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Aufzuchtfutter
Im Großen und Ganzen kann man davon ausgehen, dass sich die
Vertreter einer Vogelgattung, siehe Rubrik
"Vogelarten",
ähnlich ernähren. Ausnahmen bestätigen hierbei allerdings
wie immer die Regel. Foto rechts: Junger Mauersegler, ©
Elisabeth Pfeiffer
Für Sie als Zieheltern ist es wichtig zu wissen, ob Ihr
Fundvogel eher vegetarisch, mit Insekten, mit beidem oder gar mit etwas
gänzlich Anderem zu füttern ist. Die einzelnen
Futtermittel zur Jungvogelaufzucht werden im Folgenden kurz
vorgestellt. Welcher Vogelart Sie welche Nahrung verabreichen
dürfen, entnehmen Sie der
Tabelle weiter unten.
Was Sie als Aufzuchtfutter grundsätzlich vermeiden sollten:
- Hunde- und Katzenfutter (wird leider
von vielen Tierärzten empfohlen)
- Hackfleisch
- Milchprodukte und Babybrei
|
Als erste Notfallmaßnahme sollten Sie einem
gefundenen Vogel zunächst etwas Traubenzuckerlösung, also
Wasser mit Traubenzucker, eingeben. Lassen Sie hierfür die Flüssigkeit seitlich vom Schnabel aus hinein rinnen, siehe Foto unten. Geben Sie sie niemals direkt in den Schnabel, der Vogel könnte daran ersticken! Bevor Sie aus Unwissenheit
irgendetwas an einen gefundenen Wildvogel verfüttern, lesen Sie
bitte unbedingt in Ruhe den gesamten Beitrag über eine
artgerechte Fütterung!

Foto: Junge Dohle, © Andrea Cromme
Damit von Ihnen gepflegte und versorgte Vögel keine gesundheitlichen
Schäden aufgrund von Fütterungsfehlern erleiden, sollten Sie
unsere Futtermittelbeschreibungen aufmerksam lesen. Die im Folgenden
genannten Futtermittel sind zur Aufzucht der meisten Vogelarten
geeignet:
- Notfallfutter: Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen
(zum Beispiel Geschäftsschluss der Läden, Wochenende) auf die Schnelle kein
artgerechtes Futter besorgen können, so können Sie am besten improvisieren,
indem Sie Freunde und Bekannte mobilisieren, Insekten zu fangen. Besonders in
Ställen findet man schnell große Mengen an Fliegen. Welche Insekten darüber
hinaus geeignet sind, können Sie weiter unten nachlesen.
Ist es nicht möglich, ausreichend Insekten zu fangen oder anderweitig Futter zu beschaffen, kann notfalls ein Ei mit einem Schuss
Mineralwasser und einer Prise Zucker/Honig verrührt werden und in der Pfanne oder Mikrowelle gestockt werden. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen und kleine Stücke davon in zimmerwarmes Wasser getupft geben.
Dieses Notfallfutter sollte jedoch auf keinen Fall länger als zu drei Mahlzeiten verfüttert werden, da es
schwere Verdauungsstörungen zur Folge haben kann!
Es ist sehr wichtig, so schnell wie irgend möglich für eine
artgerechte und naturnahe Ernährung zu sorgen. Bezugsquellen
für Futtermittel und Insekten finden Sie in unserer
Linksammlung. Besonders
praktisch sind Onlinebestellungen.
- Beoperlen: In Wasser gequollen, sind sie ein
hervorragendes Notfallfutter und werden auch bei der Aufzucht als
Zusatzfutter erfolgreich eingesetzt.
- Futtertiere: Der Fachhandel bietet Futtertiere
lebend, gefroren oder getrocknet zum Kauf an.
Heimchen
Heimchen sind eine Grillenart. Sie sind in verschiedenen
Größen erhältlich: klein, mittel und groß. Am
häufigsten werden die mittelgroßen Heimchen
verfüttert, sie haben eine Länge von etwa 1,5 bis 2,5 Zentimeter.
