
Aufzucht von Jungvögeln
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Der Weg zur Selbstständigkeit Achtung: Dieses Kapitel bezieht sich auf so genannte Nesthocker, also Vögel, die bis zum Erreichen der Selbstständigkeit im Nest bleiben. Für die Nestflüchter unter den Vögeln gelten andere Regeln. Lesen Sie dazu bitte unser entsprechendes Kapitel.
Nach dem Verlassen des Nestes erkundet ein Jungvogel in der Natur unter Aufsicht der Alttiere seine Umgebung. Das Gebiet, das er durchstreift, wird hierbei zusehends größer. Er entwickelt und trainiert verschiedene Verhaltensweisen wie beispielsweise den Beutefang, Feinderkennung und Fluchtverhalten. Hierbei steht der Jungvogel weiterhin mit seinen Eltern in Kontakt und wird von diesen mit Nahrung versorgt. Man nennt diese Phase im Leben des jungen Tieres die Bettelflugperiode.
Später benötigen die fast selbstständigen Jungvögel eine größere Behausung. Als sehr praktisch haben sich umgebaute Kaninchenkäfige erwiesen, die man für jede Vogelart individuell einrichten kann. Man benötigt hierfür einen rechteckigen Kaninchenkäfig mit einer Kunststoffwanne. Oftmals bekommt man im Tierheim gegen eine kleine Spende einen ausrangierten Käfig.
Im linken Käfig sehen Sie im oberen Teil ein Brettchen. Dieses wird sehr gerne angenommen, besonders von Tauben. Nun müssen diese Käfige nur noch den Bedürfnissen der jeweiligen Vogelart entsprechend eingerichtet und ausgestattet werden.
Bietet man einem Jungvogel vor der Auswilderung keine Badegelegenheit an, saugt sich das Gefieder nach einem Bad in der Wildnis zwangsläufig mit Wasser voll. Der Vogel ist dann meist zu schwer, um fliegen zu können. So kann ihn sein erstes ausgiebiges Bad leicht in akute Lebensgefahr bringen, denn ein nasser, vorübergehend flugunfähiger Vogel ist eine leichte Beute für Katzen und andere Fressfeinde. Sie sollten deshalb niemals einen Vogel auswildern (auch keinen Altvogel!), der nach dem Baden nicht dazu in der Lage ist, zu fliegen, weil sein Gefieder zu stark durchnässt ist. Mit einer einfachen Testmethode können Sie herausfinden, ob das Gefieder eines Vogels ausreichend eingefettet ist. Träufeln Sie ein wenig Wasser auf das Gefieder. Perlt es vollständig ab, ohne die Federn zu durchnässen, sind die Federn in aller Regel genügend eingefettet. Werden junge Vögel von ihren Eltern aufgezogen, so wird dem Problem des nicht gefetteten Jungvogelgefieders auf natürliche Weise vorgebeugt: Wenn die Altvögel ihre Jungen hudern, also mit dem Gefieder wärmen, überträgt sich das Fett von einem Vogel auf den anderen. Außerdem sorgen Regengüsse dafür, dass das Gefieder junger Vögel in freier Natur meist schon vor dem Verlassen des Nestes erstmals mit Wasser in Berührung kommt. Edelfinken, Gimpelartige und Sperlinge, welche man nicht ganz korrekt als "Körnerfresser" bezeichnen kann, müssen unbedingt lernen, selbstständig Körner zu enthülsen und zu fressen. Werden sie nur mit Weichfutter ernährt, führt dies später zu schweren Verdauungsstörungen. Anfangs kann man die Körner in eine Tüte geben und sie dann mit dem Nudelholz vorsichtig knacken, oder aber man bietet das Futter gekeimt an. Mit der Zeit mischt man immer mehr ganze, trockene Körner unter, bis der Vogel diese fressen kann. Auch grob gehackte Walnüsse und Pinienkerne werden gerne genommen. Diese genannten Vogelarten suchen ihre Nahrung hauptsächlich auf Wiesen und in Gebüschen, deshalb richtet man ihre Behausung so ein, dass sie ihrem späteren Lebensraum in etwa entspricht, also mit vielen begrünten Zweigen zum Sitzen, den Boden mit frischem Gras und Grünzeug aus dem Garten sowie Laub, Walderde, Rindenstücken, Moos, Ästen