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Füße
Erkrankungen der Beine und
Füße
An
den Beinen und Füßen eines Vogels kann es zu einer
Reihe
unterschiedlicher Erkrankungen kommen. Abhängig davon, um
welche
Art von Erkrankung es sich handelt, müssen entsprechende
Therapieschritte eingeleitet werden. Häufig ist es
erforderlich,
dass ein Röntgenbild angefertigt wird. In manchen
Fällen sind
zudem Operationen vonnöten, um den betroffenen Vögeln
das
Leben zu retten. In diesem Kapitel werden typische Erkrankungen der
Beine vorgestellt. Foto rechts: Grünfink mit fehlgewachsenem
Fuß, © Dagmar Offermann
Beinbrüche und offene Frakturen
Knochenbrüche
an den Beinen sind immer ein Fall für einen Tierarztbesuch.
Der
Arzt muss genau überprüfen, wie der Bruch
verläuft und
gegebenenfalls ein Röntgenbild anfertigen, um die volle
Tragweite
der Verletzung festzustellen. Je nachdem, wie ein Beinbruch im
Einzelfall aussieht, können die Knochen entweder für
einige
Zeit fixiert werden (konservative Methode) oder sie werden im Rahmen
einer Operation wieder zusammengefügt und
anschließend
für einige Zeit durch eine Bandage in der anatomisch korrekten
Position gehalten. Auf keinen Fall
sollte ein medizinischer Laie
in Eigenregie das Bein eines Vogels schienen. Denn wenn ein Knochen
nicht in der korrekten Lage zusammenwächst, bleibt der
betroffene
Vogel zeitlebens schwer gehbehindert und damit in der Wildnis kaum mehr
überlebensfähig!
Weil verletzte Vogelknochen schnell heilen,
können
unbehandelte und ungerichtete Brüche innerhalb weniger Tage
schief
verwachsen. Es ist deshalb erforderlich, einen Vogel, der einen
Knochenbruch erlitten hat, so schnell wie möglich einem
Tierarzt
vorzustellen.
Besonders wichtig ist das rasche Aufsuchen eines
erfahrenen Tierarztes, wenn ein offener
Bruch
vorliegt. Ein Bruch wird dann als offen bezeichnet, wenn ein Teil des
verletzten Knochens die Haut durchstoßen hat und durch eine
offene Wunde zu sehen ist. Werden offene Brüche nicht
behandelt,
verheilen sie normalerweise nicht ordnungsgemäß und
durch
die Wunde können Krankheitserreger in den Körper des
Vogels
eintreten. Das Foto rechts zeigt eine alte offene Fraktur (Bruch) am
Bein einer Kanadagans, eine solche ältere Verletzung ist in
aller
Regel nur schwer zu behandeln. Deutlich ist der Knochen durch die
Hautwunde zu erkennen. Teile der Haut sind abgerissen, auch das
darunterliegende Gewebe ist durch die Verletzung stark in
Mitleidenschaft gezogen worden. Foto © Sylvia Urbaniak
Problematisch sind offene Frakturen oft deshalb, weil
die
erkrankten Vögel häufig erst spät in die
Obhut des
Menschen gelangen. Viel Behandlungsspielraum ist bei einem alten
offenen Bruch leider nicht mehr, häufig bleibt nur die
Amputation
des Beines als Lösung, allerdings ist dies nicht bei allen
Vögeln möglich. Manche Tiere können nicht
auf nur einem
verbleibenden Bein stehen, darunter beispielsweise Ringeltauben.
Schwere Wasservögel wie Gänse sind ebenfalls nicht
dazu in
der Lage, permanent einbeinig zu stehen und zu schwimmen. Kleinere
Vögel, die leicht sind, können nach einer Amputation
meist
recht gut einbeinig stehen; dies gilt auch für kleine
Wasservögel bis zur Größe einer Stockente.
In freier
Natur kommen die meisten beinamputierten Vögel jedoch nur
schwer
zurecht, weshalb dieser Schritt gut überlegt werden sollte.
Frische offene Brüche können von
fachkundigen
Tierärzten oft erfolgreich behandelt werden. Bei einer
optimalen
Versorgung der frischen Wunde und einer perfekten Richtung des Bruches
können die Vögel mit ein wenig Glück nahezu
die volle
Beweglichkeit ihres Beines wiedererlangen.
