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Biologischer Pflanzenschutz
In einem vogelfreundlichen Garten kann es zuweilen zu einer Invasion von Schädlingen kommen,
die man im Sinne der Pflanzengemeinschaft und der Vögel möglichst rasch vertreiben
sollte. Hierbei ist es jedoch von großer Bedeutung, auf die chemische Keule zu verzichten
- ebenfalls im Sinne der Vögel. Würde man in einem Garten großzügig mit
Gift arbeiten, so würden die toxischen Stoffe in die Nahrungskette gelangen und letztlich
den gefiederten Bewohnern schaden. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Ein allzu sorgloser Einsatz von DDT führte in den 1970er und 80er Jahren dazu, dass die
in Deutschland damals bereits selten gewordenen
Wanderfalken
verseuchtes Futter zu sich nahmen. Das Gift lagerte sich in den inneren Organen der Vögel
ab und führte bei den Weibchen dazu, dass sie erheblich zu dünnschalige Eier legten.
Manche Altvögel kamen durch Probleme bei der Eiablage ums Leben, denn wenn beispielsweise ein
Ei im Legedarm platzt, weil die Schale zu zerbrechlich ist, kann dies zu schweren inneren
Verletzungen führen. Andere Weibchen harrten wochenlang auf einem Gelege aus, das dennoch
niemals Jungtiere hervorbrachte, da durch die dünnen Schalen Bakterien in die Eier
gedrungen waren oder das Innere des Eis vertrocknet war. Unzählige Eier gingen darüber
hinaus während der Brutzeit zu Bruch, da sie aufgrund ihrer dünnen Schale dem Gewicht
des brütenden Altvogels nicht gewachsen waren. Infolge dieser Auswirkungen des
Pflanzenschutzmittels galt der Wanderfalke bald als nahezu ausgestorben. Glücklicherweise
erholt sich die angeschlagene Population langsam, was nicht zuletzt auf eine gewachsene Sorgfalt
im Umgang mit Pestiziden zurückzuführen ist.
Die Probleme der Wanderfalken mögen für einen Gartenbesitzer weit weg erscheinen,
da sie einerseits der Vergangenheit angehören und andererseits Tiere betreffen, die in den
meisten Gärten ohnehin nicht vorkommen. Aber auch heimische Singvögel können
leicht Opfer groß angelegter, nicht durchdachter Giftattacken gegen Schädlinge
werden. Jedes Jahr im April und Mai kommt es naturgemäß zu einem vermehrten Auftreten
von Raupen. In so manchem Garten scheinen diese Insekten in regelrechten Invasionstrupps
aufzutauchen. Es ist kein Zufall, dass Vögel wie die Kohl- und
Blaumeisen
zeitgleich mit dem Massenauftreten der Raupen ihre Jungen großziehen. So manches
Meisenpaar füttert seine Nestlinge nahezu ausschließlich mit Raupen - und
wirkt somit der "Plage" auf natürliche Weise entgegen. Foto in diesem Absatz © Norbert Wittekopf
Wem dieser Zusammenhang nicht klar ist, der könnte rasch ungewollt zum
Meisen-Massenmörder werden. So mancher Gartenbesitzer will der alljährlichen
Raupenplage Einhalt gebieten und vergiftet die Krabbeltiere - mit dem Resultat, dass
die Meiseneltern emsig todbringende Nahrung in den Schlund ihrer Nachkommen schieben. Nach
wenigen Stunden setzen bei den Jungtieren die ersten Vergiftungserscheinungen ein, die sich zum
Beispiel durch Erbrechen, Krämpfe und schwere Lähmungen äußern. Erst nach
maximal zwölf Stunden ist der qualvolle Todeskampf der jungen Vögel vorüber. Die
beschriebenen tödlichen Vergiftungen treten ferner oft bei
Rabenvögeln auf, sie sind demnach nicht auf die Gruppe der zierlichen Vögel wie Meisen oder
Rotkehlchen
beschränkt, die häufig in der Nähe des Menschen brüten.
Der Autorin dieses Beitrags ist ein tragischer Fall bekannt, in dem in elf Meisennestern 103
Küken binnen zwei Tagen aufgrund eines solchen - sehr wahrscheinlich unnötigen -
Insektizideinsatzes ums Leben kamen. Auch fünf Altvögel verstarben, weil sie die
vergifteten Raupen gefressen hatten. Erst als der Verursacher dieses Massensterbens mit etlichen
Vogelleichen konfrontiert wurde, war er überhaupt dazu bereit, zuzuhören - und
später mehr als bestürzt über das, was er unbeabsichtigt angerichtet hatte.