und Steinen dekoriert. Man kann beispielsweise aus einer Wiese ein Stück ausstechen und in eine flache Schale setzen. Täglich etwas gegossen, bleibt diese "Naturwiese" mehrere Tage lang frisch. Ihrer Phantasie sind bei der artgerechten Inneneinrichtung des Käfigs keine Grenzen gesetzt. Auf dem Boden werden nun flache Schalen mit Körnerfutter, beispielsweise Waldvogel- oder Kanarienfutter, grobem Vogelsand und Wasser platziert. Zwischen die Näpfe streut man außerdem ein wenig Körnerfutter aus. Ein Strauß aus frischen Wildkräutern mit Samenständen darf ebenso nicht fehlen, denn das wird in der Natur die Nahrung der "Körnerfresser" sein. Amseln und andere Drosselartige suchen später ihre Nahrung vorrangig durch Wühlen am Boden. Für sie ist der Bodenbelag daher von äußerster Wichtigkeit. Geeignet sind für sie zum Beispiel Vogelerde, Walderde und Rindenmulch. Darauf legt man trockenes Laub, Blätter, Ästchen, Moos und setzt Steine sowie Holzstücke dazwischen. Die künstliche Wiese, wie bei den Körnerfressern beschrieben, darf auch hier nicht fehlen. In Schalen bietet man neben Wasser und grobem Vogelsand Honigalleinfutter oder Beoweichfutter, in Wasser eingeweichte Beoperlen, Beeren und Früchte wie Kirschen oder Erdbeeren sowie eine Schale mit Erde an, in welcher sich lebende Regenwürmer befinden. Die Schale sollte nicht zu flach sein, sonst entkommen die Regenwürmer sehr schnell. Als Leckerbissen können auch wenige Mehlwürmer gegeben werden. Reife Ebereschenbeeren und Holunderbeeren hängt man in ganzen Dolden ans Gitter oder befestigt sie an den Sitzästen. Reife Beeren stehen normalerweise aber nur im Spätsommer und Herbst zur Verfügung. Meisen halten sich später weniger am Boden auf, sondern vor allem auf Zweigen, daher ist der Bodenbelag für Meisen nicht so sehr von Bedeutung wie etwa für Amseln. Dafür sollte der Käfig mit begrünten Zweigen in unterschiedlichen Dicken und Formen ausgestattet werden, an denen sie herumturnen können. Meisen fressen in Freiheit bevorzugt Blattläuse und andere winzige Insekten. Sollten Sie also mit Blattläusen befallene Zweige und Triebe finden, sind diese von unschätzbarem Wert für Ihre junge Meise. Sie werden staunen, wie sie interessiert jedes Blatt untersucht und dann die Blattläuse der Reihe nach abpickt. Lebende Raupen und Insekten aus dem Garten sind gleichfalls von großer Bedeutung. Die Meise hält das Insekt oder den Wurm mit den Füßen fest und pickt dann mit dem Schnabel als erstes den Kopf ab, bevor sie den Rest des Futtertieres frisst. Zum Sattessen sollten zusätzlich noch in Wasser gequollene Beoperlen, Insektenfutter, Heimchen und wenige Mehlwürmer bereit stehen. Lebende Drohnenbrut ist ein besonderer Leckerbissen für Meisen.
Die Behausung Ihres Wildvogels sollte natürlich keine Dauerunterkunft sein. Freiflüge sind so oft und so lange wie möglich zu gewährleisten, damit der Vogel über genügend Flugtraining verfügt. Bieten Sie Ihrem Vogel keinesfalls mehr Futter außerhalb seines Käfigs an. Er soll lernen, dass er zum Fressen und Trinken zurück in seinen Käfig fliegt. Anfangs müssen Sie ihm sicher noch dabei helfen, indem Sie ihn nach dem Freiflug zurück tragen und in seinen Käfig setzen, bis er gelernt hat, diesen selbst wieder aufzusuchen. Auf diese Weise wird seine spätere Auswilderung bereits simuliert, bei der er anfangs ebenfalls wissen muss, dass im Käfig Futter verfügbar ist und dass er dorthin zurückkehren muss. Wenn er das gelernt hat, können Sie Ihren Wildvogel später ohne Probleme mit Hilfe seines bekannten Käfigs auch auswildern, sofern Sie nicht über eine Freivoliere verfügen.
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