|
Home
> Vogelfreundlicher Garten
> Vogelfreundliche Terrassen
Vogelfreundliche Terrassen
Wer in einer Großstadt wohnt und keinen Garten, sondern nur eine Terrasse zur eigenen
Nutzung zur Verfügung hat, kann auch dort eine kleine Oase für die Vogelwelt einrichten.
Selbst auf kleinstem Raum lassen sich durch geschickte Aufteilung und Pflanzenwahl kleine
Biotope und Rückzugsgebiete schaffen, die zum Beispiel in der Stadt lebende Vögel
wie
Amseln
oder
Meisen meist gern
annehmen. Foto ©
Dagmar Offermann
Solche grüne Oasen sind überdies für uns Menschen ein Ort zum Entspannen und
ein schöner Blickfang. Mit ein wenig Glück gelingt es sogar oft, viele verschiedene
gefiederte Besucher auf die vogelfreundliche Terrasse zu locken, wobei man jedoch nicht allzu
ausgefallene Arten erwarten sollte. Insbesondere in Städten kommen nur einige wenige
Vogelarten vor, folglich wird man wohl kaum Bewohner offener Landschaften wie zum Beispiel
die
Feldlerche
als Terrassengast begrüßen können.
Welche Vogelarten besuchen Terrassen?
Relativ wahrscheinliche Gäste einer vogelfreundlichen Terrasse
sind:
Einige der genannten Vogelarten sind so sehr an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt, dass
sie regelrecht unerschrocken sind und sich sogar dann auf die Terrasse wagen, wenn man
sich selbst dort beispielsweise mit einem Buch gemütlich niedergelassen hat. Für die
Vögel ist das eine spannende Situation, denn es könnte ja schließlich ein
Krümel herab gefallen sein, nach dem es sich zu suchen lohnt. Oder aber die Vögel sind
gar so sehr an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt, dass sie sich in seiner Nähe
zu einem ausgiebigen Sonnenbad niederlassen, wie etwa die Amsel in der nebenstehenden Abbildung.
Foto ©
Dagmar Offermann
In erster Linie sollten Wildvögel auf einer vogelfreundlichen Terrasse allerdings
artgerechte, naturnahe Nahrung und Lebensbedingungen vorfinden, sodass das Ausstreuen von
Futter
im Winter zeitweilig sinnvoll sein mag, während des restlichen Jahres aber nicht die
Regel sein sollte. Besser ist es, sich bei der Begrünung der Terrasse für Pflanzen zu
entscheiden, die den gefiederten Gästen natürliche Nahrung und Versteckmöglichkeiten
bieten. Foto ©
Dagmar Offermann
Vogelfreundliche Pflanzen für Terrassen
Meist grenzen Terrassen an Nachbargrundstücke, und in den Städten wünschen sich
viele Menschen Ruhe und Anonymität. Deshalb finden sich zwischen zwei aneinander
grenzenden Terrassen meist mannshohe, blickdichte Holzzäune. Diese mögen zwar
vor allzu neugierigen Blicken der Nachbarn schützen, der Vogelwelt bringen sie jedoch
keinen Vorteil. Besser ist es, hohe Heckenpflanzen vor einen solchen Holzzaun zu pflanzen
oder den Zaun mit einem dichten Rankenbewuchs zuwuchern zu lassen. Derlei Rank- und
Heckenpflanzen bieten kleinen Singvögeln nicht nur Versteckmöglichkeiten und
Nistgelegenheiten, sondern auch Nahrung, wenn man sich für die richtigen Pflanzenarten
entscheidet. Foto ©
Dagmar Offermann
Als Gebüsch am Rande einer Terrasse eignen sich beispielsweise Heckenrose, Liguster,
Vogelbeere oder Hainbuche sehr gut. Eine umfangreiche Übersicht von Hecken- und
Gebüschpflanzen finden Sie im
Kapitel
über Hecken, Sträucher und Gebüsche. In einheimischen Gestrüppen
finden nicht nur Vögel einen artgerechten Aufenthaltsort vor, sondern auch Insekten,
die ihrerseits wiederum als Nahrung für die Vögel dienen. Haben Sie sich für
eine Dornenranke wie etwa die Brombeere entschieden, ist es gut möglich, dass sich darin
Heckenbraunellen
oder
Mönchsgrasmücken
häuslich niederlassen, um ihre Jungen großzuziehen. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Da eine Terrasse im Idealfall nicht nur an ihren Rändern grün und bunt blühend
sein soll, empfiehlt es sich, große Töpfe oder kleine Beete auf ihr zu platzieren und
mit einheimischen Grün- und Blühpflanzen zu bestellen. Besonders schön und
imposant sind beispielsweise Sonnenblumen, die nach der Blüte vielen Vögeln als
Nahrungsquelle dienen. Aber auch leuchtend bunt blühende Disteln sind echte
Schönheiten, die zuerst Schmetterlinge und später vor allem
Stieglitze
anziehen, da sich diese Vögel unter anderem von den Samen der Pflanzen ernähren.