Foto rechts ©
Gaby Schwarz
Man bezieht sie lebend und friert sie umgehend nach Erhalt mitsamt
der Schachtel ein. Kleinere Mengen der Futtertiere kann man in
Zoofachgeschäften kaufen, allerdings sind sie dort weitaus teurer
als beispielsweise bei einem Spezialversand. Aufgetaute Heimchen
sollten sofort verfüttert werden, da sie ausgesprochen schnell
verderben! Haben sie sich bereits schwarz verfärbt, sind sie
nicht mehr verwendbar.
Neuerdings kann man auch Heimchen kaufen, welche zunächst gekocht
und dann eingefroren worden sind. Sie werden tiefgefroren angeliefert,
sind jedoch etwas teurer als Lebendfutter. Sie haben den Vorteil,
dass sie nach dem Auftauen länger frisch bleiben. Außerdem
sind sie nahrhafter als Heimchen, welche man lebend gekauft hat. Bei den
lebenden Tieren kann man nämlich nicht erkennen, ob sie gegebenenfalls eine
längere Hungerperiode hinter sich haben und dadurch weniger
nährstoffreich für die Jungvögel sind. Vor dem Verfüttern
werden die harten Hinterbeine der Heimchen entfernt.
Foto oben: Vergleich Heimchen-Steppengrillen, ©
Dagmar Offermann
Steppengrillen
Auch Steppengrillen gehören zu den Grillen, wie es der Name bereits vermuten
lässt. Sie sind etwas größer als die größten Heimchen,
also in etwa 2,5 bis drei Zentimeter lang. Für die Verarbeitung, Lagerung und
Verfütterung von Steppengrillen gelten dieselben Regeln wie für Heimchen.
Steppengrillen eignen sich besonders gut als Futtertiere für Alpen- und
Mauersegler.
Foto rechts ©
Dagmar Offermann
Bienenlarven
Falls Sie Kontakt zu einem Imker haben, können Sie ihn nach Drohnenbrut (Bienenlarven) fragen. Diese sollte beigebraun bis dunkel gefärbt sein. Allerdings sollte Drohnenbrut nicht ausschließlich verfüttert werden, da sie sehr fetthaltig ist. Als zusätzliche Kost ist sie hingegen gut geeignet.
Man kann die Bienenlarven lebend verfüttern oder einfrieren, hierfür werden sie in den Waben in den Gefrierschrank gelegt. Auch blanchieren lassen sich die Futterinsekten. Dafür geht man folgendermaßen vor: Die eingefrorene Drohnen werden in Portionen aus den Waben entnommen. Bitte achten Sie darauf, immer nur so kleine Wabenstücke aus dem Tiefkühlfach zu nehmen, damit nicht die eingefrorene Portion in der Zwischenzeit auftaut, was recht schnell geschieht. Holen Sie nun schnell die noch gefrorenen Insekten aus den Waben. Achtung, in aufgetautem Zustand sind die Bienenlarven matschig, das Wachs lässt sich nicht vollständig entfernen, infolgedessen sind sie als Futter unbrauchbar!
Die aus den Waben entnommenen Drohnen werden in kochendem Wasser drei Minuten blanchiert und anschließend mit eiskaltem Wasser abgeschreckt. Damit man sie später einzeln verfüttern kann, ist es wichtig, sie vor dem erneuten Einfrieren zu trocknen. Dazu eignet sich eine Salatschleuder hervorragend, sie wird mit Küchenpapier ausgelegt. Dort hinein legt man die blanchierten, abgeschreckten Drohnen und geschleudert sie. Jetzt lassen sie sich gut zusammen einfrieren und können später einzeln entnommen werden. Um blanchierte Insekten möglichst lange haltbar zu machen, empfiehlt es sich, diese in Vakuum zu verpacken.
Der Vorteil der blanchierten Drohnen liegt darin, dass hier kein Verschmieren des Gefieders oder Verschlucken an dem sehr weichen Inhalt vorkommen kann. Auch die helleren Drohnen kann man, natürlich nur in Maßen, verfüttern.
