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Fütterungstechnik
Junge Tauben sperren nicht wie andere Vogelarten von allein die Schnäbel
auf, so dass die Eltern Futter hinein stopfen können. Stattdessen
schieben sie ihren eigenen Schnabel tief in den Hals der Elterntiere,
welche dann das Futter hervorwürgen und so an ihre Jungen weitergeben.
Aus diesem Grunde besitzen junge Tauben sehr weiche und teilweise auch
flexible Schnäbel.
Für Sie als Zieheltern bedeutet dies einiges an Geduld, Vorsicht und
auch Übung. Der empfindliche, verletzungsgefährdete Schnabel
wird behutsam mit dem Daumennagel an der Schnabelspitze seitlich
geöffnet und mit den Fingern so weit geöffnet gehalten, dass man
die Spritze mit dem Brei hinein schieben kann. Für die Fütterung
sehr junger oder zierlicher Tauben verwendet man am besten 1-ml-Spritzen,
da diese den kleinsten Durchmesser aufweisen.
Man schiebt die Spritze nun behutsam in den geöffneten Schnabel und
führt sie oberhalb der Zunge so weit hinein, wie es auf dem Bild
rechts dargestellt ist. Vorsichtig drückt man kleine Mengen Brei
hinein und wartet, bis das Taubenbaby das Futter abgeschluckt hat, bevor die
nächste Portion folgt. Foto rechts: Fütterung einer jungen Taube,
© Anke Dornbach
Wie viel und wie oft Sie füttern, hängt jeweils vom
"Füllstand" des Kropfes ab. Tauben besitzen erheblich
größere Kröpfe als beispielsweise Singvögel und
müssen daher seltener als diese gefüttert werden. Ihr voller
Kropf liegt wie eine Kugel vor ihnen, wenn sie gerade gefüttert
worden sind. Auf dem nebenstehenden Bild erkennt man das besonders bei
der dunklen Taube recht deutlich (siehe weißer Markierungspfeil).
Der Kropf sollte niemals zu prall gefüllt sein oder sich hart
anfühlen. Vor der nächsten Fütterung sollte er deutlich
weniger Futter enthalten, aber nicht völlig leer sein. Die Taube sollte
in der Zwischenzeit mehrere feste Kothäufchen abgesetzt haben. Bei
so kleinen Tauben wie auf den Abbildungen rechts und oben sind etwa
fünf Fütterungen pro Tag ausreichend.
Sobald das Taubenjunge etwas älter ist und die ersten Federn sprießen,
wird langsam damit begonnen, zu dem Brei zusätzlich feste
Nahrungsbestandteile zu verfüttern. Hierzu werden Körner einer
Mehrkorngetreidemischung mehrere Stunden in Wasser eingeweicht und
anschließend in einem Sieb abgespült. Die Körner
müssen vollständig aufgeweicht sein, aber nicht von matschiger
Konsistenz. Man füttert nun anfangs einmal pro Tag eine Mahlzeit aus
den eingeweichten Körnern, indem man wieder den Schnabel vorsichtig
öffnet und aufhält. Mit der freien Hand nimmt man zwischen
Daumen und Zeigefinger einige Körner auf und schiebt diese in den
Schnabel. Ein auf den Schoß gelegtes Handtuch verhindert, dass
daneben fallende Körner auf dem Fußboden landen. Foto rechts
© Anke Dornbach
Von Tag zu Tag erhöht man nun langsam die Menge an eingeweichtem
Getreide. Nach etwa zehn Tagen wird nun vorrangig Getreide verfüttert
und das Täubchen erhält nur noch morgens und abends eine
Breimahlzeit. Jetzt beginnt man damit, die Taube langsam an trockene
Körner zu gewöhnen. Hierzu geht man genauso langsam vor, indem
man täglich einige trockene Getreidekörner zufüttert und
deren Anteil täglich erhöht. Die Breifütterung sollte
jedoch aufgrund der enthaltenen Nährstoffe bis zum Schluss,
das heißt bis die Taube sich selbstständig ernähren kann,
beibehalten werden. Je mehr trockene Körner verfüttert werden,
umso mehr ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Diese
erfolgt mit Hilfe einer mit Wasser gefüllten Spritze. An der
Kotkonsistenz können Sie ablesen, ob die Nahrung zu flüssig
war.
