufgehängt und in Gärten finden sich mancherorts sogenannte
Gelbtafeln oder Gelbsticker, die unter anderem gegen
Rhododendronzikaden, aber auch gegen andere Schädlinge eingesetzt
werden. Auf diesen Stickern befindet sich genau wie auf den
Fliegenfängern eine stark klebende Substanz, die verheerende
Auswirkungen auf das Gefieder von Vögeln hat, die mit ihr in
Berührung kommen. Oft sind kleine Singvögel hiervon
betroffen, sie bleiben meist hilflos an den Stickern oder
Fliegenfängern hängen oder stürzen in deren Nähe ab
und können aufgrund des verklebten Gefieders nicht mehr fliegen.
Wichtig ist, den betroffenen Tieren schnellstmöglich zu helfen,
indem man sie zu einem fachkundigen Tierarzt bringt. Die
Federn sollten nicht vorschnell abgeschnitten werden, insbesondere dann
nicht, wenn es sich um lange Federn an den Flügeln (Schwungfedern)
oder Schwanzfedern handelt!

Fliegenfängerleim im Gefieder eines kleinen Singvogels,
Foto © Sylvia Urbaniak
Um den Leim zu lösen, reicht es nicht, Vögel mit
Wasser zu waschen. Zunächst muss der Leim mit etwas Öligem
wie Pflanzenmargarine oder Babyöl vermischt werden.
Anschließend ist das Ganze auszuwaschen. Dem 40 Grad Celsius
warmen Wasser muss dabei ein Lösungsmittel zugesetzt werden, das
den Vögeln keinen Schaden zufügt. Bewährt hat sich
hierfür zum Beispiel aufgrund seiner speziellen Zusammensetzung das Spülmittel Fairy Dawn. Aber bedenken
Sie: Die Waschprozedur ist für Wildvögel extrem anstrengend,
sie könnten aufgrund ihrer großen Angst sterben. Es ist
deshalb unbedingt schnellstmöglich ein Tierarzt aufzusuchen, der
sich mit der Behandlung von Vögeln auskennt und die
Gefiederreinigung übernehmen kann.
Federlinge
Federlinge leben auf den Federn und legen dort ihre Eier ab. Diese bis zu drei Millimeter langen
Parasiten können mit dem bloßen Auge erkannt werden.
Sie sind meist dunkel gefärbt und huschen bei Lichteinstrahlung unter das Gefieder.
Das Foto rechts zeigt einen Federling, wie er bei vierfacher Vergrößerung durch
ein Mikroskop betrachtet aussieht. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Bei stärkerem Befall mit Federlingen sind die Federn
zerrupft und abgenagt. Die Vögel leiden an Juckreiz und Schlafmangel.
Federlinge werden zum Beispiel mit Puder bekämpft, in dem der Wirkstoff
Pyrethrum enthalten ist. Der Vogel wird hiermit vor allem an
den Federunterseiten eingepudert. Noch besser ist das Besprühen
mit Exner Petguard. Dieses Präparat enthält kein Gift, sondern Milchsäure. Sie verklebt
die Atmungsöffnungen der Parasiten und führt so zum Erstickungstod der Federlinge,
ohne dem Vogel zu schaden. Bei beiden genannten Antiparasiten-Präparaten ist darauf zu achten,
dass sie nicht in die Augen oder auf die Schleimhäute des Vogels gelangen dürfen!
Mit anderen Kontaktinsektiziden ist allergrößte Vorsicht geboten!
Viele Vögel, vor allem junge Tiere, reagieren hierauf äußerst
empfindlich. Ebenso sollte man keine "Milbensprays" verwenden, da
die Vögel hierbei die Wirkstoffe über die Atmung/Blut vermehrt
aufnehmen, wodurch sie sich rasch vergiften können.

Federlinge auf einer Taubenfeder, Foto © Sylvia Urbaniak
Federmilben
Federmilben
leben auf der Unterseite der Federn. Sie sind lediglich 0,15 bis 0,3
Millimeter
groß und deshalb nur mit einer Lupe erkennbar. Im Unterschied zu
Federlingen bewegen
sie sich bei Lichteinwirkung nur langsam. Hinsichtlich ihrer
Bekämpfung
ist insektizidhaltiges Puder nicht immer erfolgreich, wirksamer sind
die Wirkstoffe Ivermectin (0,1%ige Lösung) oder Selamectin (6 %ige
Lösung), die auf die Nackenhaut des betroffenen Vogels
geträufelt werden - man spricht hierbei von der sogenannten
Spot-On-Behandlungsmethode. Aber
Vorsicht! Nicht jede Vogelart verträgt Ivermectin. Beispielsweise
darf es nicht bei Grünfinken
(siehe Foto rechts), Stieglitzen und Buchfinken sowie einigen weiteren
Vogelarten zum Einsatz
kommen. Diese Arten können sterben auch an hochgradig verdünnten Lösungen sterben! Bevor Sie also zu einem solchen Präparat greifen, ist
es deshalb besser, zunächst eine Behandlung mit Exner
Petguard zu versuchen. Ergänzend empfiehlt sich eine homöopathische
Behandlung mit Sulfur D30 und Kreosotum D4 über das Trinkwasser. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Federspulmilben
Diese Parasiten leben in den Federspulen der Flügel- und
Schwanzfedern, wodurch Entzündungen hervorgerufen werden. Die
Federn fallen aus, brechen ab oder bleiben unterentwickelt. Ein Befall
mit diesen Parasiten kann ebenfalls mit Ivermectin oder Selamectin
behandelt werden. Auch hierbei gilt, dass
es sinnvoll ist, zunächst eine Therapie mit dem für
Vögel
harmlosen Exner Petguard auszuprobieren.
Weitere ausführliche Informationen zu Parasiten finden Sie im gleichnamigen Kapitel!
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