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Krankheiten des Federkleids
Das Abwerfen alter Federn bei gleichzeitigem Nachwachsen eines neuen Gefieders ist ein
natürlicher Vorgang, der Mauser genannt wird. Die meisten Singvögel erneuern
zu bestimmten Jahreszeiten ihr Gefieder fast vollständig und bleiben dabei stets
flugfähig. Es handelt sich bei der Mauser also nicht um eine Krankheit, sondern einen
von der Natur vorgesehenen Vorgang. Läuft die natürliche Mauser nicht ohne Probleme
ab, spricht man von Mauserstörungen. Diese können unterschiedliche Ursachen haben
und tragen deshalb verschiedene Namen.
Stockmauser
Bei der so genannten Stockmauser handelt es sich um eine Verzögerung oder um
einen völligen Stillstand des natürlichen Gefiederwechsels. Die Vögel sehen
zerrupft aus und auf dem Kopf entsteht meist ein Stachelkleid aus ungeöffneten
Federschäften. Ursachen für die Stockmauser können ein Mangel an Aminosäuren,
Vitaminen und Mineralstoffen, zu geringe Luftfeuchtigkeit, zu wenig UV-Licht, hormonelle
Störungen oder eine versteckte Krankheit, wie beispielsweise Leber-
und
Nierenerkrankungen,
sein. Das Foto in diesem Absatz zeigt eine
Mehlschwalbe
(Delichon urbica) mit Mauserproblemen. In den Abbildungen unter
diesen Zeilen ist eine
Dohle
(Corvus monedula) zu sehen, die an einer Gefiederstörung
leidet. Foto oben rechts ©
Dagmar Offermann;
Fotos unten © Iris Steiner
Schreckmauser
Die Schreckmauser ist ein Phänomen, das für Wildvögel
lebensrettend sein kann. In Angstsituationen können Vögel
einzelne oder sämtliche Schwanz- oder Schwungfedern abwerfen. Dies
kann vor allem beobachtet werden, wenn ein Wildvogel von einem
Raubtier, beispielsweise einer Katze, bedroht oder festgehalten
wird. Der Abwurf der Federn lässt den Vogel dann oft noch
entkommen. In aller Regel wachsen die Federn relativ schnell
wieder nach.
Federdeformationen
Deformationen oder Missbildungen der Federn liegen unterschiedliche Ursachen
zu Grunde, darunter beispielsweise ständiges Anstoßen
am Käfig, Eiweißmangel oder ein Befall mit
Gefiederparasiten.
Viel Frischluft (am besten ist grundsätzlich die Haltung in einer
Außenvoliere!), UV-Licht und eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
wirken sich günstig auf das Wachstum eines gesunden, intakten Gefieders aus.
Foto rechts: Mehlschwalbe, © Gigi Bonk
Die missgebildeten Federn sollten nicht gezogen (ausgerissen) werden,
da Blutungen entstehen können. Besser ist es abzuwarten,
bis sie bei der nächsten Mauser ausfallen. Behindern die
missgebildeten Federn den Vogel jedoch stark oder bluten
abgebrochene Federn immer wieder, so muss man sie vorsichtig
entfernen, indem man sie gerade herauszieht. Die daraus
resultierende Blutung muss umgehend gestillt werden, siehe
auch das Kapitel "Erste
Hilfe"!
Speziell Zugvögel benötigen vor ihrem Start unbedingt ein
intaktes Gefieder, um den weiten Weg unbeschadet zurücklegen
zu können. Abgeknickte Schwung- und Schwanzfedern von
Zugvögeln, zum Beispiel
Mauerseglern,
müssen unter Vollnarkose von einem Spezialisten, wie etwa
Dr. Christiane
Haupt geshiftet werden. Hierunter versteht man eine vom Menschen durchgeführte
"Reparatur" der Federn, um den Vögeln zu der lebenswichtigen Flugfähigkeit zu
verhelfen.
Gefiederverfärbungen (Teilalbinismus)
Manche Vögel zeigen eine untypische Gefiederfärbung. Häufig handelt es sich dabei um ein stellenweise weißes Gefieder, was in Erscheinung tritt, wenn sämtliche dunklen Farbstoffe in den jeweiligen Gefiederpartien ausgefallen sind. Man spricht dann vom sogenannten Teilalbinismus. Wären die Pigmente beziehungsweise Gefiederfarbstoffe am gesamten Körper ausgefallen, wäre der betroffene Vogel ein reiner Albino und hätte dann auch die typischen roten Augen.
Ob es sich bei teilalbinotischen Vögeln um eine Laune der Natur handelt oder ob die Tiere aufgrund einer Erkrankung ein untypisches Gefieder haben, ist bislang selbst in Fachkreisen noch nicht restlos geklärt. Das Foto unten zeigt eine teilalbinotische junge Amsel. Foto © Christa Scheyerl
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