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Nestflüchter, Nesthocker und Platzhocker
In den vergangenen Jahrmillionen hat die Evolution eine große
Zahl unterschiedlicher Vogelarten hervorgebracht. Derzeit bevölkern
knapp 10.000 verschiedene Arten die Erde, und das Verhaltensspektrum
sowie die Bedürfnisse der einzelnen Spezies weichen teilweise
stark voneinander ab. Dies gilt unter anderem für die Brutpflege
und das Gebaren der Jungtiere direkt nach dem Schlupf.
 Foto © Christiane Grass
Da sich gewisse Verhaltensweisen jedoch grundsätzlich als
ausgesprochen vorteilhaft und sicher erwiesen haben - es sind vor
allem die Jungvögel, die durch Angriffe von Fressfeinden
gefährdet sind -, haben sich artübergreifende Grundtendenzen
herausgebildet. Jungvögel einheimischer Arten sowie von Spezies
in aller Welt lassen sich deshalb in drei große Gruppen
einteilen:
Nesthocker: Fast
alle Jungvögel dieser Gruppe sind zum Zeitpunkt des Schlupfes
nackt und blind, da ihre Augen noch geschlossen sind. Anfangs sind ihre
Gehörgänge verschlossen und sie sind auf eine
Wärmezufuhr von außen angewiesen, um überleben zu
können. Sie werden von den Alttieren gefüttert. Aufgrund
ihrer Hilflosigkeit sind sie an das Nest gebunden, welches sie erst
unmittelbar vor dem Erreichen der vollständigen Flugfähigkeit
verlassen.
Vertreter der Gruppe der Nesthocker sind beispielsweise Störche, Tauben,
Greifvögel, Segler, Spechte und alle Singvogelarten, also auch
die Rabenvögel. Foto: Junger Eichelhäher,
© Dagmar Offermann
Nestflüchter: Zu
dieser Gruppe gehörende Jungvögel sind beim Schlupf am
gesamten Körper befiedert (Jugendkleid), ihre Augen und Ohren
sind bereits voll entwickelt und geöffnet. Nach ein bis zwei Tagen
verlassen sie unter Führung der Altvögel das Nest, zu dem
sie anschließend nicht wieder zurückkehren. In der ersten
Zeit werden sie von ihren Eltern noch gehudert, das heißt durch
direkten Körperkontakt und das Gefieder gewärmt. Die meisten
Nestflüchter nehmen sofort selbstständig Nahrung auf, das Wissen
um geeignetes Futter ist ihnen größtenteils
angeboren. Darüber hinaus können sie von Anfang an laufen
beziehungsweise schwimmen und tauchen.
Zu den Nestflüchtern gehören beispielsweise Schwäne,
Enten, Gänse und Kraniche. Foto: Junge Kanadagänse,
© Gaby Schulemann-Maier
Haben Sie einen jungen Nestflüchter gefunden? Dann lesen Sie bitte
das
umfangreiche
Kapitel über die Aufzucht von Individuen dieser Vogelgruppe.
Platzhocker: Die
Jungvögel dieser Gruppe sind zum Zeitpunkt des Schlupfes voll
befiedert und sehend; ihr Gehör ist ebenfalls voll entwickelt. Sie sind
beweglicher als die Nesthocker und halten sich auch später im
Nest beziehungsweise in dessen unmittelbarer Umgebung auf. Hier werden
sie von den Altvögeln mit Futter versorgt und gehudert. Ihre
Flugfähigkeit erlangen sie spät. Sie sind lange Zeit nicht
dazu in der Lage, ihre Körpertemperatur selbstständig zu
regulieren.
Vertreter der Platzhocker sind beispielsweise Möwen und
Seeschwalben. Foto: Weißkopfmöwe im ersten Winter,
© Gaby Schulemann-Maier
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Kapitel über die Aufzucht von Individuen dieser Vogelgruppe.
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