Raupen
Sie können selbst nach kleinen Raupen suchen, welche sich als
Aufzuchtfutter ebenfalls hervorragend eignen. Allerdings sollten
Sie nur glatthäutige Raupen ohne Haare und Dornen wählen
und gelbe sowie rote Tiere meiden, da diese in aller Regel giftig sind!
Außerdem ist es sehr, sehr wichtig, dass man ausschließlich
solche Raupen verfüttert, die auf ungiftigen Pflanzen sitzen! Anderenfalls
kann es bei den Jungvögeln zu tödlichen Vergiftungen kommen, weil sich
das Gift der Pflanzen, welche die Raupen fressen, in den Insekten sammelt. Foto rechts © Norbert Wittekopf
Achtung: Einige in Deutschland vorkommende
Raupenarten stehen unter strengem Naturschutz, darunter die Raupen
des Apollofalters. Nähere Informationen zu diesem Thema finden
Sie unter Wisia.de.
Foto rechts © Kurt & Viktoria Sagmeister
Futterfische (Stinte)
Hiermit sind kleine Süßwasserfische (drei bis fünf Zentimeter lang) gemeint,
welche als Nahrung zum Beispiel für Eisvögel, Lappentaucher oder auch Möwen dienen.
Man erhält tiefgefrorene Stinte in Zooabteilungen von Gartencentern,
oder man kann sie auch bequem online bestellen und zu sich nach Hause liefern lassen
(Bezugsquelle: www.aquaristic.net).
Gefrorene Stinte sind beispielsweise auch in italienischen Delikatessgeschäften und
auf gut sortierten Wochenmärkten erhältlich. Achten Sie aber bitte darauf, dass
wirklich Stinte verkauft werden und keine Salzwasserfische!
Man bietet sie je nach Vogelart und -größe entweder zerteilt oder im Ganzen an.
Manche Vögel nehmen Fische nur an, wenn sie in einer Schale mit Wasser treibend
gereicht werden.
Besonders Eisvögel verweigern jedoch häufig die Aufnahme toter Fische. Auch junge
Lappentaucher und andere Wasservögel benötigen zum Erlernen des Fischfangs unbedingt
lebende Fische. Geeignet sind zum Beispiel kleine Moderlieschen, Blaubandbärblinge,
Forellen oder auch andere Süßwasserfische. Man bekommt diese unter anderem bei
einem Teichbesitzer oder Fischzüchter (Gelbe Seiten).
Lebende Fische kauft man am besten jeweils in kleinen Portionen beim Fischzüchter,
da die Haltung im Aquarium nicht unproblematisch ist. Insbesondere Forellen sind
äußerst empfindlich und ersticken, da sie spezielle Wasserzusammensetzungen benötigen.
Fische, die anders als Forellen in stehenden Gewässern leben (z. B. Moderlieschen), können
kurzfristig auch in einem Aquarium gehalten werden. Über die richtige Haltung von
Fischen im Aquarium erkundigen Sie sich bitte in Zoogeschäften und auch bei Fischzüchtern.
Kleinsäuger und Eintagesküken
Zur Aufzucht
von Greifvögeln und Eulen benötigt man erheblich größere Futtertiere als
für die Aufzucht von Singvögeln. Eulen und Greifvögel benötigen zum
Heranwachsen beispielsweise Kleinsäuger wie Mäuse oder Eintagesküken. Da die
artgerechte Fütterung dieser Fleisch fressenden Vögel ausgesprochen schwierig ist,
sollte man die Aufzucht Experten überlassen. Hinzu kommt, dass diese Vogelgruppe sehr
hohe Anforderungen an eine adäquate Unterbringung stellt. Foto rechts: Junger Turmfalke
beim Fressen einer Maus, © Elke Kröhl; Foto unten: Eintagesküken, ©
Gaby Schulemann-Maier

Blattläuse
Diese Insekten sind zwar recht klein, aber sie sind ein geeignetes
Futter zur Aufzucht junger Vögel unterschiedlicher Arten. Blattläuse sind im Sommer an vielen Stellen in der Natur zu finden. Man kann sie auch selbst züchten, indem man beispielsweise Kräutertöpfe (Basilikum wird von grünen Blattläusen gern befallen) mit einigen Läusen aus der Natur besiedelt. Die Kräutertöpfe sollten in der Fensterbankkultur gepflegt werden, meist breiten sich die Blattläuse explosionsartig auf den Pflanzen aus und können problemlos "geerntet" werden. Allerdings machen sie auch vor benachbarten Zimmerpflanzen nicht Halt. Foto ©
Gaby Schulemann-Maier
Fliegen
Fliegen sind als Futterinsekten ausgesprochen gut geeignet.