Konservative Methode:
Brüche der Beinknochen müssen bei der konservativen
Methode,
also bei einer Behandlung ohne Operation, für etwa zwei Wochen
mit
einer festen Bandage zusammengehalten werden. Diese muss so angelegt
sein, dass sich die Bruchkanten des verletzten Knochens in der
anatomisch korrekten Position befinden und gerade in der Anfangsphase
nicht gegeneinander verrutschen können. Um eine ausreichende
Blutzirkulation zu gewährleisten und Veränderungen
des
Beinumfangs durch Schwellungen zu berücksichtigen, sind
Klebeverbände aus mehreren Lagen übereinander
geklebtem,
dickem Leukoplast besser geeignet als Schienen aus harten Materialien.
Die Klebestreifenränder sollten sich an der Vorder- und der
Hinterseite des Beines befinden und fest miteinander verklebt werden.
Es ist nicht ratsam, selbstklebende Materialien direkt mit der Haut
eines Vogels in Berührung kommen zu lassen, weil sich der
Klebstoff nur schwer entfernen lässt. Beim Abnehmen einer
Bandage
kann es dadurch im schlimmsten Fall zu Rissen in der Haut kommen! Auch
die Federn sollten nicht mit dem Klebstoff in Berührung
kommen.
Achtung: In
manchen Fällen
werden Beinbrüche nicht gleich erkannt, weil die
Vögel eine
sehr spezielle Körperhaltung einnehmen. Da sie auf dem
gebrochenen
Bein keinen Halt mehr finden, spreizen sie einen Flügel ab und
stützen sich auf diesen. Laien glauben in einem solchen Fall
häufig, dass das betroffene Tier einen gebrochenen Flügel
hat. Das Foto unten zeigt einen solchen Fall. Bei genauem Betrachten
fällt auf, dass das linke Bein des Habichts seitlich absteht,
der
Vogel kann sich nicht mehr auf das gebrochene Bein stellen (der
Ständer ist gebrochen). Deshalb spreizt er den linken
Flügel
ab und nutzt ihn als Stütze und zum Halten des Gleichgewichts
im
einbeinigen Stand.

Habicht mit Ständerbruch und abgespreiztem Flügel,
Foto © Sylvia Urbaniak
Bein- und Fußlähmungen
Bei Wildvögeln können aus unterschiedlichen Gründen Lähmungen in den
Füßen und Beinen (Ständerlähmungen) auftreten. Diese schweren Bewegungseinschränkungen können beispielsweise durch einen Nährstoffmangel während der Wachstumsphase auftreten. Auch Verletzungen der Beine oder der Wirbelsäule sowie Schwellungen im Bereich des Rückens, die auf die Nerven im Rückgrat drücken, können Lähmungen der Beine zur Folge haben. Darüber hinaus können Muskeln in den Beinen verletzt sein
oder Infektionen zu den Lähmungen führen. Infolge heftiger
Kollisionsunfälle mit Kopfverletzungen können ebenfalls Beinlähmungen
in Erscheinung treten. Es ist wichtig, die Ursache für Beinlähmungen genau zu klären, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann. In manchen Fällen lässt sich einer Lähmung entgegenwirken und das erkrankte Tier kommt wieder auf die Beine.
Foto oben rechts: Blaumeise mit Ständerlähmung © Sylvia Urbaniak
Je
nach Ursache für die Beinlähmung können Therapieschritte eingeleitet
werden. Liegt zum Beispiel ein Nährstoffmangel vor, hilft die
Verabreichung der bis dahin zu wenig vorhandenen Nährstoffe oft, um die
Lähmung zu lindern oder gar zum Verschwinden zu bringen. Nach Kopf- und
Rückenverletzungen können sich die Nerven häufig durch die Verabreichung
abschwellender Medikamente in Kombination mit Vitaminpräparaten
(Vitamin-B-Komplex) wieder erholen. Gegen infektionsbedingte Lähmungen
können in vielen Fällen zielgerichtete Behandlungen beispielsweise mit
Antibiotika helfen, und liegen Verletzungen der Knochen oder Muskeln vor,
lässt sich mitunter chirurgisch der Schaden lindern. Zudem kann es in
einigen Fällen ratsam sein, den betroffenen Fuß vom Tierarzt in der
anatomisch korrekten Position bandagieren zu lassen, siehe Abbildung der
jungen Amsel in diesem Abschnitt. Da die Bandagierung aber nicht in jedem
Fall angezeigt ist, muss ein erfahrener Tierarzt im Einzelfall darüber
entscheiden, ob diese Therapiemaßnahme ergriffen werden sollte oder nicht.