Als Naturschützer sollte man es gar nicht erst so weit kommen lassen und gegen ein
vermehrtes Aufkommen von Schädlingen im eigenen Garten mit biologischen Mitteln vorgehen.
Da in jedem gesunden Ökosystem ein Gleichgewicht zwischen Fressen und Gefressenwerden
herrscht, haben Schädlinge natürliche Feinde. Solche Nützlinge im Garten
anzusiedeln, ist demnach erheblich sinnvoller und schonender, als vorschnell zur Giftflasche
zu greifen.
Was sind Schädlinge?
Schädlinge sind Tiere, die sich von Pflanzenfasern und -teilen ernähren. Manche
Schädlinge haben sich auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert, andere verzehren mehrere,
meist verwandte Pflanzenarten. Die dritte Gruppe der Schädlinge ist wenig wählerisch,
sie vertilgt so ziemlich alles, was ihr vor die nimmersatten Mäuler gerät.
Was sind Nützlinge?
Unter dem Begriff "Nützlinge" versteht man diejenigen Tiere, die in einem Ökosystem,
das sich im Gleichgewicht befindet, die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge sind.
Nützlinge sind für den Menschen daher von großem Nutzen und sollten
möglichst gezielt in einem naturnahen Garten angesiedelt werden, um einer Invasion von
Schädlingen vorzubeugen oder entgegenzuwirken.
Prominente Nützlinge
Einer der wohl prominentesten und gleichermaßen beliebtesten Nützlinge ist der
Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata,
Insekt
des Jahres 2006 beim NABU).
Nahezu jedes Kind weiß, dass sich die hübschen
roten Käfer, die auf ihrem Rücken schwarze Punkte tragen, von Blattläusen
ernähren. Deshalb sind die Marienkäfer meist gern gesehene Gäste in deutschen
Gärten. Vor allem ihre Larven sind sehr hilfreich im Kampf gegen Blattläuse, weil sie sie in größeren Mengen vertilgen. Unter diesen Zeilen ist eine Marienkäferlarve zu sehen. Foto rechts und unten ©
Gaby Schulemann-Maier
Auch Florfliegen (Chrysoperla carnea) stehen im Dienst der Menschen, weil sie sich von Schädlingen ernähren. Den grünen Fluginsekten haftet aufgrund ihres wenig
ansprechenden Aussehens leider ein geringerer Sympathiefaktor an als den Marienkäfern.
Aber ein Nützling muss an sich doch keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, um in einem
naturnahen Garten wohnen zu dürfen, sollte man meinen. Florfliegen lassen sich abends vom Licht anziehen und gelangen dann häufig in Wohnungen. Indem man sie behutsam mit einem Glas und einen Blatt Papier einfängt, kann man sie wieder zurück in den Garten bringen.
Foto © Gaby Schulemann-Maier
Wie kann man Nützlinge ansiedeln?
Um Nützlinge im eigenen Garten heimisch zu machen, ist es erforderlich, ihnen einen
naturnahen Lebensraum zu schaffen. Wer einen vogelfreundlichen Naturgarten pflegt, hat
demnach die Basis für eine erfolgreiche Ansiedlung von Nützlingen bereits
gelegt. Am einfachsten ist es, Nützlinge zu kaufen und im Garten freizulassen.
Manche Großgärtnereien bieten gängige Nützlinge zum Verkauf an. Will man
jedoch eine ein wenig "exotischere" Art wie zum Beispiel die Schlupfwespe Aphidius
ervi erwerben, die Jagd auf Blattläuse macht, so muss man sich in aller Regel an
einen Fachhändler wenden. Ein Breites Sortiment an Nützlingen sowie Zubehör zur
Zucht jener kleinen Helferlein bietet die
re-natur GmbH
auf ihrer Website an.
Gefahrenquelle Gelbtafeln
Wer in seinem Garten Parasiten wie zum Beispiel Rhododendronzikaden, siehe Foto rechts, bekämpfen möchte, sollte mit dem Anbringen sogenannter Gelbtafeln oder Gelbsticker sowie anderer selbstklebender Hilfsmittel vorsichtig sein. Kleine Singvögel können sich an den klebrigen Tafeln verfangen und dadurch ihr Gefieder beschädigen. Der Leim lässt sich aus den Federn nur schwer wieder entfernen. Noch dazu kann es zu Verletzungen der Flügel kommen, wenn die Tiere versuchen, sich zu befreien.
Foto © Gaby Schulemann-Maier
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