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Hauskatzen im Garten
Einmal schnuppern, und schon hat die Katze die Kinderstube der Amseln ausgemacht. Selbst wenn die Jungvögel sie nun sehen könnten, eine Flucht wäre für die nicht befiederten Küken unmöglich, und verteidigen könnten sie sich ebenfalls nicht. Innerhalb weniger Sekunden sind alle vier Amselküken nicht mehr am Leben, noch bevor sie mit eigenen Augen das Licht der Welt erblicken konnten. Die Katze hat zwei von ihnen nur tot gebissen, die anderen beiden hat sie gefressen. Wirklich hungrig war sie nicht, weil sie von ihrem Besitzer am Morgen bereits gefüttert worden war. Während die beiden Altvögel aufgeregt rufend um ihre toten Küken flattern, durchstreift die Katze längst schon den Nachbargarten - auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, mit der sie ihrem Jagdtrieb nachgeben kann. So oder sehr ähnlich spielt es sich Jahr für Jahr in zahllosen deutschen Gärten oder anderenorts in der heimischen Natur ab. Die schleichenden Jäger sind natürlich nicht immer nur Katzen, denn auch andere Säugetiere machen Jagd auf Vögel. Aber die Katzen gehören ohne Zweifel zu den Tieren, die nicht nur Jungvögeln gefährlich werden. Vor allem die Jungtiere von Vögeln, die in Hecken oder auf dem Boden brüten, werden von Katzen und anderen Fressfeinden erbeutet. Aber auch viele Jungtiere in Bäumen brütender Vogelarten erreichen das Erwachsenenalter nicht, weil ihr Nest beispielsweise von einer Hauskatze kletternd erreicht werden konnte. Oder sie sitzen während der Ästlingszeit auf dem Boden, warten auf die nächste Fütterung durch ihre Eltern und geraten ins Visier einer Katze auf Freigang. Katzenhalter und -freunde mögen nun genervt aufstöhnen und sagen, dass ein Großteil der Jung- und Altvögel von anderen Jägern erbeutet wird, was schließlich allgemein bekannt ist. Dem ist jedoch bedauerlicherweise nicht so. Ein großer Teil der Verluste in der heimischen Vogelwelt dürfte auf das Konto streunender, freilaufender sowie verwilderter Hauskatzen gehen, da sie zahlenmäßig die stärkste Gruppe innerhalb der Gemeinschaft der Jäger darstellen. Warum ist das so? Und warum wollen die meisten Katzenhalter davon nichts wissen? Ganz einfach: Weil ein Großteil der Besitzer einer Hauskatze nicht einmal ahnt, was der vermeintlich sanfte Stubentiger draußen in freier Natur alles anstellt. Erst seit wenigen Jahren wird von der Wissenschaft erforscht, welche Verhaltensweisen Hauskatzen zum Beispiel nachts während eines Freigangs zeigen. Bedauerlicherweise haben sich die Ergebnisse dieser Studien noch nicht ausreichend unter Katzenhaltern herumgesprochen, um alarmierend zu wirken. Für die meisten Katzenhalter ist es vollkommen logisch, dass ihr Tier Auslauf in der Natur benötigt, schließlich gehört dies unbestritten zu einer optimalen und artgerechten Haltung. Trotzdem sollte sich jeder Katzenhalter stets darüber im Klaren sein, dass er für das Tun seiner Katze sogar dann die volle Verantwortung trägt, wenn diese auf Freigang ist. Katzen beeinflussen durch ihr Jagdverhalten das ökologische Gleichgewicht der heimischen Natur. Die Katzen dafür zur Verantwortung zu ziehen, wäre unsinnig, denn es sind die Halter, die hierfür verantwortlich sind, denn sie haben sich ihre Tiere ins Haus geholt und gewähren ihnen Freigang. Während ihrer Streifzüge erfüllen Katzen die ihnen von der Evolution zugedachte Rolle der Jäger - allerdings in einem extrem ungesunden, aus dem Gleichgewicht geratenen Ökosystem, siehe weiter unten. Echte Tierliebe seitens der Katzenhalter sollte sich im Idealfall nicht nur auf den eigenen Stubentiger beschränken, sondern darüber hinaus die heimische Vogelwelt mit einbeziehen. Zwar steht diese einem Tierhalter in aller Regel bei weitem nicht so nah wie die eigene Katze. Dennoch ist es durchaus egoistisch, die Bedürfnisse des geliebten Haustiers über das Leben von Wildvögeln zu stellen. Der Nutzen für eine einzelne Katze steht in keinem Verhältnis zum Schaden an der Vogelwelt, wenn man das Problem ganz nüchtern betrachtet und Leben gegen Leben aufwiegt.