Foto © Sylvia Urbaniak

Junge Amsel vor und nach der Behandlung einer Beinlähmung, Fotos © Sylvia
Urbaniak
Abgeschnürte Füße
und eingewachsene Ringe
Schnürt ein Gegenstand das Bein eines Vogels ab, kann dies zu
schweren Verletzungen und zum Verlust des Körperteils
führen.
Anfangs sitzen die Schnüre meist noch locker, doch indem sich
die
Vögel zu befreien versuchen, ziehen sich die Schlingen immer
fester zu. Zunächst graben sich die Schnüre immer
tiefer ins
Fleisch und schneiden dieses auf. Geraten Bakterien in die Wunde, was
in freier Natur oft geschieht, entstehen lokale Entzündungen.
Diese sind teils eitrig und sie gehen mit starken Schwellungen sowie
Schmerzen einher. Betroffene Vögel humpeln stark. Des Weiteren
wird die Blutversorgung der Zehen durch eine solche
Abschnürung
unterbrochen, so dass sie letztendlich absterben. Tierärzte
sprechen in Zusammenhang mit abgestorbenen Partien von nekrotischem
Gewebe. Es ist daran zu erkennen, dass es dunkel verfärbt ist.
In
manchen Fällen löst ein solches Absterben einzelner
Zehen
oder eines Fußes eine Blutvergiftung aus, die
tödlich
für den betroffenen Vogel verläuft.

Einschnürung mit schwerer Entzündung und Schwellung,
Foto © Gaby
Schulemann-Maier

Einschnürung am Fuß einer Taube, Foto © Paasmühle
Manche
Vogelarten sind von diesem Problem überdurchschnittlich
häufig betroffen, weil sie aufgrund ihrer Lebensweise mit
Gegenständen in Berührung kommen, die
Abschnürungen
hervorrufen können. Sehr oft tritt das Problem bei Stadttauben
auf. Um Beine oder Zehen dieser Vögel wickeln sich
Kunststoffstreifen, Fäden oder anderweitiger vom Menschen
achtlos
auf die Straße geworfener Müll. Auch andere
während der
Nahrungssuche oft auf dem Boden umher laufende Tauben können
betroffen sein, darunter verwilderte Rasse- und Brieftauben oder
Ringeltauben. Mitunter wickeln sich auf dem Boden liegende
Fäden
so fest um die Füße der Vögel, dass in
besonders
schlimmen Fällen beide Beine fest miteinander
verschnürt
sind. Die betroffenen Vögel können nicht mehr laufen
und sind
schwer gehandicapt. Außerdem sieht man häufig
Tauben, die
durch Einschnürungen einzelne Zehen oder einen kompletten
Fuß verloren haben, siehe Abbildung rechts. Foto © Gaby
Schulemann-Maier
An
Seen und Flüssen erleiden viele Wasservögel ein
ähnliches Schicksal, denn im Wasser schwimmt oft nicht nur
Müll, sondern auch Angelschnüre sind dort zu finden.
Wickeln
sich diese um die Beine oder Füße der
Vögel, kommt es
ebenso zu Abschnürungen. Die beiden Fotos unter diesen Zeilen
zeigen eine Kanadagans, um deren Beine sich eine Angelschnur gewickelt
hatte. Foto oben rechts: Entzündete Abschnürung am
Bein einer
Nilgans, © Sylvia Urbaniak; Foto unten: Kanadagans mit
Einschnürungen durch Angelschnur, © Sylvia Urbaniak
Problematisch ist bei den Einschnürungen, dass
sie teils
tiefe Wunden verursachen und deshalb ein längerfristiges
Eingreifen vonnöten ist, um dem betroffenen Vogel wirklich zu
helfen. Es reicht in aller Regel nicht, das einschnürende
Material
einfach nur zu entfernen und den Vogel dann seinem Schicksal zu
überlassen. Die Wunden müssen unbedingt von einer
fachkundigen Person gepflegt werden, ein auf die Behandlung von
Vögeln spezialisierter Tierarzt sollte zu Rate gezogen werden.
