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Erstversorgung der Jungvögel

Junge Amseln Rasche Hilfe ist in vielen Fällen überlebenswichtig, und meist ist Improvisieren angesagt, um das Leben eines Vogelkindes zu retten. Geben Sie dem Jungvogel als erstes vorsichtig einige Tropfen Wasser ein. Das Wasser wird hierzu mit Hilfe einer Pipette oder eines Holzstäbchens (zum Beispiel mit dem glatten Ende eines Streichholzes mit zuvor entferntem Kopf) tropfenweise außen an den Schnabelrand gegeben. Es läuft von selbst in das Schnabelinnere und der Vogel führt sichtbare Schluckbewegungen aus. Foto rechts: Junge Amseln, © Dagmar Offermann

Als Notfallfutter und zur Überbrückung der Zeit, bis ein artgerechtes Futter beschafft ist, kann man erst einmal so genannte Beoperlen verfüttern, die zuvor in Wasser eingeweicht worden sind. Für kleinere Vögel werden sie zerteilt, größere Vögel nehmen sie ganz zu sich. Beoperlen bekommt man im Zoofachhandel. Hat man keine Möglichkeit, Beoperlen einzukaufen - etwa, weil die Geschäfte bereits geschlossen sind -, kann man sich kurzfristig mit einer Mischung aus hart gekochtem Eigelb, Magerquark und Schmelzflocken behelfen. Die Schmelzflocken kann man weg lassen oder durch zerriebenen Zwieback ersetzen. Dieses Notfallfutter sollte jedoch auf keinen Fall länger als zwei Tage verfüttert werden, da es Verdauungsstörungen zur Folge haben kann!

Wirkt der Vogel stark ausgehungert und schwach, kann man ihm zunächst vorsichtig eine 10-prozentige Traubenzuckerlösung einflößen. Besser ist in diesem Fall eine spezielle Elektrolyt-Traubenzuckerlösung wie Elotrans oder Oralpädon, die beide in der Apotheke erhältlich sind. Falls Sie weder Traubenzucker noch eine Elektrolytlösung für die Erstversorgung besorgen können, kann man übergangsweise auf in Wasser aufgelösten Honig ausweichen. Ist auch dieser nicht verfügbar, so lässt sich zur Not auch Tafelzucker in Wasser auflösen. Sie sollten dann aber so schnell wie möglich die oben erwähnten Elektrolyte in der Apotheke (Notdienst) bzw. Traubenzucker besorgen. Auch Fencheltee mit darin gelöstem Traubenzucker (Honig/Zucker) ist eine Alternative für den Notfall.

Junge Stare Insbesondere für bis auf die Knochen abgemagerte Vögel ist eine solche Elektrolyt-Traubenzuckerlösung anfangs die einzige Nahrung, die sie erhalten dürfen, bis ihr Verdauungssystem wieder in Gang gekommen ist. Sehr gut geeignet ist hierfür Amynin, welches am besten vom Tierarzt subkutan (unter die Haut) gespritzt und von Ihnen anschließend oral (in den Schnabel) eingegeben wird. Anfangs werden einmal pro Stunde, in sehr schlimmen Fällen sogar halbstündlich, drei Tropfen der Lösung mit einer Pipette wie oben beschrieben über den Schnabelrand verabreicht; nachts erfolgt die Verabreichung alle zwei bis drei Stunden. Am folgenden Tag gibt man abwechselnd jede Stunde drei Tropfen Elektrolytlösung und eine viertel Beoperle beziehungsweise ein kleines Heimchen (ein Futterinsekt) ein. Setzt der Vogel im Anschluss an diese Fütterung feste Kothäufchen ab, kann man zur Verabreichung des im Aufzuchtfutter-Kapitel für die jeweilige Vogelart genannten Aufzuchtfutters übergehen. Foto rechts: Junge Stare, © Dagmar Offermann

Junge Ringeltaube unter einer Wärmelampe Solche Hungerkandidaten sind darüber hinaus oftmals stark ausgekühlt. Wärmen Sie den Vogel zunächst, indem Sie ihn vorsichtig in beiden Händen halten und leicht anhauchen. Die Wärme Ihres Atems und Ihrer Hände dient zur Überbrückung der Zeit, bis Sie eine passende Unterbringung mit einer Wärmelampe gefunden haben; dieses Wärmen ist oftmals lebensrettend. Bereiten Sie dem ausgekühlten Vogel ein warmes, am besten mit Wollsocken ausgepolstertes Nest und bringen Sie eine Wärmelampe darüber an. Überprüfen Sie erst die Temperatur (35 bis 38 Grad Celsius), bevor Sie den Vogel in das Nest setzen. Foto rechts: Junge Ringeltaube unter Wärmelampe, © Stadttaubenhilfe-Online.de, Iris Gurn

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