Wer einen Stall in der Nähe hat, kann dort mit der
Fliegenklatsche auf die Jagd gehen und dabei große Erfolge
erzielen. Man kann Fliegen auch selbst aus Fliegenmaden
(Anglergeschäft) ziehen, das dauert aber etwa zwei Wochen,
siehe Anleitung.
Die gezüchteten Fliegen werden ebenfalls tiefgefroren und zum
Verfüttern portionsweise aufgetaut. Foto rechts ©
Gaby Schulemann-Maier
Fliegenmaden, lebend
Diese Insekten sind als Futtertiere absolut nicht
geeignet! Sie sind permanent hungrig und widerstandsfähig. Im
Körper des Jungvogels sterben sie nicht besonders schnell und
können sich auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt durch
die Darmwand fressen. Der Jungvogel kommt dadurch zu Tode! Nur
ältere Rabenvögel und Drosselartige können sie
in kleinen Mengen lebend erhalten.
Fliegenmaden, tiefgefroren (auch Pinkies genannt)
Dieses Futter ist im Insektenhandel erhältlich. Mit Hilfe einer
speziellen Methode werden die Fliegenmaden abgetötet und umgehend
tiefgefroren. Sie stellen daher für Jungvögel keinerlei
Gefahr dar und eignen sich bestens als Nahrung für Jungtiere
vieler Vogelarten. Pinkies sind äußerst eiweißreich
und bekömmlich.
Wer selbst Fliegenmaden einfrieren möchte, sollte lebende Maden
drei Minuten lang in sprudelndem Wasser kochen, mit kaltem Wasser
abschrecken und anschließend
einfrieren. Für Zartbesaitete ist diese Methode freilich nichts,
da es zugegebenermaßen recht barbarisch ist, die lebenden Maden
in kochendes Wasser zu werfen. Man sollte sich jedoch nichts vormachen,
auch gekaufte Pinkies mussten leiden, um zu Vogelfutter zu werden. Dies
ist bedauerlicherweise die Kehrseite der Medaille, anders lässt es
sich jedoch nicht machen.
Regenwürmer
Sie sind zur Aufzucht nicht geeignet, außer für
Amseln (siehe Foto rechts),
Drosseln, Stare
und Rabenvögel. Bei diesen Vogelarten
sollte an verfütterten Regenwürmern stets noch etwas
Erde kleben. Andere Vogelarten vertragen die zähe Haut der
Regenwürmer nicht. Von Mai bis Mitte Juni entwickeln
Regenwürmer in ihren Körpern einen leicht toxischen Stoff,
weshalb man sie zu dieser Zeit besser nur in sehr geringen Mengen
verfüttern sollte! Wer draußen keine Würmer sammeln möchte, kann unter Superwurm.de diese Futtertiere über das Internet bestellen. Foto © Gaby Schulemann-Maier
Mehlkäferlarven/Mehlwürmer
Zur Aufzucht von Jungvögeln sind diese Tiere
nicht geeignet, obwohl in Zoofachgeschäften
oft das Gegenteil propagiert wird! Die Fütterung mit
Mehlwürmern führt zu Mangelerscheinungen, Gefiederdefekten
oder Verdauungsstörungen, um nur einige Folgen zu nennen.