Nach dem Entfernen der Schnüre und dem Reinigen der Wunden
können sich Blutkrusten bilden, die sehr hart werden. Sie
haben
die negative Eigenschaft, in vielen Fällen ihrerseits die
Blutzufuhr in die darunter liegenden Körperteile
einzuschränken. Aus dem Grund ist es wichtig, dass ein
erfahrener
Pfleger die Zeit der Genesung des Vogels überwacht und auf
Alarmsignale achtet. Das Foto unter diesen Zeilen zeigt dieselbe
Kanadagans wie die Abbildung oben. Zu sehen ist, dass die
Einschnürung zu einer schweren Entzündung
geführt hat,
insbesondere am linken Bein der Gans (rechts im Bild). Foto ©
Sylvia Urbaniak
Neben
Altvögeln können auch Jungtiere von dem Problem
betroffen
sein. Viele Vogelarten nutzen nicht nur natürliche Materialien
zum
Nestbau, sondern vermehrt auch Unrat, der in der Natur liegt. So werden
zum Beispiel Fetzen von Plastiktüten oder Wollreste in die
Nester
eingebaut, was für die Jungvögel gravierende Folgen
haben
kann. Denn in manchen Fällen wickelt sich faseriges
Nistmaterial
um die Beine und Füße junger Wildvögel.
Dadurch, dass
sie sich im Nest bewegen und durch Strampeln die störenden
Fetzen
an ihren Beinen loswerden wollen, ziehen sich die Schlingen immer
fester zu. Das Wachstum der Nestlinge trägt ebenfalls dazu
bei,
dass die Einschnürungen zusehends enger werden. Die Folge sind
schwere Verletzungen, die in einigen besonders tragischen
Fällen
sogar zum Abtrennen der Beine führen können. Foto in
diesem
Absatz © Kathrin Springer
Unter diesen Zeilen sind einige Fotos zu sehen, die
Abschnürungen an den Füßen von
Waldkauznestlingen
zeigen. Die Abschnürung war so gravierend, dass ein Zeh
teilweise
abgestorben ist. Alle drei Fotos © Sylvia Urbaniak

Fäden und Nistmaterial haben das Bein eines jungen Waldkauzes
abgeschnürt.

Durch eine Abschnürung ist am Fuß eines jungen
Waldkauzes eine riesige
Schwellung entstanden, ein Zeh ist teilweise abgestorben und die Kralle
steht schief.

Nach dem Entfernen der Fäden ist das Bein des jungen
Waldkauzes ein
wenig abgeschwollen, die Einschnürungen sind aber noch immer
deutlich zu erkennen.
Das Foto unter diesen Zeilen zeigt das verletzte Bein
einer
jungen Rabenkrähe. Sie gelangte als Nestling in die Obhut
österreichischer Tierschützer. Um das Bein des jungen
Vogels
hatte sich ein Faden gewickelt, der zu einer schweren
Abschnürung
geführt hat, durch die der Fuß angeschwollen war.
Auch war
die Haut am Bein an mehreren Stellen verletzt und blutig. Das
Schrecklichste an diesem Fall jedoch war, dass an dem Faden zwei
abgetrennte Krähenbeine - wohl von Geschwistern des
unglückseligen Jungvogels - hingen. Foto unten © Verein für kleine Wildtiere in
grosser Not

Ein weiteres Risiko stellen
eingewachsene
Fußringe dar. Hiervon sind meist verwilderte Brieftauben
betroffen, denn sie sind häufig beringt. Verletzen sich die
Vögel am beringten Bein, kann dieses anschwellen und der Ring
führt zu einer Abschnürung oder er wird vom
Narbengewebe
eingeschlossen. Eingewachsene Ringe müssen von einem
erfahrenen
Tierarzt operativ entfernt werden. Die betroffenen Vögel
brauchen
nach der Operation einige Tage intensive Pflege, damit sie nicht an
einer Infektion erkranken.
Gelenkentzündungen
Die
meisten Gelenkentzündungen entstehen durch Krankheitserreger,
die
über Verletzungen in die Blutbahn des Vogels gelangen. Es
können verschiedene Erreger zu den Beschwerden
führen,
deshalb sollte durch einen Tierarzt abgeklärt werden, welche
Keime
im Einzelfall zu einer Entzündung der Gelenke führen.
Ein
Beispiel für bei Vögeln zu
Gelenkentzündungen
führende Erreger sind Salmonellen,
sie können die Gelenke sehr schwer angreifen.