Wie Wildkatzen zum Haustier wurden
Erstmals wurden Katzen um 2.000 vor Christus in Ägypten domestiziert, sprich an die Haltung im Hause gewöhnt. Sehr wahrscheinlich verbreiteten sich die ersten an den Menschen gewöhnten Katzen schnell in anderen Teilen der Welt, weil die Ägypter deren wilde Verwandte als Götter verehrten und ihre Haustiere daher exportierten. Seit 500 vor Christus trugen ferner die Griechen dazu bei, die Popularität der Hauskatzen in ihrem politischen Einflussgebiet zu steigern. Gegen 300 nach Christus führten die Römer die ersten Hauskatzen auf den britischen Inseln ein. Später waren es unter anderem britische Kolonisten, die Hauskatzen in alle Welt brachten und dadurch zum Beispiel in Neuseeland ungewollt ein Massensterben in der einheimischen Vogelwelt auslösten.
Rechtlicher Status einer Hauskatze
Rechtlich betrachtet muss ein Katzenhalter stets gewährleisten, dass kein einziges Individuum einer geschützten Art durch sein "Eigentum" zu Schaden kommt beziehungsweise getötet wird -, und sämtliche Wildvögel stehen bekanntermaßen unter Schutz (siehe Kapitel über die Gesetze rund um Wildvögel). Streng genommen macht sich ein Katzenbesitzer somit rein theoretisch strafbar, sobald sein Haustier in der Natur einen Wildvogel verletzt oder tötet. In der Praxis achtet allerdings niemand darauf, ob eine Katze einen Wildvogel tötet, sodass es zu keiner strafrechtlichen Verfolgung des Halters kommt. Der durch Hauskatzen verursachte Schaden an den heimischen Vogelbeständen wird vom Gesetzgeber ebenso geduldet wie von den Katzenhaltern selbst, die oft nicht einmal ahnen, dass ihre Katzen der Vogelwelt Schaden zufügen.
Der Einfluss der Katzen auf die Vogelwelt
In den USA hingegen wurde über 50 Jahre lang das Jagdverhalten von Hauskatzen in freier Natur beobachtet. Es zeigte sich, dass sie zu etwa 70 Prozent kleine Säugetiere wie Mäuse töten. Singvögel machen einen Anteil von 20 Prozent am Beutespektrum aus; die restlichen zehn Prozent setzen sich aus weiteren Kleintierarten zusammen. Außerdem zeigte diese Studie, dass einige besonders geschickt jagende Hauskatzen über 1.000 Tiere pro Jahr in der Natur erbeuteten - eine schier unvorstellbar große Zahl. Katzen, die in Städten leben, bringen es immerhin auf durchschnittlich 14 getötete Wildtiere innerhalb eines Jahres; in ländlichen Gegenden kann sich die Zahl der Beutetiere leicht auf einige hundert belaufen. Da sich das Verhalten deutscher Hauskatzen nicht von dem ihrer amerikanischen Artgenossen unterscheiden dürfte, lassen sich die Zahlen auf die hiesigen Begebenheiten übertragen. Viele Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, sodass in unserer Natur entsprechend viele Jäger unterwegs sind, die neben Mäusen und anderen Tieren folglich auch Vögel erbeuten. Überträgt man die Daten der amerikanischen Studie auf Deutschland, ergeben sich daraus pro Jahr etliche Millionen erbeutete Vögel. Angesichts der starken Bestandsrückgänge vieler Singvogelarten ist diese Zahl erschreckend hoch. In unseren Breiten hat es schon immer Katzen in der Natur gegeben, nämlich Wildkatzen. Sie haben seit jeher Vögel und andere Tiere erbeutet, sodass sich in dem gesunden Ökosystem ein natürliches Gleichgewicht eingestellt hat und die Vögel genügend Nachwuchs produziert haben, um die Verluste auszugleichen. Allerdings hat sich die Situation mit der steigenden Popularität der Katzenhaltung geändert. Problematisch ist heute insbesondere die Zahl der in freier Natur jagenden Katzen. Inzwischen gehen zu viele Katzen auf die Jagd, sodass das empfindliche Gleichgewicht gestört ist - zu Ungunsten der Beutetiere, die obendrein unter weiteren Problemen wie Habitatverlust durch Bebauung und Ähnliches leiden.