Ältere Vögel können wenige Mehlwürmer
als Zusatzfutter erhalten, maximal zehn pro Tag.
Am besten verwendet man für die Fütterung frisch
gehäutete Larven, welche an ihrer weißen Farbe
erkennbar sind. Mehlwürmer eignen sich ferner dazu, Jungvögel
später zum Fressen sich bewegenden Futters zu animieren.
Man kann den Nährwert der Mehlwürmer aufbessern, indem
man sie mit Eiaufzuchtfutter für Vögel ernährt.
Dieses Futter enthält viele Vitamine und Mineralstoffe, die
sich im Körper der Mehlwürmer ablagern und so deren
Nährwert erhöhen.
Buffalowürmer
Diese Insekten, die gelegentlich auch Buffalos
genannt werden, sind die Larven der Getreideschimmelkäfer
(siehe Foto unten). Sie sehen Mehlwürmern ähnlich, sind
jedoch kleiner und haben einen weicheren, dadurch besser
verträglichen Chitinpanzer. Man kann sie lebend und tiefgefroren
kaufen. Wie bei den Mehlwürmern ist darauf zu achten, sie in
ausbruchssicheren Futternäpfen anzubieten. Am besten reicht man
sie in glattwandigen Gefäßen.
Mehl- und Buffalowürmer bewahrt man folglich idealerweise in einer
glattwandigen Schale mit hohem Rand auf, aus der sie nicht entkommen
können. Sie erhalten täglich Obst- und
Gemüsestückchen sowie Haferflocken und Brotkrümel als
Nahrung.
Ameisen, Bienen, Wespen und Hummeln
Diese Flug- und Krabbelinsekten sind zur Jungvogelaufzucht
nicht geeignet.
Ameiseneier
Diese kleinen "Proteinbomben" sind ein hervorragendes
Aufzuchtfutter (siehe Foto unten). Achtung, einige Ameisenarten stehen
in Deutschland unter Naturschutz und es ist deshalb verboten, ihre Eier in der
Natur zu sammeln!
Praktisch ist der Bezug von Futtertieren über das Internet,
zum Beispiel über Futter-Spatz
oder
Faunatopics.
Gefrorene Futterinsekten erhält man beispielsweise bei Palmowski
(Tel: 02133/21645 oder 215649).
- Insektenfutter:
Hiermit ist handelsübliches Futter aus getrockneten Insekten und Garnelen gemeint.
Trockenfutter eignet sich nicht zur Aufzucht von Jungvögeln, besser sind frisch tote oder gefrostete Insekten. Zum Überbrücken der Zeit, bis frische Insekten besorgt werden können, kann es kurzfristig gegeben werden (vorher anfeuchten).
Das Trockenfutter kann älteren Vögeln, die bereits selbst fressen, zusätzlich zu frischen Insekten angeboten werden, sollte jedoch nicht als Alleinfutter gegeben werden.
Man sollte darauf achten, dass das Futter möglichst nur aus Insekten besteht und keinen Waffelbruch enthält. Ist in dem Insektenfutter Negersaat (siehe Link) enthalten, so sollte es vorsichtshalber erst gemahlen werden.
Foto: Futter für Insektenfresser, ©
Dagmar Offermann
- Eifutter: Hiermit ist ein handelsübliches
Eiaufzuchtfutter für Kanarienvögel gemeint, das im Zoofachhandel auch als Aufzuchtfutter bezeichnet wird. Es eignet sich nicht dafür, an sehr junge Vogelküken verfüttert zu werden. In der Ziervogelzucht wird es als Futter für die Altvögel verwendet, die damit ihren Nachwuchs füttern. Eifutter ist nicht dasselbe wie Handaufzuchtfutter, siehe unten. Älteren Vögeln, zum Beispiel verletzten Altvögeln oder flüggen Jungvögeln, kann es hingegen gereicht werden. Bevor man es den Vögeln gibt, sollte man es mit
geriebenem Obst oder einfach mit Wasser anfeuchten. Eifutter
wird vor dem Gebrauch fein gemahlen, da die darin enthaltene Negersaat
unverdaulich ist und zu Darmverschlingungen führen kann. Niemals
sollte man Eifutter an
Amseln
und Drosselartige verfüttern! Jugendliche Körnerfressern
kann man anfangs zum Erlernen der eigenständigen Nahrungsaufnahme
neben kleinen Sämereien etwas Eifutter anbieten.