Betroffene Tiere schonen die Gliedmaßen, indem sie entweder
nicht
mehr fliegen, wenn Gelenke an den Flügeln entzündet
sind,
oder indem sie nicht mehr laufen und klettern, wenn Beingelenke
geschädigt sind. Krankheitserreger können
über kleinste
Verletzungen in den Körper gelangen, diese Wunden
müssen sich
nicht in der Nähe der später entzündeten
Gelenke
befinden!
Zu erkennen sind entzündete Gelenke meist
daran, dass sie
verdickt, gerötet und warm sind. Bakterielle
Gelenkentzündungen werden häufig mit Antibiotika
behandelt.
Liegt eine Infektion mit Salmonellen vor, ist dies unbedingt
erforderlich. In vielen Fällen müssen die Medikamente
per
Spritze vom Tierarzt verabreicht werden. Zusätzlich zu den
Antibiotika hat sich die Gabe von den homöopathischen
Präparaten Arnica D6 und Salmonella bewährt.
Zusätzlich
können Traumeel-Tropfen ins Trinkwasser gegeben werden und die
Gliedmaßen mit Traumeel-Salbe eingerieben werden. In einigen
Fällen werden Wildvögel, die an
Gelenkentzündungen
leiden, erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung
aufgegriffen. Sind die Knochen und Knorpel zu stark
geschädigt,
ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich und ein Leben
in
Freiheit ein schnelles Todesurteil. Das Foto oben rechts zeigt
die
stark geschwollenen Gelenke eines Graureihers, der vermutlich an einer
Infektion mit Salmonellen litt. Das Tier wurde eingeschläfert,
weil der Gelenkverfall zu weit fortgeschritten war. Foto ©
Sylvia
Urbaniak
Rachitis (Knochenweiche)
Diese
Erkrankung wird in der Wachstumsphase durch einen Mangel an
Kalzium und anderen Mineralstoffen und/oder durch eine Unterversorgung
mit den Vitaminen D3 und B verursacht. Finden Altvögel in der
Natur - aus welchen Gründen auch immer - nicht die richtige
Nahrung in den nötigen Mengen, kann es bei ihrem Nachwuchs zu
Problemen mit der Nährstoffversorgung und damit zu
rachitischen
Veränderungen der Knochen kommen. In menschlicher Obhut
großgezogene Vögel erleiden dieses gesundheitliche
Problem
oft dann, wenn sie falsch ernährt werden, also wenn
beispielsweise
Jungvögel ausschließlich mit Körnern
versorgt werden,
obwohl tierische Kost nötig wäre. Foto rechts: Amsel
mit
Rachitis © Sylvia Schneider
Auch
falsche Unterlagen, die zu hart oder zu glatt sind, sowie eine zu
frühe starke Belastung der Beine können zu einer
Rachitis
führen. Typische Symptome einer Rachitis sind geschwollene
Beingelenke sowie verdrehte Füße, die
häufig nach innen
weisen und mit denen die betroffenen Vögel Zweige und
Sitzstangen
nicht richtig umgreifen können. Der Schnabel und die Krallen
werden in der Folge ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, sie werden
weich und rissig. Im fortgeschrittenen Stadium verändert sich
das
gesamte Knochensystem und sogar die Wirbelsäule kann von der
Rachitis betroffen sein. Bitte lesen Sie sich hierzu unseren Text
über Krankheiten durch, die aufgrund von Mangelernährung
entstehen. Foto: Junge Elster, bei der von Kalziummangel ausgegangen
wird, © Sylvia Urbaniak
Das Foto unten zeigt einen Turmfalkennestling, bei dem
von einer einer
fortgeschrittenen Rachitis an den Beinen und am Unterschnabel ausgegangen wird. Diese ist unter anderem
daran zu erkennen,
dass der rechte Fuß des Vogels nach innen
weist. Foto © Sylvia
Urbaniak
Achtung,
Verwechslungsgefahr!
Nicht immer leidet ein Vogel mit verdrehten Beinen an einer Rachitis.
Es gibt einige Fälle, in denen ein betroffenes Tier eine
sogenannte Grünholzfraktur, auch Grünspanfraktur
genannt,
erlitten hat. Hierbei handelt es sich um einen unvollständigen
Bruch, wie er bei jungem, grünem Holz zu beobachten ist.