Nun kann auch anstelle der Getreidemischung das bereits erwähnte
kleinkörnige Turteltaubenfutter verfüttert werden, welches
aufgrund seiner Form und Farbe junge Tauben eher zum Selbstpicken animiert
als das Getreide. Auch kleine geschälte Erbsen können Sie nun zufüttern.
Foto rechts: Hungrige Jungtaube,
© Anke Dornbach
Ringeltauben und Türkentauben benötigen zudem nun täglich
Sträuße aus frischem Grünzeug. Nicht alle Türkentauben
nehmen dieses Angebot an, doch sollten ihnen trotzdem stets frische
grüne Triebe zur freien Verfügung stehen. Die meisten
Ringeltauben sind jedoch begeistert von grünen Pflanzenteilen. Sehr
beliebt ist zum Beispiel Futterklee. Halten Sie der Taube den Strauß
mit der Hand hin, so dass sie sich Teile davon abreißen und fressen
kann. Oder befestigen Sie den Strauß gut am Gitter. Beweglich
gereichte Pflanzenteile können von der Taube nicht gut aufgenommen
werden und werden daher meistens ignoriert.
Man kann in etwa davon ausgehen, dass junge Tauben dann mit dem selbstständigen
Fressen beginnen, wenn unter den Flügeln die Federn zu wachsen
beginnen. Es sollte von diesem Zeitpunkt an immer Futter, Wasser und Grit
und bei Wildtauben Grünzeug bereitstehen.
Wer bereits ein wenig Erfahrung mit der Aufzucht von Tauben hat und abschätzen kann, wie viel Druck der Schnabel der Tiere verträgt, der kann versuchen, die beiden Schnabelhälften seitlich so zu fassen, wie es auf dem Foto unter diesen Zeilen zu sehen ist. Bei Ringeltauben kann auf diese Weise ein Sperren ausgelöst werden, was jedoch sehr viel Vorsicht erfordert. Foto © Tanja Kahlert
Eine weitere Möglichkeit zur Fütterung von Tauben hat sich die Wildvogel-Pflegerin Anett Ebert überlegt. Sie hat in der Apotheke eine so genannte Birnspritze gekauft; diese Spritzen werden auch als Irrigatoren bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen Artikel aus der Medizin, der sich aber zur Fütterung junger Tauben zweckentfremden lässt. Um aus der Birnspritze ein Utensil zur Jungvogelfütterung zu basteln, zieht man das obere weiße Teil heraus und schneidet mit einer Schere etwa einen Zentimeter vom oberen Teil der "Birne" ab, siehe Skizze rechts. Anschließend lässt sich die Birne mit Futterbrei füllen und man kann diesen den Tauben anbieten. Anett empfiehlt eine Birnspritze mit einem Fassungsvermögen von 85 Millilitern. Je nach Hersteller kosten Birnspritzen in dieser Größe pro Stück ca. zwei bis sechs Euro. Sie lassen sich mit heißem Wasser reinigen und gegebenenfalls auch mit einem entsprechenden Desinfektionsmittel sterilisieren. Hierzu sollten Sie Ihren Apotheker befragen, er kann Ihnen sagen, welche Desinfektionsmittel für die Reinigung der Birnspritzen geeignet sind. Skizze © Anett Ebert
Haben sie sich erst einmal daran gewöhnt, wissen die Vögel, wie sie das Futter aus der Birne abschlucken können. Falls die Tiere am Kopfgefieder mit Brei verklebt sind, sollte man diesen nach der Fütterung vorsichtig mit einem feuchten Tuch entfernen. Meist finden die Tauben aber recht schnell heraus, wie sie den Brei zu sich nehmen können, ohne sich mit Futter zu beschmieren, sodass eine Gefiederreinigung anschließend nicht mehr nötig ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Vögel nicht aus dem wärmenden Nest nehmen muss, um sie zu füttern. Unten ist zu sehen, wie Anett ihre Vögel untergebracht hat. Sie sitzen auf einem Kirschkernkissen in einer Deko-Kugelhälfte aus Styropor, denn das Material hält die Tiere zusätzlich warm. Anett hat ein Video angefertigt, das die Fütterungstechnik zeigt, hier geht es zu dem Film bei Youtube. Foto rechts und unten © Anett Ebert
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