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Auswilderung von Jungvögeln
Sobald Ihr junger Vogel selbstständig Nahrung aufnimmt und gut
fliegen kann, ist es an der Zeit, ihn auf seine bevorstehende
Freilassung optimal vorzubereiten. Foto rechts: Amseln in einer Auswilderungsvoliere,
© Dagmar Offermann
Mit Ausnahme von Mauerseglern
kann man handaufgezogene Vögel nicht einfach freilassen. Sie müssen viel
mehr behutsam auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet werden. Wie man Mauersegler
freilässt, sehen Sie hier im Kapitel
"Freilassen
von Mauerseglern".
Für die Auswilderung von Nesthockern eignet sich
eine geräumige Freiflugvoliere natürlich am besten, in
die Ihr Vogel einzieht, sobald er sich selbstständig
ernähren kann. Man kann ihn bei schönem Wetter auch
schon früher in eine solche Voliere bringen, muss sich dann
aber die Mühe machen, ihn zu jeder Fütterung dort
aufzusuchen, bis er selbst fressen kann. Zur Auswilderung von
Nestflüchtern finden Sie
hier
ausführliche Informationen. Foto rechts: Junge Amsel bei der Auswilderung, ©
Dagmar Offermann
Wegen ihrer geringen Größe ist die abgebildete
Kleinvoliere jedoch nur zum Auswildern geeignet, fliegen lernen
können Jungvögel darin nicht. Man setzt den Vogel also
erst hinein, nachdem er im Zimmer gut fliegen kann und
selbstständig frisst. Für etwa zehn bis 14 Tage lässt
man das Tier in der Voliere, damit es sich seine neue Umgebung
gut einprägen kann.
Die Voliere bekommt eine nicht zu kleine Öffnung, am besten
mit Anflugbrettchen innen und außen, auf denen das Futter
stehen kann (siehe Abbildung). Später wird Ihr Vogel dann
ohne Probleme das bekannte Futterbrett auch von außen
anfliegen. Außerdem sollte die Voliere windgeschützt
sein, damit der Vogel keiner Zugluft ausgesetzt wird. Eine
handelsübliche, kleine Voliere, wie sie in der Abbildung rechts zu sehen ist, sollte
zusätzlich in einem Abstand von einigen Zentimetern vergittert
werden, als Schutz vor Räubern, die mit ihren Krallen durch
eine einfache Vergitterung eventuell den Vogel verletzen
könnten. Dasselbe gilt natürlich auch für eine
Freiflugvoliere. Foto rechts ©
Anke Poggel
Haben Sie keine Voliere, muss der Käfig als Ausgangspunkt
für die Auswilderung herhalten. Stellen Sie ihn nun sieben bis zehn
Tage lang tagsüber nach draußen, an eine windgeschützte,
katzensichere Stelle, am besten am Fensterbrett oder auf dem
Balkon. Sie benötigen noch einen gut sichtbaren Futterplatz,
oder Sie stellen die Näpfe einfach oben auf den Käfig.
Bei der Freilassung sollte nach Möglichkeit eine längere
Schönwetterperiode bevorstehen, damit Insektenfresser
genügend Nahrung finden können. Haben Sie zum Beispiel im Spätsommer
gerade reife Beeren im Garten, die Ihr Vogel bereits durch die
Fütterung kennt, wird es ihm leicht fallen, sich selbst zu
ernähren.
Ist der Zeitpunkt für die Auswilderung gekommen, so reicht man früh morgens neues
Futter und Wasser und wartet etwa eine Stunde, bis sich der Vogel
satt gefressen hat, damit er sich nicht hungrig auf den Weg machen
muss. Dann öffnet man das Türchen am Anflugbrett und
stellt gut sichtbar die Näpfe von außen auf das Brett.
Ziehen Sie sich nun vorsichtig auf einen Beobachtungsposten
zurück, von dem aus Sie für den Vogel nicht zu sehen sind. Foto rechts
© Doris Thomas
Bitte halten Sie sich nach Möglichkeit zurück. Es bringt nichts, Ihrem
Vogel draußen ständig hinterher zu laufen, um ihn vor
eventuellen Gefahren zu schützen. Was Sie allenfalls tun
können, ist Katzen fernzuhalten, weiteres Eingreifen sollte
aber nicht mehr nötig sein.
Das Verhalten von Jungvögeln kann nun sehr unterschiedlich
sein: Einige stürzen Hals über Kopf auf Nimmerwiedersehen
davon. Das passiert vor allem dann, wenn man zu lange mit der
Auswilderung gewartet und der Vogel bereits die
Bettelflugperiode hinter sich hat.
Andere trauen sich gar nicht, oder erst nach Stunden, abzufliegen.
Die meisten jedoch betrachten zunächst einmal
neugierig mit langen Hälsen alles vom Brettchen aus und
fliegen dann nicht weit entfernt auf einen Ast in der Nähe. Die
sichere Voliere immer in Sichtweite, kann eigentlich einer
erfolgreichen Auswilderung nun nichts mehr im Wege stehen.
Stellen Sie in den nächsten Tagen bis Wochen
regelmäßig Futter und Wasser bereit. So kann Ihr
Vogel sich die Zeit nehmen, die er braucht, bis er in der Lage
ist, sich von alleine seine Nahrung in der Natur zu suchen.
Diese Zeit ist von Individuum zu Individuum sehr unterschiedlich.
Manche Vögel suchen die vertraute Voliere auch noch nachts
zum Schlafen auf, dann sollten Sie diese vorsichtshalber über
Nacht verschließen, um ihn vor nächtlichen Räubern
zu schützen. Foto rechts: Kohlmeisen nach der Auswilderung, ©
Dagmar Offermann
Der Ort der Freilassung ist besonders bei Koloniebrütern von
großer Bedeutung. Am besten lässt man den Vogel in der
Nähe des Fundortes frei. Viele Vogelarten können schon
nur einige Kilometer von ihrer einstigen Heimat entfernt den "Dialekt" ihrer Artgenossen
nicht mehr verstehen. Außerdem sollte man darauf achten,
dass das Revier nicht schon überbesetzt ist, beispielsweise
wenn man einen Rabenvogel dort auswildert, wo bereits ein
Pärchen jahrelang lebt, haben wir schon arg böse
Revierkämpfe erlebt, die meist für den "Neuling"
schlimm ausgingen. Foto rechts: Junge Amsel auf der Hand,
© M. Stumpf
Handaufgezogene Stadttauben
benötigen für ihr
späteres Leben einen Taubenschlag, in den sie immer
wieder zurückkehren können. Hierfür eignet
sich zum Beispiel ein Dachraum, in den die Taube ein- und ausfliegen
kann, oder ein geschütztes Quartier auf dem Balkon mit Futterplatz.
Wir drücken Ihnen und Ihrem Vogelkind fest die "Krallen"
für eine erfolgreiche Aufzucht und Auswilderung! Sollten
Sie noch Fragen haben oder sollten sich Probleme ergeben, so
können Sie uns gerne kontaktieren. Sie erreichen uns per
E-Mail unter
wildvogelhilfe@netscape.net.
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