Obwohl
die umliegende Knochenhaut erhalten und intakt ist, so ist bei einem
Grünholzbruch das innere des Knochens beschädigt.
Beim
Menschen treten diese Knochenbrüche bei Kindern und
Jugendlichen
auf, die sich noch im Wachstum befinden und deren Knochen noch nicht
vollständig ausgehärtet sind. Bei Vögeln ist
es
ähnlich, von Grünholzfrakturen sind in aller Regel
Jungtiere
betroffen. Häufig werden solche Frakturen bei Vögeln
jedoch
nicht diagnostiziert, weil die Knochen beim Abtasten unverletzt
erscheinen. Liegt eine solche Verletzung eines Knochens vor, kann der
erkrankte Vogel das betroffene Bein nicht richtig belasten und es
gerät in eine Fehlstellung, die derjenigen bei einer Rachitis
ähnlich sieht. Es
ist deshalb wichtig, ein Röntgenbild anzufertigen, um bei
Vogel
mit Verdacht auf Rachitis eine Grünholzfraktur
auszuschließen.
Hüftluxation (ausgekugelte
Hüfte)
Infolge
von Unfällen oder durch die Ausübung starken Drucks
auf das Gelenk während der Wachstumsphase kann es bei
Vögeln
zu einer sogenannten Hüftluxation kommen. Hierbei kugelt das
Gelenk aus, weshalb das betroffene Bein mehr oder minder stark seitlich
absteht, siehe Foto rechts, © Markus und Tamara. Ausgekugelte
(luxierte) Hüftgelenke können bei Altvögeln
meist nicht
wieder gerichtet werden, die Tiere bleiben zeitlebens gehandicapt. Bei
Jungtieren besteht eine Chance auf eine Verringerung der Fehlstellung
und eine damit verbundene Wiederherstellung der Funktion des
betroffenen Beines. Je jünger das Tier ist und je
kürzer der
Zeitpunkt des Auskugelns der Hüfte zurückliegt, desto
größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine
Therapie
erfolgreich verläuft. Der Grund dafür ist, dass die
Knochen
bei Küken noch deutlich weicher und somit flexibler sind als
bei
älteren Vögeln. Umgekehrt heißt das: Je
härter der
Knochen, desto schwieriger ist es, eine annähernd normale
Gelenkposition wiederherzustellen. Deshalb ist es wichtig, bei einer
Hüftluxation so schnell wie möglich zu handeln!
Um ein luxiertes Hüftgelenk wieder zu richten
und dazu zu bringen, dauerhaft in einer anatomisch korrekten oder
zumindest annähernd normalen Position zu verbleiben, muss ein
Tierarzt das Gelenk durch Abtasten untersuchen. Dann muss er das Bein
in die Normalposition bringen und es mit Hilfe von Bandagen und
Schlingen so fixieren, dass das Hüftgelenk in der
Normalstellung gehalten wird. Diese Fixierung muss das Jungtier einige
Tage oder gar Wochen tragen, sie darf nicht entfernt werden.
Nicht jeder Tierarzt ist ein Spezialist in Sachen
Vogelanatomie, und beim geringsten Fehler in der Positionierung des
Hüftgelenks wird die Behinderung für den Vogel durch
den Therapieversuch noch schlimmer, als sie es ohne eine Behandlung
wäre. Selbstversuche medizinischer Laien verbieten sich
deshalb von selbst. Um einem betroffenen Vogel wirklich helfen zu
können, ist es dringend erforderlich, einen solch heiklen
gefiederten Patienten einem auf die Behandlung von Vögeln
spezialisierten Tierarzt vorzustellen.
Amputationen
Manche
Verletzungen der Beine und Füße sind so gravierend,
dass eine Heilung unmöglich ist. Dies ist häufig dann
der
Fall, wenn offene Knochenbrüche oder extrem schwere
Einschnürungen vorliegen, die Sehen durchtrennt haben. Rechts
ist
ein solcher hoffnungsloser Fall am Bein einer Stockente zu sehen. Liegt
eine so schwere Blessur vor, bleibt oft nur die Amputation als letzter
Ausweg. Allerdings ist hierbei genau zu prüfen, ob der
betroffene
Vogel mit dem Verlust eines Beines zurechtkommen wird. Viele Vogelarten
können dies kompensieren, darunter beispielsweise Stadttauben.
