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Krankheiten der Extremitäten Unter dem Begriff "Extremitäten" fasst man bei Vögeln die Flügel und die Beine inklusive der Füße zusammen. An den Extremitäten kann es zu verschiedenen Erkrankungen kommen, von denen einige besonders häufig auftreten. Sie werden in diesem Kapitel kurz erläutert.
Knochenbrüche und Verstauchungen
Es existieren zwei unterschiedliche Methoden, mit denen Knochenbrüche behandelt werden: Konservative Methode: Fixierung der gebrochenen Gliedmaßen in der natürlichen Position, so dass die Bruchenden aneinander liegen und sich bei Bewegung nicht verschieben. Nach zehn Tagen wird der Verband in aller Regel entfernt.
Chirurgische Methode: Hierbei werden die Bruchenden mit Drähten verankert. Nach etwa drei Wochen werden die Drähte wieder entfernt. Die chirurgische Methode hat den Vorteil, dass die Bruchenden exakt aneinander angepasst werden können. Zur Verbesserung der Kallusbildung (neue Gewebsbildung bei Knochenbrüchen) sollten täglich über das Trinkwasser Calcium phosphoricum D6 und Syphytum D3 verabreicht werden. Nach erfolgreich eingerenkten Luxationen (Auskugelungen, siehe unten) und anderen Gelenkserkrankungen empfiehlt sich die Gabe von Arnica D3, Belladonna D3 und Bryonia D4. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Bandagieren bei komplizierten Knochenbrüchen meist wenig bewirkt. Es hat sich sogar des Öfteren gezeigt, dass ein Vogel, dem beispielsweise ein Fuß bandagiert wurde, nach Abnahme der Bandage Fehlstellungen im anderen, zuvor vollständig gesunden Fuß aufwies. Solche Fehlstellungen an gesunden Extremitäten ergeben sich aufgrund der einseitigen, unnatürlichen Belastung.
Flügelverletzungen
Für geübte Vogelpfleger folgt nun eine Anleitung für das Ruhigstellen eines verletzten Flügels. Offene Brüche dürfen nicht so wie nachfolgend beschrieben behandelt werden!
Ein weiteres probates Mittel zum Fixieren, das praktisch jeder Vogelpfleger im Haus hat, sind handelsübliche Klebestreifen (zum Beispiel Tesafilm). Der Klebestreifen sollte rund zehn Tage am Flügel verbleiben. Man muss den Klebefilm um beide Flügel wickeln, um die gebrochene Extremität ausreichend ruhig zu stellen. Die folgenden Abbildungen zeigen, wie es geht: Abb. 1 und 2: Den Daumen mit etwas Speichel anfeuchten, um den Klebestreifen an der nicht haftenden Seite aufzunehmen. Abb. 3: An dieser Stelle muss der Klebestreifen angebracht werden. Abb. 4: Den Klebestreifen kurz andrücken - fertig ist die Flügelfixierung.
Vielen Dank an Frauke Brinkmann für die obigen Skizzen.
Amputationen
Um einem betroffenen Tier das Weiterleben zu ermöglichen, bleibt als einzige Lösung die Amputation des zerstörten Knochens, wobei die Abtrennung meist am nächsthöheren Gelenk erfolgt. Die Abbildung über diesem Absatz zeigt einen Schwan, dem nach einem Unfall ein Teil seines Flügels amputiert werden musste, die frische Amputationswunde ist deutlich zu erkennen. Vögel, denen Gliedmaßen oder Teile ihrer Extremitäten amputiert wurden, kann man in aller Regel nicht mehr auswildern!
Beinverletzungen
Abgeschnürte Füße und eingewachsene Ringe
In manchen Fällen wickelt sich faseriges Nistmaterial um die Beine und Füße von Wildvögeln. Hiervon sind vor allem Jungvögel relativ häufig betroffen. Die Folge ist eine eingeschränkte Durchblutung der Zehen. Es besteht auch hierbei die Gefahr, dass der Fuß abstirbt. Foto rechts © Gaby Schulemann-Maier Eingewachsene Ringe müssen vom Tierarzt operativ entfernt werden. Umschnürungen der Füße müssen vorsichtig - beispielsweise mit einer Nagelschere - geöffnet werden. Dies funktioniert am besten, wenn eine Person den Vogel in Rückenlage festhält und eine zweite Person mit der Nagelschere vorsichtig die Umschnürung aufschneidet.