Nischen und Reisigstapel
Zwischen großen Pflanzen oder gegebenenfalls aufgestellten Zierobjekten finden sich
zuweilen Nischen, die
Hausrotschwänze
geradezu magisch anziehen. Darin können die hübschen Vögel ihren Nachwuchs vor
den Blicken hungriger Räuber geschützt großziehen. Richten Sie also Ihre Terrasse
ruhig so ein, dass sich stellenweise Nischen und kleine, vor Blicken geschützte Ecken
ergeben - die Vögel werden es Ihnen danken. Wer über eine geräumige Terrasse verfügt, kann dem
Zaunkönig,
siehe Foto rechts, eine Heimstatt zaubern, indem er in einer ruhigen Ecke einen
Reisigstapel oder -haufen
anlegt. Der Stapel sollte unbedingt eine gewisse Mindestgröße aufweisen, damit
die zierlichen Vögel ungestört darin brüten können. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Nisthilfen anbringen
Auch auf kleinen Terrassen lassen sich in aller Regel Nistkästen montieren. Bitte
berücksichtigen Sie beim "sozialen Wohnungsbau" nicht nur die Belange der in unseren
Städten häufig vorkommenden
Blau-
und
Kohlmeisen.
Auch andere kleine Vogelarten würden gern ein hübsches Heim beziehen, entsprechende
Nistkästen und -hilfen finden sich zum Beispiel im Online-Shop der Firma
Schwegler.
Mit wenig Aufwand lassen sich überdies Nisthilfen für Schwalben am Haus anbringen.
Wenn man diese geschickten Insektenjäger ansiedeln möchte, sollte man ihnen auf der
Terrasse eine Schale mit feuchtem Lehm aufstellen, damit sie Material für den Nestbau
finden. Mehr zum Thema Nistmöglichkeiten erfahren Sie in der
gleichnamigen Rubrik
der Wildvogelhilfe-Website.
Trink- und Badeplätze
Vögel müssen immer flugfähig sein, um in freier Natur überleben zu
können. Damit sie zum Fliegen in der Lage sind, benötigen sie ein makelloses
Gefieder, das sie täglich mit großer Sorgfalt pflegen. Für eine gründliche
Gefiederreinigung ist frisches Wasser vonnöten, das man in flachen Schalen auf der
Terrasse anbieten kann. Aus diesen Badeschälchen trinken überdies viele Vögel,
da sauberes Süßwasser in dicht besiedelten Städten für sie meist schwer
zu finden ist. Man sollte daher darauf achten, den gefiederten Terrassengästen stets
hygienisch einwandfreies Wasser anzubieten. Mindestens einmal am Tag sollte man das Wasser
wechseln und die Schalen gründlich reinigen, um einer Übertragung von Krankheiten
über das Wasser vorzubeugen. Sollte ein Vogel die Badegelegenheit als Wasserklosett
"missbraucht" haben, so ist das Wasser umgehend auszuwechseln. Foto ©
Dagmar Offermann
Terrassentüren sichern
Einerseits sind Terrassen lebensfreundliche Oasen in den grauen Betonwüsten unserer
Städte. Aber sie bergen auch eine Gefahr für Wildvögel, welche die Tiere in den
meisten Fällen nicht sehen können: Glastüren und Fensterscheiben. Immer wieder
erleiden Wildvögel schwere Unfälle, an deren Folgen viele von ihnen sterben, weil
sie eine Glastür oder ein Fenster nicht wahrgenommen haben. Sichern Sie deshalb ihre
Terrassentür sowie die umliegenden Fenster unbedingt gegen Vogelschlag ab.
Hierfür stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Einerseits hilft es, das
Glas nicht zu reinigen, da der sich bildende Schmutzfilm zu einem veränderten
Reflexionsverhalten im UV-Lichtbereich führt. Sind Glasflächen auf diese
Weise "beschichtet", können Vögel sie wahrnehmen und kollidieren in aller Regel
nicht mehr mit ihnen (mehr zu diesem Thema siehe
Spinnennetz-effekt.de).
Da aber wohl die wenigsten Zeitgenossen schmutzige Terrassentüren als besonders angenehm
empfinden, dürfte dieser Schutzmechanismus nur für ganz hart gesottene
Terrassenbesitzer in Frage kommen.
Sehr gute und erheblich weniger unansehnliche Dienste leistet glänzende Windowcolor-Farbe,
wenn man Vogelschlag verhindern möchte. Großflächig aufgetragen, signalisiert das
Glitzern den Vögeln eine Grenze, die sie nicht fliegend überwinden. Die Schicht der
aufgetragenen Fensterfarbe muss nicht sonderlich dick sein, es reicht, wenn man von außen
betrachtet ein leichtes Glitzern und Glänzen wahrnimmt.
Sollte sich dennoch einmal ein Vogel an Ihrer Terrassentür verletzen, so sollten Sie
mit den nötigen Erste-Hilfe-Schritten vertraut sein und über einen wirksamen
Blutstiller verfügen. Die häufigste Art der durch Vogelschlag hervorgerufenen
Verletzungen sind meist stark blutende Kopfwunden, die man umgehend zum Beispiel mit
Eisenchloridlösung behandeln muss, damit der verunglückte Vogel nicht verblutet.
Weitere Informationen zum Thema im Kapitel über
Kollisionsunfälle
und ihre Folgen.
Wenn sich Nachbars Katze anschleicht.
Jede noch so vogelfreundlich eingerichtete Terrasse kann ihren Zweck, ein sicheres
Rückzugsgebiet für Stadtvögel zu sein, nicht erfüllen, wenn das Areal
ständig von frei laufenden oder gar streunenden Katzen besucht wird. Sollten Sie
regelmäßig die Katze Ihres Nachbarn auf Ihrer Terrasse vorfinden,
so ist es sinnvoll, den Besitzer des Tieres darauf anzusprechen und ihn über die Risiken
für die Vogelwelt aufzuklären, die von der frei laufenden Katze ausgehen.
Detaillierte Informationen zu diesem schwierigen Thema finden Sie im
Kapitel
über Hauskatzen.
Collage der gefiederten Terrassengäste ©
Gaby Schulemann-Maier
>>> Nächstes Kapitel
|