- Handaufzuchtfutter: Hiermit ist ein spezielles Pulver zur Kanarienvogel- oder Papageienaufzucht gemeint, welches mit Wasser angerührt und mit Hilfe einer Spritze als Brei verfüttert wird. Sehr gut ist Handaufzuchtfutter beispielsweise als Ersatz für die Kropfmilch bei Tauben geeignet. Im gut sortierten Zoohandel oder in Tierfutter-Onlineshops sind unter anderem die Marken Quiko, Nutribird, Dr. Harrison's und CeDe erhältlich.
Bitte achten Sie darauf, dass Ihnen tatsächlich HANDaufzuchtfutter ausgehändigt wird. Nicht selten verkaufen weniger gut sortierte Zoogeschäfte auch Aufzuchtfutter. Dieses hat eine andere Zusammensetzung und wird zur Unterstützung an Vogeleltern verfüttert - nicht direkt an Küken!
- Tatar: Hiermit ist reines Tatar vom Rind
gemeint, also kein Hackfleisch! Man kann Tatar
einigen Vogelarten während der Aufzucht reichen. Es sollte
jedoch niemals ausschließlich verfüttert werden! Man friert
es am besten in kleinen Portionen ein, die man dann bei Bedarf auftaut
und verfüttert.
- Klein geschnittene Früchte: Besonders
Stare,
aber auch viele andere Vogelarten schätzen zerkleinertes
Obst als Zusatzfutter. Geeignet sind beispielsweise Äpfel, Birnen,
Weintrauben, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, Ebereschenbeeren
(Vogelbeeren), Johannisbeeren.
- Frische Samen und Grünfutter:
Gemischtfresser und Vegetarier kann man mit Samen von Gräsern,
Hirtentäschelkraut, Wegerich und vielen anderen Pflanzen
zerkleinert füttern. Die Samen müssen nicht reif sein,
am besten geeignet sind sie, wenn sie sich leicht zerdrücken
lassen und dabei etwas Flüssigkeit aus den Pflanzenteilen tritt.
Vogelmiere in kleinen Stückchen ist ebenfalls sehr willkommen.
Eine Übersicht von Pflanzen, die als Nahrung für Wild-
und Ziervögel geeignet sind, finden Sie
hier.
- Calcium- und Vitaminpräparate: Diese
gesundheitsfördernden Futterzusätze dürfen bei der
Jungvogelaufzucht keinesfalls fehlen. Geeignet ist zum Beispiel
Korvimin ZVT, welches man beim Tierarzt erhält. Die richtige
Dosierung entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage.
- Lactobazillen/Huminsäure: Geeignet sind
beispielsweise Bird Bene-bac und Vertinal.
Insbesondere bei sehr jungen Vögeln sollten dem Futter
Lactobazillen oder Huminsäure beigemengt werden. Alternativ
kann man LC1 von Nestlé verwenden. Man erhält Bird
bene bac als Paste in Tuben oder als Pulver sowie das zweite genannte
Mittel Vertinal beim Tierarzt.