Wildtauben wie Ringeltauben hingegen können einbeinig in
Freiheit
kaum überleben. Kleinere Singvögel kommen mit dem
Verlust
eines Beines in freier Natur oft ebenfalls nicht zurecht und werden
durch eine Amputation zu Dauerpfleglingen in Menschenobhut. Ebenfalls
problematisch gestaltet sich die Amputation bei
größeren
Wasservögeln, sie können mit nur einem Bein nicht
richtig
schwimmen. Stockenten wie das in diesem Abschnitt gezeigte Tier
verkraften die Amputation eines Beines normalerweise gut und
können anschließend trotzdem gut schwimmen. Beide
Fotos
© Sylvia Urbaniak
Pododermatitis
(Fußsohlengeschwüre)
Unter den Füßen von Vögeln können
sich
Geschwüre bilden, diese Erkrankung wird in der Fachsprache als
Pododermatitis bezeichnet. Stehen die Vögel ständig
auf einem
falschen Untergrund, kann es zu punktueller Belastung der Haut und zu
Verletzungen führen. In diese Wunden dringen Krankheitserreger
ein
und es bilden sich Entzündungen. Diese sind für die
betroffenen Vögel ausgesprochen schmerzhaft. Sind sie sehr
weit
fortgeschritten und ist der Knochen bereits angegriffen, ist eine
Heilung kaum mehr möglich. Deshalb ist es für die
Vögel
von Vorteil, wenn ihnen in einem möglichst frühen
Stadium
geholfen wird. Meist muss ein Tierarzt die Geschwüre
chirurgisch
reinigen, anschließend erfolgen eine antibiotische Behandlung
sowie eine regelmäßige Wundreinigung. Das Foto unten
zeigt
die schwer entzündeten Fußunterseiten einer
Lachmöwe,
© Sylvia Urbaniak
Unterbringung von
Vögeln mit Beinerkrankungen
Weil sich Vögel,
deren Füße oder Beine verletzt sind,
meist nicht gut aufrecht halten können, nehmen sie weiche
Unterlagen gern an. Breite Sitzäste, auf denen sie sich
abstützen können, werden von manchen Pfleglingen gern
angenommen, aber auch zerknäulte Handtücher, in die
sie sich
kuscheln können. Diese Art der Unterbringung ist vor allem
für kleinere Singvögel sinnvoll,
größere
Vögel wie Rabenvögel oder Wasservögel
brauchen
entsprechend größere gepolsterte Sitzbereiche.
Informationen
zur Unterbringung eines Vogels mit ausgekugelter Hüfte
(Liegeplattformen, etc.) finden Sie auf dieser Webseite über
Ziervögel. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt eine
Singdrossel mit einem gebrochenen Femurknochen (Oberschenkel), die auf
einem zusammengedrückten Handtuch sitzend genügend
Halt findet. Foto © Anke Dornbach
Krankengymnastik als Trainingsmaßnahme
zum Aufbau der Muskulatur
Leidet
ein Vogel an Beinverletzungen (Knochenbrüche, Verstauchungen,
Verrenkungen, Lähmungen, Verkrampfungen oder allgemeiner
Schwäche in den Beinen), kann man versuchen, das Tier in einer
Hängekonstruktion, wie sie auf dem Foto rechts zu sehen ist,
langsam wieder an das Greifen zu gewöhnen. Bei diesem Training
ist jedoch große Vorsicht geboten! Nicht jeder Vogel
hält den Stress aus, der beim Anbringen der Konstruktion
gegeben ist!
Hängt der Vogel anatomisch richtig (die Kloake
muss auf jeden Fall frei bleiben und die Konstruktion darf nirgendwo
einschnüren oder einschneiden), kann man mehrmals
täglich gezielte Greifübungen durchführen,
indem man ein Ästchen unter die Füße
hält, so dass der Vogel greift. Normalerweise sollte ein
Greifreflex einsetzen, wenn man den Ast vorsichtig gegen die Unterseite
des Fußes drückt. An der mittleren Stelle des
Fußes befindet sich ein entsprechender Reflexpunkt. Bleibt
bei dem Training jede Art von Greifreflex aus, sollte unbedingt ein
Tierarzt zu Rate gezogen werden, da in einem solchen Fall ein
neurologisches, also die Nervenbahnen betreffendes Problem vorliegen
könnte. Foto rechts © Annika und Harry
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