Gelenkentzündungen
Zusätzlich zu den Antibiotika hat sich die Gabe von Arnica bewährt. Auch Traumeel-Salbe hilft sehr gut gegen entzündete Gelenke. Zusätzlich können Traumeel-Tropfen ins Trinkwasser gegeben werden.
Rachitis (Knochenweiche)
Die Gelenke sind geschwollen, bald kommt eine Erweichung des Schnabels und der Krallen hinzu. Im Endstadium verändert sich das gesamte Knochensystem. Bitte lesen Sie sich hierzu unseren Text über Krankheiten durch, die aufgrund von Mangelernährung entstehen. Foto rechts © Sylvia Schneider
Hüftluxation (ausgekugelte Hüfte)
Luxierte Hüftgelenke können bei Altvögeln meist nicht wieder gerichtet werden, die Tiere bleiben zeitlebens gehandicapt. Bei Jungtieren besteht eine Chance auf eine Verringerung der Fehlstellung und eine damit verbundene Wiederherstellung der Funktion des betroffenen Beines. Je jünger das Tier ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Therapie erfolgreich verläuft, weil die Knochen bei Küken noch etwas weicher und somit flexibler sind als bei älteren Vögeln. Umgekehrt heißt das: Je härter der Knochen, desto schwieriger ist es, eine annähernd normale Gelenkposition wiederherzustellen. Deshalb ist es wichtig, bei einer Hüftluxation so schnell wie möglich zu handeln! Um ein luxiertes Hüftgelenk wieder zu richten und dazu zu bringen, dauerhaft in einer anatomisch korrekten bzw. korrekteren Position zu verbleiben, muss ein Tierarzt das Gelenk durch Abtasten untersuchen. Dann muss er das Bein in die Normalposition bringen und es mit Hilfe von Bandagen und Schlingen so fixieren, dass das Hüftgelenk in der Normalstellung gehalten wird. Diese Fixierung muss das Jungtier einige Tage oder gar Wochen tragen, sie darf nicht entfernt werden. Nicht jeder Tierarzt ist ein Spezialist in Sachen Vogelanatomie, und beim geringsten Fehler in der Positionierung des Hüftgelenks wird die Behinderung für den Vogel durch den Therapieversuch noch schlimmer, als sie es ohne eine Behandlung wäre. Selbstversuche medizinischer Laien verbieten sich deshalb von selbst. Um einem betroffenen Vogel wirklich helfen zu können, ist es dringend erforderlich, einen solch heiklen gefiederten Patienten einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt vorzustellen. Informationen zur Unterbringung eines Vogels mit ausgekugelter Hüfte (Liegeplattformen, etc.) finden Sie auf dieser Website über Ziervögel.
Krankengymnastik als Trainingsmaßnahme zum Aufbau der Muskulatur
Hängt der Vogel anatomisch richtig (die Kloake muss auf jeden Fall frei bleiben und die Konstruktion darf nirgendwo einschnüren oder -schneiden), so kann man mehrmals täglich gezielte Greifübungen durchführen, indem man ein Ästchen unter die Füße hält, so dass der Vogel greift. Normalerweise sollte ein Greifreflex einsetzen, wenn man den Ast vorsichtig gegen die Unterseite des Fußes drückt. An der mittleren Stelle des Fußes befindet sich ein entsprechender Reflexpunkt. Bleibt bei dem Training jede Art von Greifreflex aus, sollte unbedingt ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, da in einem sollchen Fall ein neurologisches, also die Nervenbahnen betreffendes Problem vorliegen könnte. Foto rechts © Annika und Harry
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