Der Einfluss der Katzen auf die heimischen Beutegreifer
Ein ebenso entscheidender Aspekt ist die Reviergröße der heimischen Beutegreifer. Zahlreiche Greifvogelarten sind pro Kopf auf ein großes Jagdgebiet angewiesen. Sie sind auf bestimmte Beutetiere spezialisiert, die vom Ökosystem nur in begrenzter Menge hervorgebracht werden. Katzen hingegen verfügen nicht über eigene Reviere, weshalb je nach Region eine unterschiedlich große Anzahl von Katzen die Reviere der Greifvögel durchstreifen. Folglich müssten rein logisch betrachtet die Greifvögel in Ballungsräumen, in denen mehr Katzen als in ländlichen Regionen vorkommen, eine schlechtere Beutesituation vorfinden. Allerdings lässt sich auch dies in Ermangelung von Studienergebnissen derzeit nur vermuten und nicht belegen.
Schutzmaßnahmen für Vögel
Kranke oder junge, noch nicht flügge Vögel hingegen können meist nicht schnell genug oder gar nicht fliehen - sie sind extrem leichte Beute für Katzen, egal ob mit oder ohne Glöckchen. So geschieht es regelmäßig, dass Hauskatzen mit Glöckchen Vogelnester in der näheren Umgebung der Wohnung ihres Besitzers plündern. Übrigens sind diese Glöckchen für die Katzen eine Tortur, da ihr Gehör extrem gut ausgebildet ist. Die ständige Geräuschkulisse treibt Katzen schier in den Wahnsinn, weshalb sie von vielen Tierschützern vollkommen zu Recht als tierschutzwidriges Zubehör bezeichnet werden. Wer brütende Vögel in seinem Garten beherbergt, kann wildernde Katzen selbst verjagen - aber bitte möglichst sanft, ohne den Katzen zu schaden. Das Verjagen ist aber nur dann erfolgreich, wenn man ständig anwesend sein kann. Oft erwischen Katzen die arglosen Jungvögel in den Nestern nachts, wenn der menschliche Beschützer schläft. Als sehr effizient zum Schutz für die Vögel würde es sich erweisen, wenn Hauskatzen nicht mehr im bislang üblichen Maße in die freie Natur gelassen würden. Für den Großteil der Katzenhalter ist dies jedoch vollkommen undenkbar, da es nicht dem Wesen einer Katze entspricht, ständig sich in einer Wohnung aufzuhalten, was zweifelsohne richtig ist. Allerdings scheiden sich sogar unter Katzenhaltern die Geister, einige von ihnen sind der Ansicht, dass man Katzen sehr wohl artgerecht ausschließlich in der Wohnung halten kann. Jene Freigangsgegner sind der Ansicht, dass es sinnvoll wäre, junge Katzen gar nicht erst zu Ausflügen in die Natur zu erziehen, weil dadurch keine Bedürfnisse nach großen Aktionsradien geweckt würden.
Wie man aus einer Katze eine Hauskatze machen kann
In Deutschland haben die Singvögel bislang keine ähnlich starke Lobby, die sich ausschließlich für den Schutz der Tiere vor Katzen einsetzt. Es liegt daher in der Verantwortung eines jeden Katzenhalters, von sich aus etwas gegen die fortschreitende Dezimierung unserer Singvögel zu tun, indem er seine Katze nicht mehr nach draußen lässt oder in der Natur ständig gewissenhaft beaufsichtigt, und das insbesondere während der Brutsaison der Vögel. Weiteres Informationsmaterial zur oben genannter Kampagne in englischer Sprache findet sich auf der Webseite von abcbirds. Einen ebenfalls englischen Bericht über den Einfluss von Katzen auf die heimische Fauna der USA bietet die Universität von Wisconsin auf ihrer Webseite an. Auch eine deutsche Website berichtet über die Einflüsse von Katzen auf die Vogelwelt: Hauskatzen und Artenschutz.
Hauskatzen erziehen
Als Katzenhalter kennt man sein Tier und müsste einschätzen können, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein entsprechendes Erziehungstraining erfolgreich sein könnte. Für die Vogelwelt wäre eine solche Erziehung besonders lernfähiger Katzen von großem Nutzen. Ein wenig Mühe in den Schutz einheimischer Vögel zu investieren, sollte für einen Tierfreund an sich kein allzu großes Opfer sein. Allerdings wird sich ein Restrisiko, dass die Instinkte der Katze letztlich doch irgendwann Überhand nehmen, nicht gänzlich ausschließen lassen und damit wird man wohl leben müssen.
Schutzmaßnahmen gegen Katzen
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