Die folgenden Tabellen sollen Ihnen bei der artgerechten
Futterzusammenstellung helfen:
|
|
Beoperlen
|
Frische Futter- tiere (Insekten)
|
Handauf- zuchtpulver
|
Tatar
|
Früchte
|
Frische Samen und Grünfutter
|
Grünfink, Girlitz, Hänfling, Stieglitz, Goldammer
|
20%
|
10%
|
30%
|
|
|
40%
|
Haus- und Feldsperling, Buchfink,Gimpel, Kleiber, Kernbeißer
|
10%
|
50%
|
20%
|
|
|
20%
|
|
Star, Amsel, Sing- und Wacholderdrossel
|
30%
|
50% (auch Regenwürmer)
|
|
|
20%
|
|
Raben- und Saatkrähe, Dohle, Eichelhäher, Elster
|
10%
|
30% (auch Regenwürmer)
|
10%
|
40%
|
10%
|
|
Spechte
|
30%
|
50%
|
|
|
20%
|
|
Empfindliche Insektenfresser (Meisen, Schwalben, Rot- schwänzchen, Rotkehlchen, Zaunkönig, Bachstelze, Gras- mückenartige, Baumläufer, Goldhähnchen)
|
10%
|
90%
|
|
|
|
|
|
Alpen-, Mauersegler
|
|
100%
|
|
|
|
|
Tauben: Junge
Tauben erhalten von ihren Eltern während der ersten zehn
Lebenstage eine in deren Kropf gebildete Flüssigkeit
als Nahrung, die so genannte Kropfmilch. Diese
kann man bei der Handaufzucht durch ein Gemisch aus gleichen
Anteilen Handaufzuchtfutter für Kanarienvögel
(Bezugsquelle: Quiko)
und gemahlenem Eifutter ersetzen.
Beides wird gemischt, mit lauwarmem Wasser angerührt, bis eine
sämige Masse entsteht, und anschließend durch ein Sieb
gestrichen. Der resultierende Brei wird mit Bird bene bac und einer
Prise Korvimin ZVT versetzt und den Vögeln anschließend
mit Hilfe einer Futterspritze vorsichtig eingegeben.
Nach dem zehnten Lebenstag kann man geschrotetes Getreide zufüttern,
welches zuvor in Wasser eingeweicht werden muss. Hierbei sollte der
verfütterte Getreideanteil täglich ansteigen. Ab dem 15. Tag
kann man auf den Brei ganz verzichten und stattdessen eine
eingeweichte Fünfkorn-Getreidemischung (Reformhaus) verfüttern.
Bitte das Wasser nicht vergessen!
Täglich erhalten junge Tauben ab dem 15. Tag zusätzlich
zwei bis drei in Wasser gequollene Beoperlen, welche in einem Gemisch aus
Korvimin ZVT und Grit gewälzt wurden.
Zu diesem Thema siehe auch unsere Informationen über die
Handaufzucht
von Tauben.
Entenartige: Junge Enten sind
Nestflüchter.
Sie werden nicht von ihren Eltern gefüttert, sondern
fressen von Anfang an selbst. Als Futter eignet sich gut
Kükenalleinkorn, welches im Landhandel erhältlich ist.
Man setzt junge Enten in eine große, glattwandige Wanne mit
weichem Bodenbelag - zum Beispiel Handtücher -, und bietet
ihnen in einer großen, flachen Schale (Blumentopfuntersetzer)
Wasser mit mehreren Händen voll Kükenkorn darin an.
Klein geschnittenes Grünzeug (Löwenzahn, Brennnesseln, etc.)
sowie ein wenig Insektenfutter sollen gegeben werden. Besonders gern
mögen junge Entenartige Wasser- und Teichlinsen, die von manchen
Menschen Entengrütze genannt wird (siehe Foto). Foto rechts: Kleine Wasserlinse,
© Gaby Schulemann-Maier
Um sie zum Fressen zu animieren, zeigt man den Entchen die Schale mit
dem Futter und rührt dabei mit den Fingern darin herum. Sauberes
Wasser zum Trinken wird in einer separaten Schale angeboten. In einer
Ecke der Wanne sollten die Enten einen trockenen Platz finden, der von
einem Wärmestrahler gewärmt wird (35 bis 38 Grad Celsius). Foto rechts:
Junge Stockente, © Gaby Schulemann-Maier
Zu diesem Thema siehe auch unser Kapitel über die
Aufzucht
von Wasservögeln.
Sehr junge Nestlinge sind deshalb besonders
schwierige Kandidaten, weil oft noch nicht erkennbar ist, um welche
Art es sich bei ihnen handelt. Unserer Erfahrung nach lässt sich
aus einigen in der Vogelaufzucht gängigen Zutaten ein optimaler
Futterbrei herstellen. Hier folgt unser Rezept:
- 2 Teile gefrorene Buffalos
- 1-2 Teile gefrorene Pinkies
- 1 Teil gefrorene Mehlwürmer
- 1 Teil Beoperlen
- 1 Teil Handaufzuchtfutter
für Kanarienvögel
- ½ Teil Gemisch aus Kieselerde
und Mineralstoff-/Vitamingemisch,
beispielsweise Korvimin ZVT
|
Der
Aufzuchtbrei ist für ganz junge nicht-vegetarische Nestlinge
- dazu gehören die meisten Wildvögel - sehr geeignet. Je nach Vogelart ist er zu variieren:
Weniger bis gar keine Insekten bei vegetarisch
aufzuziehenden Vögeln wie beispielsweise Hänflingen und Grünfinken zugeben,
stattdessen zum Beispiel frische Samen und Grünfutter oder Fünfkorn-Babybrei.
Sind Sie nicht sicher, um welche Vogelart es sich handelt, fangen Sie mit dem
hier beschriebenen Insektenbrei an.
Sämtliche im Rezept aufgeführten Zutaten werden in gefrorenem
Zustand in einer handelsüblichen elektrischen Mühle mit
Schlagwerk fein gemahlen. Unser Tipp: Das
frisch gemahlene Gemisch kann man übrigens problemlos einfrieren
und nach Bedarf auftauen.
Anschließend gibt man das Futter in ein kleines Gefäß
und lässt es bei Zimmertemperatur aufwärmen. Vor dem
Anrühren sollte man eine Prise Lactobazillen beziehungsweise
Huminsäure zugeben und unterrühren. Dem
Gemisch fügt man ein wenig Wasser hinzu, um es in eine
Einwegfutterspritze einfüllen zu können. Man kann
ebenso einen dickflüssigeren Brei herstellen und diesen von
hinten in die Spritze einfüllen, indem man den Kolben herauszieht
und nach dem Einfüllen wieder hineinsteckt. Foto rechts: Frisch geschlüpfte Amseln,
© Dagmar Offermann
Bei schwachen Vögeln empfiehlt es sich, anstelle des Wassers
Amynin oder Traubenzuckerlösung zuzugeben. Übrigens
eignet sich dieser Brei nicht nur als Nahrung für
Jungvögel, er ist ebenso ein sehr wertvolles Futtermittel
für stark geschwächte Altvögel! Auch
auf dieser Seite genannte Futtertiere lassen sich in diesen
Brei einarbeiten.
Handelt es sich um Alpensegler-, Mauersegler- oder Schwalbenküken, so sollte
der Brei ausschließlich Insekten enthalten. Körnerfressern
kann man zwischendurch gelegentlich nur Handaufzuchtfutter für
Kanarienvögel (Bezugsquelle:
Quiko) mit
Lactobazillen/Huminsäure reichen.
Man verfüttert beide Breisorten mit Hilfe einer kleinen Futterspritze
anfangs halbstündlich, dann stündlich. Die Menge richtet sich
danach, wie weit der Kropf gefüllt ist. Vor einer erneuten
Fütterung sollte er fast leer sein, nach der Fütterung
sollte der Kropf deutlich gefüllt, aber nicht bis fast zum
Platzen voll sein. Ab dem fünften Tag können kleine
Heimchen und Stückchen von eingeweichten Beoperlen
zugefüttert werden, deren Menge von Tag zu Tag erhöht
wird. Ab dem zehnten Tag kann der Brei weggelassen
und die Futterzusammensetzung gemäß der obigen Tabelle
gewählt werden.
>>> Nächstes Kapitel
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